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Wie Schüler im „InnoTruck“ interaktiv modernste Technologien kennenlernen

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Von: Kristin Sens

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InnoTruck Marsberg Sekundarschule
Highlight der Ausstellung ist ein kooperativer Roboter, mit dem die Schüler unter Anleitung von Dr. Torben Schindler (re.) interagieren durften. © Kristin Sens

Junge Menschen mittels einer mobilen, interaktiven Ausstellung mit intelligenten Systemen und innovativen Ideen aus Naturwissenschaft und Technik vertraut machen, zeigen, wie aus einer Idee ein erfolgreiches Produkt wird, das ist die Intention der Initative InnoTruck. Zwei Tage machte das Fahrzeug jetzt an der Marsberger Sekundarschule Station.

Marsberg – Knapp 140 Schüler der achten und zehnten Klassen bekamen an diesen beiden Tagen die Gelegenheit, modernste Hightech-Anwendungen aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen, mittels Touchscreens und I-Pads zusätzliche Informationen abzurufen und selbst einzelne kleine Prozess- oder Programmieraufgaben zu übernehmen. So durften die Schüler mit einem sogenannten kollaborativen Roboter ein Armband zusammensetzen. Mit einem „Klaps“ auf den Greifarm des Roboters sowie über ein Tablet konnten sie mit dem Roboter kommunizieren und interagieren.

Sechs verschiedene Themenbereiche

In sechs verschiedenen Themenbereichen – Medizin und Gesundheit, Sicherheit, intelligente Mobilität, 3D-Druck, Nachhaltigkeit und Zentralisierung zeigt der InnoTruck anhand von rund 80 Exponaten, wie man zum Beispiel filigrane 3D-Drucke fertigen kann, oder Modelle eines kranken und eines gesunden Herzens. Ein Smartphone, bei dem die Komponenten einzeln ausgetauscht werden können, steht für Nachhaltigkeit und Fairtrade. Eine mit Sensoren ausgestattete Feuerwehrbekleidung, die Daten wie Hitze, Lage oder Position registriert, kann den Träger warnen und die Einsatzleitung beim Monitoring unterstützen.

Sensortechnik spielt auch bei der Entwicklung von Greifarmen eine große Rolle: Wie kann man ein empfindliches Produkt greifen, ohne es zu zerquetschen? Sensoren, die den Druck messen, verhindern dies. Sie dienen auch der Sicherheit in der Produktion, besonders dann, wenn Mensch und Maschine „Hand in Hand“ arbeiten, wie beim oben erwähnten kollaborativen Roboter.

„Mit Licht besser hören“

Wie Dr. Torben Schindler erläuterte, wählt man Beispiele, die möglichst nah am alltäglichen Leben sind. Eine vielversprechende und nützliche Entwicklung ist zum Beispiel, bei der Signalübertragung von Hörgeräten anstelle von elektischen Impulsen Lichtimpulse zu nutzen, weil diese feiner und differenzierter seien. Mit Licht besser hören? Eine faszinierende Idee.

Coronabedingt war nur der untere Teil des doppelstöckigen Ausstellungstrailers zugänglich. Die Klassen wurden in drei Schichten und mit verkürzten Verweilzeiten durch die Ausstellung geschickt, um die nötige Sicherheit zu gewährleisten. Dafür, so der wissenschaftliche Begleiter Dr. Frank Kraus, konnte man sich den Schülern intensiver widmen, da die Gruppen kleiner waren.

„Botschafter“ für Zukunftsthemen

Als „Innovationsbotschafter“ des Bundesforschungsministeriums tourt der InnoTruck seit 2017 quer durch Deutschland. Um die 80 Orte steuert er dabei jährlich an. In Marsberg hatte er bereits vor zwei Jahren einmal Station gemacht. Die stellvertretende Schulleiterin Rita Vogt war so angetan von dem mobilen außerschulischen Lernort, dass sie ihn ein zweites Mal nach Marsberg einlud. Wenn es nach ihr ginge, könnte der Truck jedes Jahr vorbeikommen.

„Themen, wie 3-D-Druck und intelligente Technologien sind auch Teil unserers Lehrplans“, erklärte sie. Man sei zudem dabei, Kontakte mit heimischen Unternehmen zu knüpfen. Diese könnten die Schule bei der technischen Ausstattung unterstützen, umgekehrt profitierten die Unternehmen später von potenziellen Arbeitskräften, sagte Rektor und Fachlehrer Andreas Funke. Dass Hochtechnologie „gleich um die Ecke“ angesiedelt ist, zeigt zum Beispiel der kooperative Roboter, denn dieser stammt von der Firma ABB in Brilon.

InnoTruck soll weiterrollen

Begeistert von dem Konzept und der Umsetzung zeigte sich auch der heimische FDP-Politiker und MdB Carl-Julius Cronenberg, der dem Fahrzeug in Marsberg einen spontanen Besuch abstattete. Er versprach, sich dafür stark zu machen, dass auch unter der neuen Regierung das Projekt weiterläuft. Als er erfuhr, dass es bisher nur einen einzigen dieser Trucks gibt, plädierte er sogar dafür, weitere Fahrzeuge anzuschaffen. „Einzigartig“ ist der Truck aber nicht. Erst zwei Wochen zuvor, erzählte Vogt, sei eine ähnliche mobile Lerneinheit zum Thema Elektro und Metall an der Schule gewesen.

Einen Bereich vermisste der Politiker allerdings, das Thema Kreislaufwirtschaft. Kraus verwies auf das begrenzte Platzangebot. Derartige Themen könnten aber im Rahmen von Online-Seminaren angeboten werden. Diese seien, ebenso wie im Übrigen normalerweise auch der Truck, nicht nur Schulen, sondern allen zugänglich. (Die Öffnung der Ausstellung für die Allgemeinheit am Nachmittag kann zurzeit wegen Corona nicht angeboten werden.)

Das sagen die Schüler 

Die Schüler der 10d, welche am frühen Montagnachmittag „dran“ waren, fanden die Stippvisite in die Welt von Forschung und Entwicklung „interessant“ und „spannend“. Vor allem die Möglichkeit, selbst einmal etwas auszuprobieren, fanden sie gut. Als Anregung für den eigenen beruflichen Werdegang diente die Ausstellung nach Aussagen der Schüler aber eher nicht – dafür war die Zeit zu kurz. Ein Schüler sagte selbstbewusst, eine Arbeit, bei der man noch einen Schraubenzieher selbst in den Händen hält, fände er besser.

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