"Spannende Fakten und interessante Funde“

40 Jahre Europawahl: Marsberger Stadtarchiv beschäftigt sich mit dem Thema

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Wahlen, wie die anstehende Europawahl, sind „geschichtlich relevant und doch immer aktuell“, so das Stadtarchiv Marsberg.

Marsberg. Geschichtlich relevant und doch immer aktuell hat sich das Team im Stadtarchiv mit dem Thema „Wahlen“ beschäftigt. „Wer nun aufhört zu lesen, weil er Statistiken und Wahlergebnisse erwartet, verpasst ein paar spannende Fakten und interessante Funde“, so das Team.

„Wussten Sie eigentlich, dass wir in einem Bereich leben, den es eigentlich gar nicht gibt? Nein? In einem Buch zum Thema ,Europa’ war Folgendes zu lesen: ,Europa kommt in der Bibel nicht vor, demzufolge hat es keinen Platz in der Geschichtsmetaphysik und der Heilsgeographie.’ Unglaublich, wo wir uns doch mehr denn je als Europäer fühlen, da die ,Kleinstaaten’ Europas gegen ,die Großen der Welt’ keine Chance haben. Umso wichtiger, liebe mündige Mitbürger, ist es, nicht nur ,sein Recht zur Wahl’, sondern auch die Pflicht eines jeden, den Geist der ersten Europawahl vom 10. Juni 1979 und die Verpflichtung zur gemeinsamen Gestaltung der Welt in der wir leben, wahrzunehmen“, so das Team des Stadtarchivs.

„Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die das Wahlrecht zum Deutschen Bundestag haben, sowie alle EG-Bürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und mindestens drei Monate in einem Mitgliedsstaat der EG eine Wohnung inne haben“, heißt es im Paragraph 6 EuWG) Waren damals nur neun Mitgliedstaaten zur Wahl aufgerufen, ist ihre Zahl nach Gründung der EU 1992 bis heute auf 28 angestiegen. Ein Zeichen, wie wichtig dieses „nichtexistierende Europa“ geworden ist.

„Dabei wurde um 800 erstmals die Bezeichnung ,Rex Europae (König Europa)’ benutzt, um das christliche Europa, das Reich Karls des Großen zu definieren. Und mit diesem alten Knaben müssten wir in Marsberg und Obermarsberg uns ja besonderes verbunden fühlen. 1867 bei der Pariser Weltausstellung prophezeite Victor Hugo, dass es im 20. Jahrhundert eine ,Nation Europa’ geben wird. Wie Recht er doch hatte.“

100 Jahre Frauenwahlrecht

„Und um das Thema ,Europa’ abzuschließen, gaben die Alliierten Mächte nach dem zweiten Weltkrieg 1945 auf der Jaltakonferenz eine Erklärung über das ,befreite Europa’ ab. Diese Freiheit zu wählen und Europa mitzugestalten, sollten wir uns nicht entgehen lassen.“

Ein anderer denkwürdiger Tag, der ebenfalls mit Wahlen zu tun hat, jährt sich dieses Jahr zum hundertsten Male: Der Tag, an dem Frauen zum ersten Mal wählen und gewählt werden durften. Lange kämpften die Frauen darum, ebenfalls politisch tätig werden zu können und das politische Leben mitzubestimmen. „So sagte Louise Dittner 1848 anlässlich der Nationalversammlung in der Paulskirche: ,Wohl spricht man viel von Freiheit für alle, aber man ist gewöhnt, unter dem Wort alle nur die Männer zu verstehen.’ Und auch gut 20 Jahre später 1870 heißt es im Preußischen Vereinsgesetz noch ,Frauenspersonen dürfen politischen Versammlungen nicht beiwohnen’. Doch anlässlich der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung vom 19. Januar 1919 ist es endlich soweit. Mit der Sozialdemokratin Marie Juchacz zieht die erste Frau in ein politisches Gremium ein“, blickt das Stadtarchiv zurück

Die Ratsmitglieder in Marsberg hießen am 12. Februar 1919 Direktor Meurer, Kaufmann Jungeblodt, Rendant Wegener, Apotheker Jökenius, Mühlenbesitzer Luce, Stellmachermeister Westemeier, Gastwirt Sagel, Bauführer Limpinsel. Interessanterweise haben all diese Männer keine Vornamen, sondern nur Berufe. „Da machte es sich wahrscheinlich nicht gut ,Hausfrau Meier’ im Protokoll eintragen zu müssen. Es sollte noch 50 weitere Jahre dauern, bis mit Theresia Becker erstmalig am 18. November 1969 eine Frau in den Ratsprotokollen der Stadt als ,Stadtabgeordnete’ zu finden ist. Lieber ,exportierten’ die Marsberger ihre ,Frauenspersonen’.“

Mit der in Marsberg geborenen Rosa Buchthal, geb. Dalberg, zog am 27. Oktober 1919 (gewählt am 22. September) die erste Frau im Magistrat von Dortmund ein, wo sie bis 1925 die einzige Frau im Stadtrat blieb.

80 Prozent der Frauen gingen 1919 zur Wahl

Zur Wahl 1919 gingen 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen. „Also Frauen, am 26. Mai 2019 auf zur Europa-Wahl, denn es wurde lange genug um das Recht zu wählen gekämpft… und nehmt eure Männer gleich mit. Als Anmerkung zum Schluss: Alle, denen der Weg in die Wahllokale schwer fällt, haben seit 1957 das Briefwahlrecht in Deutschland. Es wurde zur Bundestagswahl erstmalig eingeführt und bis heute beibehalten. Das Briefwahlrecht kann auch für die jetzt kommende Europawahl noch im Wahlamt in der Stadtverwaltung Marsberg beantragt werden. Lassen Sie sich als mündige Bürger auch für ein künftig starkes Europa das Recht und die Möglichkeit zur politischen Mitbestimmung nicht nehmen“, so der Appell des Marsberger Stadtarchivs.

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