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Kriege – Seuchen – Aufstände: Neue Sonderausstellung im Heimatmuseum eröffnet

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Von: Kristin Sens

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Der stellvertretende Bürgermeister Johannes Wüllner, Westheims Ortsheimatpfleger Wolfgang Becker, Museumsleiter Heiner Duppelfeld, Fördervereinvorsitzender Detlev Steinhoff und Ortsbürgermeister Franz-Josef Weiffen eröffneten die Ausstellung „Westheim im Wandel der Zeit.“ Foto: Kristin Sens
Der stellvertretende Bürgermeister Johannes Wüllner, Westheims Ortsheimatpfleger Wolfgang Becker, Museumsleiter Heiner Duppelfeld, Fördervereinvorsitzender Detlev Steinhoff und Ortsbürgermeister Franz-Josef Weiffen eröffneten die Ausstellung „Westheim im Wandel der Zeit.“ © Kristin Sens

Obermarsberg. „Das Museum ist der Ort, wo Geschichte lebendig wird und Menschen berührt und wo diese manchmal zum Staunen gebracht werden.“ Mit dieser Deutung sprach der stellvertretende Bürgermeister Johannes Wüllner den Verantwortlichen des Heimatmuseums in Obermarsberg aus dem Herzen. Anlass für seine Worte war die Eröffnung der Sonderausstellung „Westheim im Wandel der Zeit“.

Die Ausstellung stellt, nach Themen – und nicht chronologisch – geordnet, dar, wie sich der Ort Westheim von seinen Anfängen – die urkundliche Ersterwähnung liegt im Jahr 1082 – bis in die Gegenwart verändert hat: Die räumliche Entwicklung der Besiedlung, die Entwicklung der Landwirtschaft mit den alten Bauernhäusern und -höfen, die Entwicklung des Gewerbes und die Entwicklung des Verkehrs sind einige der Themen. Dazu kommen das Schulwesen, die Kirchen, die Revolutionsjahre, die Juden in Westheim sowie der zweite Weltkrieg. Eingebettet ist die lokale Geschichte, besonders bei den letztgenannten Themen, jeweils in den größeren räumlichen Bezug; Büren, Westfalen und darüber hinaus. Die Ausstellung erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist eine gezielte Themenauswahl. Eine Vielzahl von Themen konnte aus den unterschiedlichsten Gründen nicht berücksichtigt werden.

„Es ist eine Schande, in der Heimat zu leben und sie nicht zu kennen.“ Dies ist der sinngemäße Wortlaut eines lateinischen Zitats, mit dem, dem Anlass angemessen, der Museumsleiter und Kurator der Ausstellung Heiner Duppelfeld seinen Eröffnungsvortrag begann. Im Folgenden brachte Duppelfeld seine Überlegungen zu zwei Fragen zu Ohr, was der Begriff Heimat eigentlich bedeute – und warum man die Heimat kennenlernen sollte.

Dass Heimat etwas mit „heimisch“ zu tun hat – also der Ort ist, wo man sich zu Hause, sicher und wohl fühlt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Daraus lässt sich ableiten, warum sie so wichtig ist: Mit ihr verortet man sich und entwickelt aus ihr seine eigene Identität. Menschen ohne Identität lassen sich leichter manipulieren, sind anfälliger dafür, zur gestaltlosen Masse – und so zum Spielball potenzieller Diktatoren zu werden, warnte Duppelfeld. Der Historiker machte zudem deutlich, dass gerade der sehr emotionale Bezug mit seiner tendenziellen Rückwärtsgewandtheit auch die Gefahr eines unreflektierten ideologischen Missbrauchs biete. „Wir dürfen die Definition von Heimat nicht den Nationalisten überlassen“, warnte Duppelfeld.

Auftakt zu einer Ausstellungsserie

Er stellte dieser Tendenz eine andersgeartete Bewegung gegenüber, in der der Aspekt der Veränderung stärker betont wird. Hier ginge es darum, das Bestehende zu schätzen, aber auch zu akzeptieren, dass es von Unzulänglichkeiten geprägt ist – und es sich zur Aufgabe zu machen, Dinge zu verbessern. All diese Themenkomplexe treten in der Ausstellung unterschwellig zutage, indem Themen wie der Nationalsozialismus und die Judenprogrome in der Darstellung von Westheims Geschichte nicht ausgespart werden.

„Ich freue mich, dass das Museum der Stadt Marsberg dieser Ausstellung den richtigen Rahmen gibt“, so Westheims Ortsbürgermeister Franz-Josef Weiffen. Die Vorüberlegungen für diese Ausstellung begannen bereits im Juni 2015. „Man kann nur ahnen, was für eine Arbeit dahintersteckt“, sagte Weiffen nachdrücklich. Die Westheimer haben einen nicht geringen Anteil an der Verwirklichung der Ausstellung. Neben dem Ortsbürgermeister selbst, fanden auch der Ortsheimatpfleger Wolfgang Becker, Horst Mänz vom Förderverein „Unser Westheim“, Afons Jesper sowie die Familie von Twickel besondere Erwähnung. Teils wurde dabei auf Materialien früherer Westheimer Ausstellungen zurückgegriffen.

Nach dem offiziellen Ende der Ausstellung werden Teile der Exponate in die Sammlung des Heimatmuseums dauerhaft integriert. Langfristig sollen alle Marsberger Ortschaften im städtischen Heimatmuseum stärker präsent sein. Denn die Ausstellung über Westheim ist der Auftakt zu einer ganzen Ausstellungsreihe, in der nach und nach alle siebzehn Marsberger Ortsteile vorgestellt werden. Es laufen bereits intensive Gespräche, welches Dorf als nächstes „dran“ ist.

„Kirchturmdenken überwinden“

„Die Ausstellungen sind ein Beitrag zur Schaffung eines gesamtstädtischen Bewusstseins, das alle Ortsteile einschließt“, erklärte Duppelfeld. Tatsächlich könnten sie helfen, „das Kirchturmdenken zu überwinden“, pflichtete Wüllner bei. In seiner Funktion als Mitglied des Stadtrates betonte Weiffen, dass dieser sich der Verantwortung für das Museum bewusst sei – und dass dazu auch gehöre, dessen Finanzierung zu sichern. „Das muss uns das Ganze Wert sein“, so der Ortsbürgermeister. Worte, die vom Vorsitzenden des Fördervereins Historisches Obermarsberg Detlev Steinhoff sowie vom Museumsleiter Heiner Duppelfeld gerne gehört wurden.

Info: Die Sonderausstellung kann bis 31. August mittwochs von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. Außerhalb der regulären Öffnungszeiten des Heimatmuseums der Stadt Marsberg können Termine unter Tel. 0 29 94/15 66 oder Tel. 0 171/1 23 51 59 mit dem Museumsleiter vereinbart werden.

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