Große Irritationen im Vorfeld der Ratssitzung

Klares Bekenntnis zum Museum der Stadt Marsberg

Museumsteam Museum Marsberg Duppelfeld
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Das Museumsteam - hier (v.l.) Detlev Steinhoff, Heiner Duppelfeld, Friedhelm Bracht und Gerd Rosenkranz auf einer Aufnahme von 2019 - widmet sich mit Herzblut der gesamten Stadtgeschichte, wie eines der jüngsten, vor genau einem Jahr, fertig gestellten Projekte zeigt, der Geopfad. Auch wenn damals noch das Museum als „Heimatmuseum“ firmierte, wie im Hintergrund erkennbar.

„Ich gebe ein klares Statement ab, dass ich zu hundert Prozent hinter dem Museum und der geplanten Erweiterung stehe.“ Mit diesen Worten versuchte Bürgermeister Thomas Schröder in der Ratssitzung vom 2. September die Wogen zu glätten, die zuvor in der Sitzung des Kulturausschusses hochgekocht waren.

Marsberg – Die ursprüngliche Beschlussvorlage (1. Ergänzung) hatte bei dem Museumsteam mit seinem ehrenamtlichen Leiter Heiner Duppelfeld für große Irritationen gesorgt. „Wenn diese Vorlage in der vorliegenden Form verabschiedet wird, wird es in absehbarer Zeit kein ‘Museum der Stadt Marsberg’ mehr geben“, so Duppelfeld im Ausschuss. Ein erster Teil der voraussichtlichen Planungs- und Baukosten, 200.000 Euro, müssten im nächsten Haushalt bereitgestellt werden, dafür gebe es eine Reihe von „zwingenden Gründen“.

Der wichtigste ist, dass die Experten, welche das Museum seit März aufgrund des 2020 gewonnenen Wettbewerbs (SauerlandKurier berichtete) beraten und schon tausende von Arbeitsstunden in das Projekt gesteckt haben, dem Museum nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung stehen. „Die Chance, ein kleines, nachhaltig gesichertes, mit einem LWL-Gütesiegel versehenes Museum zu bekommen, besteht nur bis in das nächste Jahr, 2022, hinein“, betonte der Museumsleiter.

Bei der Neukonzeption und Erweiterung des Museums geht es letztendlich darum, dass das „Museum der Stadt Marsberg“, wie es seit 2019 heißt, seinen Namen auch verdient. Die Themenschwerpunkte, wie Frühgeschichte, städtische Entwicklung, Adelshäuser, Klostergeschichte, jüdisches Leben, Bergbau oder Glasindustrie, bezögen sich immer auf die gesamte Stadtgeschichte. Deshalb lädt das Museumsteam auch Interessierte aus allen Ortsteilen ein, mitzumachen. Das könnte ein dauerhafter Einsatz aber ebenso auch nur für befristete Projekte sein. Eine Vereinsmitgliedschaft sei nicht unbedingt notwendig.

Ausbau in zwei Bauabschnitten

Der Um- und Ausbau des Museums soll in zwei Bauabschnitten erfolgen. Zunächst müssen im Obergeschoss die Räumlichkeiten so ertüchtigt werden, dass man darin übergangsweise die Ausstellungsobjekte aus dem Erdgeschoss einlagern kann. Dann erfolgt der Umbau im Erdgeschoss, mit einem offeneren Eingangsbereich, einer Treppe in das Obergeschoss und Räumen, die das Erzählen eines Narrativs ermöglichen. Zudem soll ein Aufzug installiert werden. Im zweiten Baubschnitt steht dann der Ausbau der oberen Etage an.

Die von der Stadtverwaltung überschlagenen Kostenbelaufen sich auf rund 780.000 Euro. Darin enthalten seien aber Aufwendungen, wie die rund 119.000 Euro für die Inneneinrichtung, die nicht in die Verantwortung der Stadt fielen, sondern in die des Museumsteams und der LWL, erklärte Duppelfeld. Weitere Positionen seien überdimensioniert oder nicht erforderlich, wie eine zusätzliche Fluchttreppe.

Auch die von Seiten der Verwaltung in der Vorlage geäußerten Bedenken hinsichtlich höherer Folgekosten versuchte der Museumsleiter zu entkräften. Sie würden im Wesentlichen durch Einsparungen bei den Betriebskosten beim Einbau neuer Heiz- und Elektrotechnik kompensiert.

Touristisches Gesamtkonzept

Abschließend warf er den entscheidenden Mehrwert für die Stadt in den Ring, hinsichtlich der touristischen Attraktivität und hinsichtlich der Bedeutung als außerschulischer Lernort. Ideal wäre, ein touristisches Gesamtkonzept zu entwickeln, welches neben dem Museum auch das Besucher-Bergwerk und das Kloster Bredelar umfasst. Aufgrund der Diskussionen im Ausschuss wurde vor der Ratssitzung kurzfristig eine weitere Ergänzung zur Beschlussvorlage erstellt. Darin heißt es: „Der Ausschuss empfiehlt dem Rat der Stadt Marsberg die Umsetzung des Projektes Erweiterung des Museums der Stadt Marsberg“. Zwar sieht diese Vorlage auch eine Mittelbereitstellung vor, konkrete Summen werden aber, mit Ausnahme der 10.000 Euro für einen Gestalterwettbewerb im kommenden Jahr, nicht genannt. Sie sollen durch die Verwaltung bis zur nächsten Ratssitzung am 5. Oktober bereitgestellt und dann auch beschlossen werden. Das ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil bei dieser Sitzung bereits der Haushaltsentwurf 2022 eingebracht wird. Weiterhin sieht der Beschluss vor, dass bei Bedarf auch externe Hilfe für die Stellung von Förderanträgen in Anspruch genommen werden kann.

Letzteres war der Koalition aus CDU und Grünen besonders wichtig, „damit nichts aus dem Ruder läuft“, so Frank Folcz (CDU). Er versicherte, dass die Koalition „vollumfänglich“ hinter dem Projekt steht, betonte aber auch, dass man gegen einen hauptamtlichen Leiter sei – eine Anregung der LWL, von der das Museumsteam aber selbst schnell Abstand genommen hat.

„Wenn wir hier keinen Beschluss fassen, stechen wir dem Museum einen Dolch in den Rücken“, sagte nachdrücklich Ralf Walfort (SPD). Ratsmitglied Detlev Steinhoff (MBG), zugleich Mitglied im Museumsteam, warb für das Projekt: „Wir haben den Wettbewerb gewonnen, weil wir eine wahnsinnig tolle Geschichte haben und weil wir

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