Meister des Gefühls

Justus Frantz hinterlässt mit seinem Konzert nachhaltige Eindrücke

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Konzentriert und virtuos am Flügel, so kennt man den Pianisten Justus Frantz.

Bredelar. Alles Gute ist drei – so sagt man – das trifft auf den weltberühmten Pianisten Justus Frantz, der nun bereits zum dritten Mal seit 2017 im Kloster Bredelar ein Konzert gab, mit Sicherheit zu. Sowohl beim einladenden Kloster Bredelar als auch beim Musiker selbst klang an, dass beide Seiten weiteren Auftritten nicht abgeneigt sind.

„Ich wundere mich auch, dass ich schon wieder hier bin und Sie auch immer noch da sind“, sagte Justus Frantz verschmitzt an das Publikum gewandt, nachdem der Erste Vorsitzende des Fördervereins Johannes Schröder den Gast begrüßt hatte. 

Ein Grund dafür, dass das Konzert das Publikum in Scharen nach Bredelar lockte (sogar aus Paderborn kamen Besucher), ist mit Sicherheit die unprätentiöse und authentische Art, mit der sich der Virtuose auf dem Podium präsentiert und die unterhaltsamen und anschaulichen Einführungen zu Komponist und Werk, die er vor dem Spiel gibt. So erhalten auch musikinteressierte Personen, die sich in der Klassik nicht so gut auskennen, einen Zugang zu dieser und können den Hörgenuss besser goutieren. 

Mozart im Mittelpunkt

Nach Beethoven (2017) und Chopin (2018) stellte Frantz diesmal Wolfgang Amadeus Mozart in den Mittelpunkt seines Konzerts. „Aufbruch wäre das passende Stichwort für dieses Musikstück“, erklärte er und beschrieb – nach einem Exkurs in die Kinderjahre des Musikgenies – die Entstehungsumstände der F-Dur Sonate, die er als erstes Stück an diesem Abend spielte. So habe sich der junge Mozart damals zum ersten Mal ohne seinen Vater, nur in Begleitung seiner Mutter, auf Reisen begeben. „Diese Reise in die Freiheit, diese Glücksgefühl prägt diese Komposition“, so Frantz. 

Das nächste Musikstück dagegen, eine Sonate in A-Moll, sei stilistisch völlig anders, ein Mozart wie man ihn bis dato nicht gekannt habe. Anlass dafür war wohl, dass der junge Mozart sich erstmals verliebt hatte, in die junge Sängerin, Aloisia Weber (später heiratete er deren Schwester Constanze). Sein Vater sah dessen musikalische Karriere aufs Spiel gesetzt und versuchte die Liaison mit allen Mitteln zu unterbinden. „Mozart fügte sich zunächst, aber der Vater-Sohn-Konflikt, sein Aufbegehren, seine Leidenschaft scheinen sich musikalisch in diesem Stück widerzuspiegeln“, erläuterte der Pianist. 

Frieden in Israel als Herzensangelegenheit

Vor der Pause präsentierte Frantz, als kleine Zugabe für den ausdauernden Applaus, Chopin – auswendig, wie sein gesamter Konzertvortrag – und locker, wie aus dem Ärmel geschüttelt. Danach gönnte sich der Musiker nur eine sehr kurze Pause, ehe er für Autogramme und den Verkauf seiner CDs zur Verfügung stand – eine Einsatzbereitschaft, die größte Hochachtung verdient. Die Einnahmen kämen, so erklärte er, seinem israelisch-palästinensischen Orchester zu Gute – eine Herzensangelegenheit, die er mit großem Engagement seit etlichen Jahren betreibt: „Mein Hauptanliegen ist, dass in Israel alle friedlich miteinander leben – Juden, Christen und Muslime, dann wäre alles viel einfacher.“ Ein Statement, dass ihm viel Beifall einbrachte. 

Musikalisch ging es nach der Pause mit einem weiteren Stimmungswechsel Mozarts weiter, entstanden nach dem Tod seiner Mutter. Bezeichnend sei die Ambivalenz der Gefühle, die sich in dem Satz „Freu dich mein Herz – lebe deinen Schmerz“ erklärt und die auch in der Komposition hörbar wird. „Die A-Dur-Sonate ist eine der herrlichsten Melodien, die Mozart geschrieben hat“, fand Frantz. 

Aufgeschlossen, humorvoll und voller Anekdoten, so erlebten die Konzertbesucher Justus Frantz im Kloster Bredelar auf und neben dem Podium.

Sie sei ein Thema, das ihn nie kalt gelassen habe, auch wenn, oder vielleicht gerade weil, sie in ihrem divergenten Aufbau nicht viel von einer Sonate habe. Das Publikum bedankte sich für das außergewöhnliche Konzert mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations – wofür der Musiker sich mit einer weiteren Zugabe revanchierte. 

Man darf gespannt sein, was Frantz bei seinem, hoffentlich, nächsten Besuch im Gepäck hat. Hoffentlich dann auch seine eleganten, schwarzen Schuhe, diese hatte er, nach eigenem Eingeständnis, nämlich diesmal vergessen einzupacken und musste so den Abend in dem ungewohnt, aber sehr modischen Aufzug eines dunklen Anzugs mt weißen Sportschuhen bestreiten. Aber auch dieses kleine Missgeschick tut der Zuneigung keinen Abbruch, die man dem Maestro entgegen bringt – im Gegenteil, es lässt ihn umso sympathischer menschlicher erscheinen.

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