Schüler sprechen mit Patienten

„Lasst die Drogen weg“: Suchtpräventionstage im LWL-Therapiezentrum Marsberg

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Mit interessanten Vorträgen informierten Mitarbeiter des LWL-Therapiezentrums die Schüler über Suchtstoffe und ihre Gefahren. 

Marsberg. 100 Schüler des Kasseler Georg-Christoph-Lichtenberg Gymnasiums folgten kürzlich der Einladung zu Suchtpräventionstagen in das LWL-Therapiezentrum für Forensische Psychiatrie Marsberg. Begleitet wurden sie dabei von einer Schulsozialarbeiterin und ihren Klassenlehrern.

Gleich zu Beginn ihres Besuchs wurden die Schüler der achten Klasse mit einem Rap-Song eines Patienten des Therapiezentrums, den dieser über seine Sucht und Therapie getextet hatte, begrüßt und so eindrucksvoll in die Thematik „Sucht und ihre Prävention“ eingeführt.

Es folgten Vorträge zu verschiedenen Suchtstoffen bei denen die Referenten, allesamt Mitarbeiter der Marsberger Einrichtung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), im lebendigen Dialog viele Fragen der jungen Besucher beantworten konnten.

Im Anschluss daran hatten die Schüler in kleinen Gruppen unter Anleitung eines Mitarbeiters, die Möglichkeit eine Stunde mit jeweils einem Patienten zu sprechen und Fragen zu stellen. „Ich habe über ein Jahr versucht mich kaputt zu machen und war auf einem guten Weg. Letztlich hatte ich nur Glück verhaftet worden zu sein, sonst wäre ich heute nicht hier.“

Die Offenheit und Emotionalität, mit der die Patienten „ihre Lebensgeschichte“ erzählten, beeindruckte die Schüler nachhaltig. Der Appell „Lasst die Drogen weg!“ kam an. Die Lehrkräfte waren bewusst zu diesem Zeitpunkt nicht bei ihren Schülern, damit die Jugendlichen auch „peinliche Fragen“ stellen konnten.

Suchtproblem erkennen

Den Lehrern wiederum wurde ebenfalls die Möglichkeit gegeben mit einem Patienten ein Interview zu führen. Hier fragten die Lehrkräfte beispielsweise „Was hätten wir tun können?“, „Was hätten Sie sich denn von Ihren Lehrern damals gewünscht als Sie 13/14 Jahre alt waren?“, „Woran kann ich erkennen, dass ein Schüler ein Suchtproblem hat?“.

In der Mittagspause wurden alle Beteiligten durch die Arbeitstherapie Gastronomie und Hauswirtschaft des LWL-Therapiezentrums verköstigt. Bei Wraps, Fruchtcocktails und Nachtisch konnten die jungen Besucher viele weitere Fragen mit den Mitarbeitern diskutieren. Nachmittags durften in der Turnhalle des LWL-Therapiezentrums verschiedene suchtpräventive Materialien, wie das „Kifferquartett“ oder den „Alkoquiz“ ausprobiert werden. Zudem standen dort die Ärztliche Direktorin des LWL-Therapiezentrums Marsberg, Frau Dr. Schüler-Springorum, sowie Sozialarbeiter und Therapeuten als Gesprächspartner für weitere Fragen zur Verfügung.

Zum Ende ihres Besuchs mussten die Schüler dann das Erlebte unter drei Fragestellungen reflektieren: „Was erzähle ich vom heutigen Tag meinen Eltern?“, „Was erzähle ich vom heutigen Tag meinem besten Freund/ meiner besten Freundin?“, „Was möchte ich nach heute, was mir nie passiert?“. Die Antworten wurden in Fragebögen und Collagen dargestellt und im Anschluss in der Schule weiter bearbeitet.

Insgesamt hat das Pilotprojekt „Suchtprävention vor Ort“ viel positives Interesse hervorgerufen, sodass seitens der Schulleitung des Kasseler Gymnasiums bereits jetzt großes Interesse an einer Wiederholung – dann mit allen achten Klassen – im kommenden Jahr besteht.

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