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Leiter Heiner Duppelfeld stellt dem Marsberger Rat Museumskonzept vor

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Von: Kristin Sens

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Wie echte Archäologen arbeiten, das können Kinder bereits im Museum der Stadt Marsberg.
Wie echte Archäologen arbeiten, das können Kinder bereits im Museum der Stadt Marsberg. © Kristin Sens

Marsberg. Erstmals stellte Museumsleiter Heiner Duppelfeld dem Stadtrat einen Konzept sowie die Pläne für den Ausbau des Museums der Stadt Marsberg vor. Bereits beim Umzug des Museums von Nieder- nach Obermarsberg vor fünf Jahren war der spätere Ausbau der oberen Etage mitgedacht, 2017 begann man, die ersten Räume dort herzurichten.

Zunächst verdeutlichte Duppelfeld, anhand der offiziellen und international anerkannten Definition, welche Funktionen und Aufgaben ein Museum erfüllt: Demnach ist ein Museum „eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt“ (ICOM Deutschland). Daran orientieren sich die formulierten Ziele im Museumskonzept:

1. „Das Museum der Stadt Marsberg soll ein außerschulischer Lernort, ein pädagogischer Ort für die Bildungseinrichtungen der Stadt Marsberg, aber auch darüber hinaus (Einbindung in die Museums-/Bildungslandschaft des Hochsauerlandkreises) sein.“ Grundlage dafür sind die Bildungspartnerschaften, die derzeit in Form von Kooperationsverträgen mit allen Marsberger Schulen geschlossen werden, wie im SauerlandKurier berichtet. Duppelfeld ließ in diesem Zusammenhang keinen Zweifel daran, dass der lokalen Verortung von Menschen (bestenfalls bereits in ihrer Jugend) eine wichtige Bedeutung für die Festigung der Demokratie insgesamt zukommt: „Menschen ohne Identität sind leichter zu manipulieren“ so Duppelfeld.

2. „Das Museum der Stadt Marsberg soll aber nicht nur ein „altehrwürdiger“ Bildungsort, sondern - wie in der Definition bereits erwähnt - in gleicher Weise ein multipler Erlebnisort sein.“ Als Beispiel dafür nannte der Museumsleiter das „Grabungsfeld“ im Innenhof des Museums, wo Schulkinder, unter realitätsnahen Bedingungen, selbst zu jungen Archäologen werden. Aber auch Erwachsene sollenkünftig aktiv werden können.

3. „Das Museum der Stadt Marsberg soll ein Ort der Begegnung sein, der möglichst viele Menschen anzieht.“ Diesem Zweck dienen bereits Sonderausstellungen, wie zur Himmelsscheibe von Nebra, aber auch Kulturveranstaltungen, wie Konzerte, Vorträge - und vor allem das äußerst beliebte historische Mahl, welches einmal jährlich veranstaltet wird.

Um all diesen Aufgaben gerecht zu werden und neue Angebote schaffen zu können, ist der weitere Ausbau unbedingt notwendig. In der Folge stellte Duppelfeld ein Konzept für die zukünftige Nutzung der Räume im Obergeschoss (den ehemaligen Lehrerwohnungen) vor. Folgende Themen will man dort präsentieren: Die Geschichte der Psychiatrie, die Entwicklung von Industrien, wie Papierherstellung und Glasindustrie - und in einem Schulraum soll „Unterricht in alter Zeit“ demonstriert werden.

Darstellung der jüngeren Geschichte

Die Weimarer Zeit und der Nationalsozialismus sowie die Geschichte der Juden sollen ihren Platz finden, ebenso sollen sich die einzelnen Ortsteile präsentieren können. Zudem will man die Ausstellungsfläche im Erdgeschoss entzerren und die Themenbereiche besser trennen. Zu diesem Zweck soll die Iskenius-Apotheke ins Obergeschoss verlagert werden. Somit bekäme man einen eigenen Raum für die Frühgeschichte.

Sechs der insgesamt 13 Räume sind, wie gesagt, bereits in Eigenleistung durch den Förderverein Historisches Obermarsberg hergerichtet worden, inklusive der Elektrik. Treppenhaus, Flure und die übrigen Räume müssen noch fertig gestellt werden. „Wir tun was wir können, aber wir stoßen an unsere Grenzen, erklärte der Vorsitzende des Fördervereins Detlev Steinhoff.

