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LWL stellt Pläne für offenen und bürgernahen Gesundheitscampus vor

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Von: Kristin Sens

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LWL Gesundheitscampus Marsberg
Kaufmännischer Direktor LWL Marsberg Jan-Hendrik Unger, LWL-Direktor Matthias Löb und Architekt Gerhard Wittfeld stellten die Pläne für den neuen LWL-Gesundheitscampus vor. © Kristin Sens

Ein moderner innovativer Gesundheitscampus, der das komplette psychiatrische Behandlungsspektrum - von der Kinder- und Jugend- bis zur Erwachsenenpsychiatrie - an einem Standort anbietet, das ist die Zukunftsvision für die LWL-Einrichtungen in Marsberg. Am Freitag wurden die Pläne bei einem Pressegespräch vorgestellt.

Marsberg - In einer Größenordnung von rund 18.000 Quadratmetern Nutzfläche wird am Standort Weist ein Neubau für die Erwachsenenpsychiatrie sowie ein Gebäudeensemble für die Kinder- und Jugendpsychiatrie entstehen. Das geschätzte Kostenvolumen beträgt 40 Millionen Euro. „Dies ist ein klares Bekenntnis zum Standort Marsberg – wir lassen die Fläche nicht im Stich“, betonte LWL-Direktor Matthias Löb, nachdem er die Pläne in Marsberg in das Gesamtkonzept des Landschaftsverbands eingeordnet hatte.

Unter den insgesamt 130 Einrichtungen in Westfalen Lippe weise der Standort Marsberg einige Besonderheiten auf: Zum einen ist es mit über 200 Jahren die älteste psychiatrische Einrichtung der LWL – „eine Tradition, die verpflichtet“, so der Direktor. Ein weiterer Aspekt ist seine Lage am Rand von Westfalen-Lippe, der dem LWL-Anspruch, auch im ländlichen Raum präsent zu sein, Rechnung trägt. Schließlich spielt die Einbindung der Kliniken in die Struktur der Stadt eine Rolle: „Die LWL ist eine Adresse in Marsberg“, brachte es der Direktor auf den Punkt.

„Die Öffnung gegenüber der Stadt ist ein ganz zentraler Aspekt der Planungen“, erläuterte Gerhard Wittfeld vom Aachener Architekturbüro kadawittfeldarchitektur. Ihr Entwurf, den sie in Zusammenarbeit mit den Kölner Landschaftsarchitekten Greenbox entwickelt hatten, hat sich im Wettbewerb gegen 113 konkurrierende Bewerber durchgesetzt. (Referenzen seines Hauses sind die Grimmwelt Kassel oder das erste kreislauffähige Haus auf der Zeche Zollverein in Essen.)

Campus-Charakter erhalten

„Dies ist ein ganz zauberhafter Ort“, zeigte sich Wittfeld von dem parkähnlichen Klinikgelände angetan. Diesen offenen und grünen Campus-Charakter möchte er erhalten. Die besondere Herausforderung sei, in den vorhandenen Gebäudebestand hineinzuplanen. Das LWL-Gelände prägende und teilweise unter Denkmalschutz stehende Gebäude, wie das Hauptgebäude mit dem Festsaal, die Kirche, oder jene, die den Eingangsbereich flankieren, werden bleiben und lediglich saniert.

Erster Bauabschnitt

Im ersten Bauabschnitt wird auf der nordöstlichen Seite des Klinikgeländes der Neubau der Erwachsenenpsychiatrie entstehen, eine kleeblattförmige Anlage, bestehend aus drei Ringen mit eigenen Innenhöfen. Die ersten Vorarbeiten hierzu sollen im späten Frühjahr/Sommer kommenden Jahres beginnen.

Zweiter Bauabschnitt

In der zweiten Bauphase werden im südwestlichen Bereich zwei V-förmige Gebäude für die Kinder- und Jugendpsychiatrie entstehen, deren Flügel abgeschirmte Gartenbereiche wie „geöffnete Arme“ umfassen sollen. Dafür muss ein „H“, der neuere Teil des „Doppel-Hs“ vom Zentralgebäude, weichen.

