„Schritt in die richtige Richtung“

Landwirt Hubertus Bohle aus Heddinghausen beteiligt sich an Bauerndemo in Berlin

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Landwirt Hubertus Bohle aus Heddinghausen demonstrierte am Dienstag mit seinen Waldecker Kollegen in Berlin.

Heddinghausen/Berlin – Rund 40.000 Landwirte aus ganz Deutschland machten sich Anfang der Woche mit 15.000 Schleppern auf den Weg nach Berlin: Die bundesweite Bewegung „Land schafft Verbindung – Wir rufen zu Tisch“ hatte am vergangenen Dienstag zur Großdemonstration in der Hauptstadt aufgerufen, um dort erneut gegen die Agrarpläne der Bundesregierung zu protestieren.

Auch der Landwirt Hubertus Bohle aus Heddinghausen schloss sich den Protestlern an. Schon vor vier Wochen war er bei der Bauerndemo in Bonn vor Ort. Zusammen mit seinen Waldecker Kollegen startete der Trecker-Konvoi diesmal in Arolsen, um von dort 18 Stunden zur Kundgebung nach Berlin zu fahren – mit Übernachtung in Potsdam. Drei Tage war die Truppe unterwegs, was für einen Landwirt einen erheblichen organisatorischen Aufwand bedeutet. „Die anderen Marsberger Landwirte, die mich damals nach Bonn begleitet haben, schafften es leider nicht.“ 

Im Gegensatz zu der Bonner Kundgebung waren in Berlin die Bundesagrarministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze vor Ort. Svenja Schulze hinterließ bei Hubertus Bohle jedoch keinen guten Eindruck: „Sie war nur fünf Minuten da und hat ihr Statement verlesen. Von den Anwesenden wurde das natürlich negativ aufgefasst.“ Julia Klöckner habe sich mehr Zeit genommen und sich auch auf Diskussionen eingelassen. Dabei habe sie erste Zugeständnisse gemacht. „Sie wolle, dass die Landwirte Teil der Lösung seien. Weiterhin müsse das geplante Insektenschutzprogramm nochmal überdacht werden. In Bezug auf das ‘Mercosur-Freihandelsabkommen’ mit Südamerika berichtete sie, dass die Verträge noch nicht unterzeichnet seien“, berichtet Hubertus Bohle. 

Die Landwirte seien jedoch unzufrieden, dass die Bundesagrarministerin nicht von den schärferen Düngevorschriften abweichen wollte. Zum besseren Schutz des Grundwassers soll künftig weniger gedüngt werden. Wegen zu hoher Nitratwerte hatte die EU-Kommission Deutschland verklagt. Bohle: „Die Ursache sind die menschlichen Hinterlassenschaften. Die Kläranlagen, die das Nitrat herausfiltern sollen, sind total veraltet. Die Kommunen gehen das Problem nicht an, weil es zu kostenintensiv ist.“ 

„Wie Helden gefeiert“

Zufrieden gestimmt hat den Landwirt aus Heddinghausen, wie die Leute am Straßenrand die vorbeifahrenden Bauern „wie Helden gefeiert“ haben. „Der Empfang war sehr emotional. Die Sympathiebekundungen waren noch größer als in Bonn. Vielleicht haben die Menschen im Osten noch einen größeren Bezug zur Landwirtschaft“, vermutet Hubertus Bohle. „Die Leute haben sich noch um 21 Uhr mit ihren Gartenstühlen an die Straße gesetzt und uns zugejubelt.“ 

Wichtig sei dem Landwirt, dass seine Kollegen und er nicht gegen den Umweltschutz seien – „im Gegenteil, die Frage ist nur in welchem Rahmen.“ Als Beispiel nannte er den Rapsanbau, der ohne den Einsatz von Insektiziden gar nicht möglich sei. „Die Folgen werden nicht bedacht. Regeln kann man nicht einfach pauschal aufstellen.“ 

Von der Protestaktion nimmt Hubertus Bohle viele positive Eindrücke mit und hat erstmal ein gutes Gefühl: „Ein Schritt in die richtige Richtung ist getan“ – auch, weil Kanzlerin Angela Merkel angekündigt hat, sich am Montag mit 40 Landwirtschaftsorganisationen zu einem Agrargipfel treffen zu wollen.

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