Der Förderverein Historisches Marsberg hat bereits sehr viel an Arbeitsstunden, Finanzmittel und Sachleistungen investiert - primär sei das Museum aber in der Verantwortung der Stadt, machte Museumsleiter Heiner Duppelfeld gegenüber dem Rat deutlich. 

Zusammenfassend erklärte Duppelfeld: „Ziel des dargestellten Konzepts ist es, sich dem musealen Standard, der in vergleichbaren Nachbarstädten existiert, anzupassen. Nur ganz wenige Menschen besuchen heute noch ein Museum, in dem ausschließlich alte Wohnstuben, alte Gegenstände usw. zu sehen sind. Um den übergeordneten Zielen und Anforderungen eines Museums (Ort des Studiums, der Bildung, des Erlebens von Heimat) gerecht zu werden, müssen Themen angesprochen werden, die für die Besucher Relevanz haben. Das Museum der Stadt Marsberg sollte auch zu einem Ort der kritischen Auseinandersetzung mit der heutigen Lebenswirklichkeit werden.“ Daraus ergebe sich „zwangsläufig“ eine Änderung des Namens für das Museum: Der Zusatz „Heimat“ soll entfallen. 

Ein Verständnis für die Aufgaben eines Museums muss in der Bevölkerung allerdings erst geschaffen werden, so der Museumsleiter „Mir ist heute schon sehr geholfen, wenn Sie nicht nur sagen, wir nehmen das zur Kenntnis, sondern wir unterstützen das“, schloss Duppelfeld seine Ausführungen. 

Förderverein hat viel für Museum geleistet

Detlev Steinhoff, Förderverein Historisches Obermarsberg, legte eindrucksvolle Zahlen vor, was der Verein bereits alles für das Museum geleistet hat: Allein zwischen 2011 und 2014 wurden rund 4.500 Arbeitsstunden investiert - das entspricht einem Lohnwert von rund 45.000 Euro, dazu kämen weitere 45.000 Euro aus Einnahmen des Historischen Markts, 85.000 Euro für Einrichtungsgegenstände - insgesamt habe der Förderverein rund 203.000 Euro in das Museum investiert. „Das Museum ist aber nicht das Museum des Fördervereins - es ist ein Kind dieser Stadt“, nahm der Museumsleiter die Ratsvertreter nachdrücklich in die Pflicht. 

Diese reagierten positiv auf den Vortrag des Museumsleiters. Frank Folcz (CDU) erzählte, dass er, im Rahmen der Vorbereitung der Ausstellung über Erlinghausen, in den letzten Wochen häufiger im Museum war: „Was ich da gesehen habe, hat mich doch positiv überrascht.“ Den Vorschlag, „weg vom Begriff Heimat“ fand er einen „guten Schritt“. „Das Museum hat bereits seit seinem Umzug nach Obermarsberg Fortschritte gemacht“, bestätigte Bernhard Sieren (SPD). Besonders die Berücksichtigung der jüngeren Vergangenheit war ihm wichtig: „Nur dann haben wir ein vollständiges Museum.“ „Heiner Duppelfeld weiß wovon er spricht“, betonte Franz-Josef Weiffen (MBG). Es sei ein Glück, jemanden zu haben, mit so viel Erfahrung mit Museumsarbeit. Er erinnerte aber auch daran, dass bereits 2015 ein ähnlich lautender Antrag im Rat gestellt worden sei - offensichtlich aber nicht weiter verfolgt wurde. Das dürfe diesmal nicht geschehen, mahnte er. Auch der Vertreter der Grünen Christian Böttcher sprach sich ausdrücklich für den Ausbau des Museums aus. 

Anschließend wurde beraten, wie es weiter gehen soll. Duppelfeld hatte zu verstehen gegeben, dass als erster Schritt der weitere bauliche Ausbau ansteht, bevor es an die inhaltliche Ausgestaltung gehen kann. Wie Bürgermeister Klaus Hülsenbeck betonte, müssten zunächst die baulichen Voraussetzungen (Brandschutz, Denkmalschutz) mit den entsprechenden Ämtern abgestimmt werden. Wenn man eine Kostenvorstellung habe, gehe es darum, finanzielle Fördermöglichkeiten „abzuklopfen“, wie Sieren sagte. Bereits in der nächsten Ratssitzung mit konkreten Zahlen aufzuwarten, sei vielleicht etwas zu ehrgeizig, so der Bürgermeister. Klar ist aber, dass man sich umgehend an die Arbeit machen will.

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