"Intransparent und unverhältnismäßig"

Landwirte der Region kritisieren neue Auflagen zum Grundwasserschutz

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Auf dem Bauernhof von Gerhard Aßhauer in Udorf trafen sich Landwirte aus dem HSK und Waldeck-Frankenberg um darauf aufmerksam zu machen, was die erneute Verschärfung der Düngemittelverordnung konkret für sie bedeutet.

Udorf – Die Düngeverordnung für die Landwirtschaft, erst vor rund drei Jahren erlassen, wird in Deutschland - auf Druck der EU - erneut verschärft. Dagegen protestierten Bauern aus ganz Deutschland und zogen mit ihren Treckern bis nach Berlin. Welche Probleme sich konkret vor Ort ergeben, erläuterten Landwirte des Kreisverbands im Hochsauerland gemeinsam mit Vertretern des Kreisbauernverbands Waldeck-Frankenberg in einem Pressegespräch.

Denn hier, rund um die Wasserschutzgebiete zwischen Leitmar, Borntosten und Vasbeck, erklärten die Landwirte, ist ein Landesgrenzen übergreifender, sogenannter „roter Grundwasserkörper“ in einem für sie unverhältnismäßigen und nicht nachvollziehbaren Maße ausgeweitet worden. „Rote Gebiete sind Bereiche des Grundwassers in denen eine erhöhte Belastung mit Nitrat unterstellt wird, beziehungsweise die als nitratsensibel eingestuft werden“, erläuterten die Landwirte. In solchen Zonen bestünden für sie enorme Bewirtschaftungseinschränkungen – und das betreffe Milchviehhalter, Schweinezüchter und Ackerbaubetriebe gleichermaßen. 

Im konkreten Fall gehe die räumliche Ausweisung des roten Grundwasserkörpers „meilenweit“ über bestehende Wasserschutzgebiete hinaus, erklärte Stefanie Wetekam, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Waldeck-Frankenberg. Auf Basis welcher Grundlagen man zu dieser Entscheidung gekommen ist, sei intransparent und erscheine ihnen daher willkürlich“, so die Kritik der Landwirte. Auch auf Nachfrage - man habe bereits mehrere Gespräche geführt – sei man nicht bereit gewesen, ihnen Messergebnisse zur Verfügung zu stellen oder auch nur mitzuteilen, wo und unter welchen Bedingungen gemessen worden ist, so Karsten Drews-Kreilmann, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands HSK. 

Arbeitskreis kontrolliert Wasserqualität

„Unser Interesse liegt sowohl darin, unsere Betriebe wirtschaftlich zu halten, als auch darin sauberes Grundwasser zu gewährleisten“, betonte Sebastian Aßhauer, Landwirt aus Udorf. Daher würde man bereits die Flächen mit modernster Technik, wie GPS-gesteuerter Düngerausbringung bewirtschaften. Seit 2005 gibt es einen sich länderübergreifend koordinierenden Arbeitskreis, der die Wasserqualität der Trinkwasser-Brunnen regelmäßig prüft und einen Maßnahmenkatalog entwickelt hat, berichtete dessen Vorsitzender Johannes Bauer. In diesem Arbeitskreis säßen, neben Landwirten, auch Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg, des Kasseler Regierungspräsidiums und der Unteren Wasserbehörde. Wie eine Statistik belegt, zeigen die Maßnahmen Wirkung: Der Nitratgehalt ist kontinuierlich gesunken. „Wir haben regional einen Ansatz gefunden, mit dem wir ganz gut leben können“, so Wetekam. 

Derartige Initiativen würden von den politischen Entscheidungsträgern ignoriert, die lokalen Bedingungen vor Ort nicht berücksichtigt – und stattdessen pauschal eine Reduzierung des Düngeeinsatzes um 20 Prozent verordnet. Tjark Wetzel, Leiter der Gutsverwaltung Udorf, dessen Betrieb zu hundert Prozent in der „Roten Zone“ liege, erläuterte, was das konkret bedeutet: Im Herbst darf überhaupt nicht mehr organisch (d.h. mit Gülle oder Gärresten) gedüngt werden, sondern nur noch im Frühjahr. Um diese über einen nun längeren Zeitraum lagern zu können, müssten sie in größere Speicher investieren. 

Dem Ausbringen des Düngers geht eine penible und aufwändig erstellte Bedarfsermittlung für jedes einzelne Feld voraus. Vom so ermittelten Wert würden dann pauschal 20 Prozent abgezogen. Nach Meinung der Landwirte keine effektive und möglicherweise sogar kontraproduktive Methode: Denn weniger Dünger bedeute geringeres Pflanzenwachstum, kleinere Pflanzen könnten auch weniger Nährstoffe wie Nitrat aufnehmen, das damit im Boden verbleibe. Kleinere Pflanzen bedeuten einen reduzierten Düngebedarf, von dem im Folgejahr erneut 20 Prozent abgezogen werden. Eine Spirale nach unten, die das Produkt verschlechtere, ohne dem Grundwasser einen sichtbaren Nutzen einzubringen. Von den negativen Auswirkungen, wie die Belastung durch höhere Investitionen und Mehraufwand bei der Dokumentation, seien im besonderen Maße kleine bis mittlere Betriebe betroffen, wie sie in der Region die Regel sind. 

„Es sind fachliche Mängel, Intransparenz, Einseitigkeit und Pauschalisierung die wir kritisieren“, so die Landwirte.

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