Mitglieder des VNV pflegen Lebensräume für die Vögel – Kräftezehrende Aufgabe

Keine Winterruhe für Vogelschützer

Die Vogelschützer harkten den abgemähten Schwarzdornaufwuchs im Naturschutzgebiet „Wulsenberg“ bei Erlinghausen ab.

Vogelkundler, das sind Leute, welche mit dem Fernglas im Anschlag durch das Unterholz pirschen und nach Vögeln Ausschau halten. Das ist zumindest die landläufige Meinung.

„Ja, das tun wir natürlich auch“, sagt Johannes Schröder vom Verein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerland (VNV). „Hauptsächlich kümmern wir uns allerdings darum, Lebensräume für die Vögel zu pflegen und zu bewahren, beziehungsweise neu zu gewinnen.“ Deshalb sind die Herbst- und Wintermonate für sie eine besonders arbeitsintensive Zeit. Im September ist der VNV für sein Engagement sogar mit einem Preis ausgezeichnet worden (SauerlandKurier berichtete).

Um Marsberg herum gibt es eine Reihe von Sonderlebensräumen, wie Magerrasen, Heideflächen oder Feuchtwiesen. Dort muss regelmäßig das Gebüsch zurück geschnitten werden, damit die Flächen nicht zu wuchern. An den Steilhängen eine ziemlich anstrengende und kräftezehrende Aufgabe. Deshalb, so vermutet Schröder, seien bei ihren Arbeitseinsätzen auch nicht ganz so viele Frauen dabei. In der Regel alle zwei Wochen treffen sie sich, meist sind es acht bis zwölf Vereinsmitglieder. Im Spätherbst müssen auch die Feuchtwiesen ausgemäht werden. Eine Besonderheit ist die Galmeiwiese bei Westheim, wo die seltenen Galmeiveilchen wachsen. Rund 16 Rote Höhenrinder helfen ihnen bei der Weidepflege, eine alte Haustierrasse, die besonders genügsam ist und früher im Hochsauerland überwiegend gehalten wurde. Im Winter sind die Tiere aufgestallt, auch darum muss sich jemand kümmern.

Schwarzstorch wieder heimisch

„Was wir hier machen, das ist nicht nur Vogelschutz, sondern Naturschutz, denn nur wenn die Lebensräume intakt sind, bleiben die Vögel uns erhalten“, erklärt Schröder.

Aber natürlich beobachten sie auch die Tiere, wann welche Vögel kommen, wegfliegen, balzen oder brüten. Eine positive Entwicklung, so Schröder, ist beim Schwarzstorch zu beobachten. „Dieser scheue Vogel, der versteckt in Wäldern sein Nest baut, hat inzwischen wieder fast das gesamte Sauerland besiedelt.“

Die landschaftlichen Veränderungen, wie die Reduzierung von Brachflächen, sowie die intensivierte Grünlandbewirtschaftung schaden den Vögeln dabei mehr als kleinere Klimaschwankungen. Bedroht sind einige Arten, wie der Wiesenpieper oder das Braunkehlchen, welche offene Feldfluren bevorzugen und am Boden brüten. Auch die Feldlerche, die früher überall mit ihrem Trillern „den Ton angab“, ist immer seltener zu hören.

Der bisher sehr milde Winter hat einige Vögel bewogen, nicht wegzuziehen. Das sind die sogenannten Teilzieher, oder Strichvögel, wie Bachstelzen oder der Zilpzalp. Sie machen sich erst auf den Weg, wenn das Futter knapp wird. „Die pokern natürlich hoch“, so Schröder. Ein plötzlicher Wintereinbruch kann sie dann in Schwierigkeiten bringen. Andererseits, wenn alles gut geht, haben sie den anderen Vögeln gegenüber einen Vorsprung bei der Suche nach geeigneten Nistplätzen. Da dies immer eine individuelle Entscheidung des einzelnen Vogels ist, seien dabei nie ganze Arten in ihrem Bestand gefährdet.

Besonders auffällig ist, dass in diesem Jahr die Wintergäste aus Nord- und Osteuropa komplett ausgeblieben sind: Bergfinken und Seidenschwänze zum Beispiel, viele Entenarten oder die imposanten Singschwäne. Sie finden anscheinend noch an ihren Sommerstandorten genügend Nahrung. Auch sie sind Teilzieher.

„Winterurlaub“ in Marsberg

Die reinen Zugvögel dagegen, wie die Schwalben oder einige Greifvogelarten, sind längst weg. Sie richten sich nicht nach den Temperaturen, sondern reisen ab, wenn ihr Futter, meist Insekten oder Kleintiere, sich in Winterruhe begibt. Ein besonders schönes Phänomen, erzählt Schröder, ist der Silberreiher, der seit einigen Jahren im Winter im Raum Marsberg gesichtet wird. Er brütet und nistet in Südosteuropa, zum Beispiel am Neusiedler See in Österreich. Dass ein Vogel im Winter nach Norden zieht, ist sehr außergewöhnlich. Wer also bei einem Spaziergang einen Reiher entdeckt, der wesentlich heller als der bekannte Graureiher ist, kann sich glücklich schätzen.

Generell kommen die Vögel, welche bei uns überwintern, ohne Zufütterung aus. „Es ist jedoch ein tolles Erlebnis, die Tiere so nah an den Futterstellen zu beobachten“, schwärmt Schröder. Er ist deshalb nicht grundsätzlich gegen die Fütterung. „Wichtig ist nur, dass die Futterstelle sauber und trocken ist, damit keine Krankheiten übertragen oder Körner schimmelig werden.“ Meisenbällchen und Futterringe sowie Futtersilos seien deshalb besonders geeignet.

Wer die Arbeit des VNV unterstützen oder sich informieren möchte, kann über die Geschäftsstelle in Bredelar, %  0 29 91/ 90 81 36 oder die Homepage, www.vnv-hsk.de Kontakt aufnehmen. (Von Kristin Sens, marsberg@sauerlandkurier.de)

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