Transfor-magische Prozesse

Im Kloster Bredelar verbinden sich Buchmalerei Skulptur und Natur

Die Gäste der Vernissage nutzten die Gelegenheit, mit den Künstlern, in der Mitte Arian de Vette, zu sprechen.
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Die Gäste der Vernissage nutzten die Gelegenheit, mit den Künstlern, in der Mitte Arian de Vette, zu sprechen.

Bredelar. Nicht so intellektuell überladen wie die Vorgängerausstellung, aber dennoch vielschichtig, präsentiert sich die dritte deutsch-niederländische Skulpturenausstellung im Kloster Bredelar. Der Titel „Natura 2017“ deutet an, in welche Richtung die Intentionen führen. Samstag vor einer Woche wurde sie eröffnet.

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ - das fragen sich manche Menschen angesichts moderner Kunstwerke, wenn sie keinen Zugang dazu finden. Auch bei „Natura 2017“ sind die Betrachter nicht immer sicher, was zum Kunstwerk gehört und was nicht. „Es liegt ganz bei Ihnen, was sie darin sehen“, erklärte Kurator Jeroen Damen bei der Vernissage.

Die Installation von Tim Breukers wirkt auf den ersten Blick wie eine unfertige Baustelle. Doch wer sich darauf einlässt, erlebt ein sinnlich-ästhetisches und auch intellektuelles Vergnügen. „Ich spiele gern“, erklärte der Künstler bei der Eröffnung – und die Assoziationen sind zahlreich: Da ist ein Würfel, das Abbild eines Brettspiels, ein deformierter Tangram-Stein. Arbeitsauftrag war unter anderem, die Jetztzeit des Klosters und mit seiner Buntheit und Vielschichtigkeit zu reflektieren. Man kann sich die Arbeiten spielerisch erschließen – wie das auch die Performancekünstler Jan Mors und Hans Belleman bei der Vernissage mit ihrer Darbietung „Transformagiecar“ taten.

Figürliche Kunst entdecken

So geheimnisvoll wie sich Breukers Installation gestaltet – Zugang erhält man durch eine durchbrochene Wand in einen teilweise abgedunkelten Raum – so neugierig macht auch der Eintritt in das Kellergewölbe, indem Arian de Vette am Werk gewesen ist. Seine Aufgabe war, einen Bezug zur industriellen Periode des Klosters herzustellen. So führen Rohre und Leitungen durch den Raum. Ein metallenes Gerüst und ein Netz kontrastieren mit den Gewölbemauern, die schon Zeitzeugen so mancher historischen Begebenheit gewesen sein mussten.

Sjoerd Buismann spielt mit der Formengebung der Natur –eine Ästhetik, die Betrachter anspricht. Fotos: Kristin Sens

In einem Video sieht man industrielle Geräte und Werkzeuge des Klosters, die, durch grünes Licht verfremdet, eine fast mystische Aura ausstrahlen. Dazu Keramikarbeiten, die sich bei genauerer Betrachtung als Buchstaben erschließen. Es gibt aber auch die im klassischen Sinne figürliche Kunst zu entdecken. Sjoerd Buismans Werke erfüllen diesen Anspruch. Interessant ist, wie diese Arbeiten, die ja nicht, wie die Installationen der beiden jungen Niederländer, vor Ort entstanden sind, dennoch zum Teil in Form und Farbe ihre Umgebung reflektieren – und sogar auf die Geschichte des Klosters Bezug nehmen. Denn die Zisterzienser, die das Kloster einst bewohnten, erklärte Redner Heiner Duppelfeld, schufen eine Kunst, die, nüchtern und klar, sehr an das erinnert, was Buismann heute in den Klostermauern ausgestellt hat. Selbst die Idee, dass alle Verfahren, ob handwerklicher oder geistiger Art, ein Umformungsprozess im Sinne einer Höherentwicklung sind, lässt sich anhand von Buismans Werken nachvollziehen. Er greift die Formengebung der Natur in ihrer ganzen Schönheit auf und führt sie weiter. Duppelfeld erklärte, zum Abschluss seiner Grußworte Pablo Picasso zitierend: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“. In diesen Genuss kommt man auch in Bredelar.

Skulpturenausstellung eröffnet im Kloster Bredelar

Bredelar Kloster Skulptur Bredelar deutsch-niederländische Kunst Natura 2017
Bredelar Kloster Skulptur Bredelar deutsch-niederländische Kunst Natura 2017
Bredelar Kloster Skulptur Bredelar deutsch-niederländische Kunst Natura 2017
Bredelar Kloster Skulptur Bredelar deutsch-niederländische Kunst Natura 2017
Skulpturenausstellung eröffnet im Kloster Bredelar

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