1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Marsberg

Kloster Bredelar zeigt Skulpturen, Installationen und Zeichnungen von Andreas Hetfeld

Erstellt:

Von: Kristin Sens

Kommentare

Kloster Bredelar Vernissage
Zufriedene Gesichter: (v.l.) Bürgermeister Thomas Schröder, Wolfgang Meier (Kulturamt HSK), Ulrike Heller (Gut Glindfeld), Andeas Hetfeld, Christiane Kellersmann (kunsthaus alte mühle) und Johannes Schröder (Kloster Bredelar) eröffneten die Ausstellung im Kloster Bredelar. © Kristin Sens

Selten ist eine Ausstellungseröffnung so begeistert aufgenommen worden wie diese Vernissage im Kloster Bredelar. Das Interesse galt dem Künstler Andreas Hetfeld und seinem Werk, sie galt aber auch dem ungewöhnlichen Konzept: Drei Orte – drei Ausstellungen – ein Künstler. Die Ausstellungsreihe mit dem Titel Ursprung - Metamorphose - Vision verbindet zeitgenössische Kunst mit der klösterlichen und weltlichen Historie dreier Orte. Nicht zuletzt machte sich in dieser Atmosphäre der „Appetit“ auf Kunst und Kultur, nach so langer Zeit der Abstinenz, Luft.

Bredelar - Entsprechend groß war, mit rund 80 Besuchern, die Resonanz. Auch aus den beiden anderen Ausstellungsorten des Kunst-Triathlons - kunsthaus alte mühle in Schmallenberg, wo im September der Auftakt des Ausstellungstryptichons war, sowie aus Gut Glindfeld – kamen Interessierte, denn das Besondere dieses Ausstellungskonzeptes ist, dass an jedem Ort andere Werke zu sehen sind.

Holz und Metall als Materialien

In der Vorbereitung der Ausstellung setzte sich der Künstler Andreas Hetfeld mit den jeweiligen Besonderheiten der Ausstellungsorte auseinander. In Bredelar spiegelt sich dies in der Wahl der Materialien: Holz und Metall. Der Bezug zum Wald stellt sich sofort bei einem Blick nach draußen her, zudem war das Kloster lange Zeit eine Stätte der Metallverarbeitung.

Längsseitig halbierte, massive Eichenstämme offenbaren ein spannendes Innenleben – mal präsentieren sie menschliche Reliefs, mal Organisches wie Wurzelwerk – Mensch und Vegetation: Wo hört das eine auf, wo fängt das andere an? Ein Stamm enthält eine sehr persönliche Botschaft des Künstlers: In das innere Leben des Baumes hinein, hat er den vergrößerten Fingerabdruck seiner verstorbenen Frau projiziert.

„Das Gesicht von Nijmwegen“ als verkleinerte Kopie

Ein Blickfang ist das großformatige Tableau aus sechs Leinwänden, das an eine Deckenmalerei aus der Renaissance erinnert. Menschen purzeln aus dem lichten Himmel, ihre Textur ähnelt Birken – aber auch den geschundenen Stämmen eines vom Borkenkäfer verwüsteten Waldes, auf den das Panoramafenster der Ausstellungshalle einen Ausblick gewährt. Sind es fallende Engel, weil sie sich hier versündigt haben? Tatsächlich heißt die Installation aber Pangäa – und erinnert an eine die Erde umspannende Ur-Landmasse - dem Ursprung aller heutiger Kontinente.

Vom vielleicht bekanntesten Werk Hetfelds, „das Gesicht von Nijmwegen“, ist eine verkleinerte Kopie zu sehen und der Entstehungsprozess wird in einer Fotosequenz dokumentiert. Es ist eine circa sechs Meter große, begehbare Skulptur, die von einer 2000 Jahre alten römischen Maske, die man in Nijmwegen gefunden hat, inspiriert wurde. „Ich habe der Maske die Augen geöffnet“, sagt Hetfeld – das antike Original ließ die Sicht nach Außen nur durch Schlitze zu.

Abseits des „Trubels“ die Büste eines alten Mannes. Es ist das Portrait, so erklärt der Künstler, eines der wenigen niederländischen Holocaust-Überlebenden. Er habe Skrupel gehabt, als gebürtiger Deutscher auf ihn zuzugehen, gesteht Hetfeld. Die Skulptur zeigt einen Gezeichneten, aber sein Blick, seine Kopfhaltung sprechen auch davon, dass er sich über sein Schicksal hinweg gesetzt hat.

Alle drei Stätten haben Bezug zu Klöstern

Die Klammer, welche alle drei Ausstellungen zusammenhält, ist zum einen der Umstand, dass alle drei Stätten einen unmittelbaren Bezug zu Klöstern hatten – und zum anderen der thematische Dreiklang von Ursprung. Metamorphose und Vision.

Das kunsthaus alte mühle in Schmallenberg war einst eine Klostermühle und ist seit 2002 eine Galerie für zeitgenössische Kunst und Konzerte. Das Kloster Bredelar, 1170 gegründet, war rund 600 Jahre die Wirkungsstätte des Zisterzienserordens. Nach langen Jahren des Verfalls dient es heute als Begegnungs- und Kulturzentrum, der Südflügel wurde zur Ausstellungshalle. Gut Glindfeld ist Teil des mittelalterlichen Klosters Glindfeld. 1804 wurde das Kloster aufgelöst, das Gut verkauft und als landwirtschaftlicher Betrieb weitergeführt. Heute finden in den restaurierten Gemäuern Veranstaltungen statt wie Konzerte, Handwerksmärkte, Feste und Ausstellungen.

„Endlich wieder Leben in unserem Kloster“

„Das kulturelle Leben geht endlich weiter“, freute sich Johannes Schröder, Vorsitzender des Fördervereins Kloster Bredelar. Ähnlich äußerte sich auch Bürgermeister Thomas Schröder: „Endlich wieder Leben in unserem Kloster!“. Der Künstler stelle mit seinen Arbeiten existentielle Fragen nach Ursprung, Vergänglichkeit und Werden, erklärte Thomas Schröder. Als Werkzeugmacher und Waldbesitzer habe er sich besonders über die Materialien Holz und Metall gefreut und ihre Bearbeitung bewundert, so der Bürgermeister.

Marsberg, Schmallenberg und Medebach wollen zukünftig öfter kooperieren und das östliche Sauerland als Kulturregion etablieren. Die Ausstellung im Kloster Bredelar geht bis zum 31. Oktober. Geöffnet ist mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Am morgigen Sonntag, 10. Oktober um 14 Uhr findet eine Führung mit dem Künstler statt, am 24. Oktober um 14 Uhr gibt es eine weitere öffentliche Führung (nach Absprache). Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende gebeten. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erhältlich. Der dritte Teil der Ausstellungsreihe ist vom 7. bis 28. November im Gut Glindfeld zu sehen.

Auch interessant

Kommentare