1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Marsberg

Imgard Schlömer arbeitet als Schäftemacherin in Bredelar

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Schäftemacher ist ein traditioneller aber auch eher unbekannter Beruf: Irmgard Schlömer, Wilhelm Dülme, Ester Trojan-Schmidt und Eric Asbrand (von links).

Bredelar. Der Schäftemacher zählt wohl zu den unbekanntesten Berufen. Irmgard Schlömer traut sich trotzdem in dieses Abenteuer und fand bei Schuhhaus Borghoff in Bredelar die nötige Unterstützung. Die Agentur für Arbeit brachte beide zusammen.

Als Schäfte bezeichnet man die Oberteile von Schuhen. Tatsächlich könnte man sagen, dass ein Schäftemacher Kleider für die Füße schneidert. Denn wie ein Schneider fertigt er nach den Maßen der Füße Schnittmuster an, schneidet Leder und Stoffe zu und näht diese zu einem dreidimensionalen Gebilde zusammen. Genau das ist der neue Aufgabenbereich der 53-jährigen Brilonerin. Die gelernte Druckform-Herstellerin hat sich 20 Jahre um Kinder, Haushalt und Eltern gekümmert, bis der Wunsch aufkam, für sich selber einen neuen Weg zu finden. 

„Auf jeden Fall lassen sich Alternativen finden“ 

Nach einem Beratungsgespräch in der Agentur für Arbeit bei Ester Trojan-Schmidt war schnell klar, dass sich der Blick über den Tellerrand lohnt. Eigens zur beruflichen Neuorientierung wurde am Standort Olsberg gemeinsam mit dem Josefsheim ein Konzept entwickelt, um Arbeitsuchenden Perspektiven in anderen Bereichen zu öffnen. Dabei geht es auch konkret darum, Talente einzubringen und neue Möglichkeiten ausprobieren zu können. 

So hat Irmgard Schlömer ihre Leidenschaft zum Schäfte machen gefunden. „Häufig ist es so, dass Frauen nach längerer Familienphase neue Ideen und Vorstellungen für ihre weitere berufliche Tätigkeit haben. Nicht immer sind diese Ideen eins zu eins am Arbeitsmarkt zu realisieren. Aber auf jeden Fall lassen sich häufig Alternativen finden“, erläutert Ester Trojan-Schmidt als Arbeitsvermittlerin für Berufsrückkehrer und Wiedereinsteiger.

In der Agentur für Arbeit besteht auf Grund der räumlichen Nähe zum Arbeitgeber-Service die Möglichkeit, schnell Lösungen für jeden einzelnen zu finden. Trojan-Schmidt und ihr Kollege Eric Asbrand aus dem ArbeitgeberService brachten Arbeitnehmerin und Arbeitgeber zusammen.

"Interesse an diesem traditionellen Beruf"

Schuhhaus Borghoff in Marsberg-Bredelar hat mehrfach versucht, neue Mitarbeiter zu finden und daher bei der Agentur für Arbeit ein Stellenangebot veröffentlicht. Geschäftsführer des 100-jährigen Traditionsunternehmens Wilhelm Dülme beschreibt die Situation so: „Das Handwerk boomt – doch während die Auftragsbücher zum Platzen voll sind, fehlt es uns an Auszubildenden und Mitarbeitern. Durch die Hilfe der Arbeitsagentur fanden wir Irmgard Schlömer. Mit ihr haben wir eine engagierte und lernwillige neue Mitarbeiterin im Team. Wir können mit ihr eine große Lücke schließen und sind froh über ihren Mut, ihr handwerkliches Geschick und großes Interesse an diesem traditionellen Beruf.“

Damit der spätere Träger der Schuhe lange viel Freude an seinen handgefertigten Schuhen hat, ist höchste Präzision gefragt. „Die verschiedenen Leder haben sehr unterschiedliche Eigenschaften. Sie sind mal weicher, mal fester. Bei Leder gibt es keinen zweiten Versuch. Einmal vernäht, hinterlässt die Nähnadel unschöne Löcher. Das setzt mich als Anfänger schon manchmal unter Druck. Mit der großartigen Unterstützung der Kollegen werde ich aber immer mutiger und sicherer“, so die Berufsrückkehrerin weiter. 

Dülme empfiehlt jedem Arbeitgeber die Beratung der Agentur für Arbeit in Anspruch zu nehmen. Sie unterstützt die Einstellung von Personen, deren Vermittlung erschwert ist, mit verschiedenen Förderungen und öffnet so vielfältige Möglichkeiten bei der Besetzung von Stellen.

Auch interessant

Kommentare