Alle Neubauten sollen sich mit moderaten Gebäudehöhen und terrassiert in die Landschaft und die Topografie integrieren. Als Holz-Hybrid-Konstruktionen - und mit begrünten, mit Photovoltaik ausgestatteten Flachdächern - trägt man dem Anspruch an Nachhaltigkeit Rechnung. Das ist auch der Anspruch der LWL. Zwar habe man gegenüber 1990 bereits 60 Prozent der Emissionen eingespart, so Löb, aber das politisch anvisierte Ziel einer Klimaneutralität 2030 nehme man ernst.

Zehnjahres-Zeitraum für gesamtes Bauvorhaben

Dabei soll immer der Mensch – ob Patient, Personal oder Publikum – im Fokus stehen. Eine weitere Besonderheit: „Da wir sozusagen am offenen Herzen operieren, bei laufendem Klinikbetrieb, wollen wir möglichst wenig mit Bauaktivitäten stören“, erläuterte der Architekt. Daher werde man viele baulichen Elemente vorfertigen lassen, die vor Ort montiert werden. Um hier einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, bedürfe es eine gründlichen Vorplanung. Der Baubeginn werde also eher später als anvisiert starten. Für das gesamte Bauvorhaben plane man einen Zehnjahres-Zeitraum ein.

LWL Gesundheitscampus Marsberg
Die Gebäude des neuen LWL-Gesundheitscampus Marsberg sollen sich harmonisch in die Landschaft einfügen. © Kadawittfeldarchitektur

Dem heutigen Anspruch einer modernen Psychiatrie lasse sich in einem Neubau naturgemäß viel besser Rechnung tragen als in einem Altbau, erklärte Jan Hendrik Unger, Kaufmännischer Direktor der LWL-Klinik Marsberg. Die räumliche Nähe der Klinik für Erwachsene mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie ermöglichten nicht nur Synergien, sondern durchbrächen auch die bisherige artifizielle Trennung von älteren Jugendlichen und Erwachsenen. Sie erleichtern zudem ganzheitliche, familientherapeutische Angebote. Eine Reduzierung der klinischen Kapazitäten erfolgt jedenfalls nicht durch die Zusammenlegung – die Bettenzahl bleibt konstant – vielmehr entstehen Potenziale für neue Angebote, versicherte Löb.

Der inklusive Charakter des neuen Gesundheitscampus manifestiert sich zunächst in der neuen Sporthalle am Ufer der Weist, welche, nebst Außenanlagen, nicht nur der LWL, sondern allen Marsbergern zur Nutzung offen stehen soll. Auch die Cafeteria im Zentrum des Campus wird ein öffentlicher Ort. Er soll sich aber auch in neuen klinischen Bereichen niederschlagen, wie der Psychosomatik beispielsweise, denn psychische Erkrankungen seien längst eine Volkskrankheit.

Was passiert mit dem alten Standort der Kinder- und Jugendpsychiatrie?

Was mit dem alten Standort der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Bredelarer Straße geschieht, ist noch offen. Der Wohnverbund verfolge, von der Klinik unabhängig, eigene Pläne, werde sich aber tendenziell eher verkleinern als vergrößern. Die Entwicklung weise eher auf einen Ausbau von dezentralen, wohnortnahen Angeboten hin. Am alten Standort bleiben soll zunächst die LWL-Akademie. Die Schule für Kranke – die in Klinikschule umbenannt wird – wird dagegen mit umziehen. Alle Entscheidungen unterlägen jedoch einer „fortlaufenden, kritischen Überprüfung“, so Unger.

Da es sich an der Bredelarer Straße ebenfalls um einen markanten Ort in Marsberg handelt, wird man auf jeden Fall die Stadt Marsberg in die weiteren Planungen involvieren. Auch bei der angestrebten Öffnung der Klinik in die Gesellschaft bedarf es einer gezielten Abstimmung zwischen LWL und Kommune.

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