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So entstanden bekannte Weihnachts- und Silvesterbräuche

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Ein Krippenbild von 1930 ist ebenfalls im Stadtarchiv Marsberg zu finden. © Stadtarchiv Marsberg

Marsberg. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und viele Familien erinnern sich lächelnd an „ihr festes Ritual“. Das Stadtarchiv Marsberg hat Weihnachts- und Silvesterbräuche rund um Marsberg zusammengetragen.

Ältere Bewohner Marsbergs erzählten, dass ihr Leben lang an Heiligabend morgens der Weihnachtsbaum geschmückt wird, man geht in die Messe und danach werden die Kinder mit einem „Glöckchen“ in die gute Stube gerufen, wo das Christkind die Geschenke unter den Baum gelegt hat. Das Silvesterfest hatte früher auch seine eigenen Bräuche. 

„Geböllert“ wurde ebenfalls in alten Zeiten schon und ordentlich Krach gemacht. Das alte Jahr sollte ausgetrieben werden und mit ihm alles Schlechte und die bösen Geister. Da aber das Geld oder die Möglichkeit Feuerwerk zu erwerben fehlte, wurde mit Schüssen aus Gewehren, Pistolen oder mit selbstgemachten Böllern das neue Jahr begrüßt. 

Böllern mit der Milchkanne

Man böllerte gerne mit Karbid in Milchkannen. Die alten Milchkannen aus Metall haben sicher ordentlich gescheppert. Weil aber durch die selbstgemachten Böller viele Unfälle passierten, wurde das Neujahrschießen bereits im 17. und 18. Jahrhundert von den Behörden verboten. Daran hat sich jedoch kaum jemand gehalten.

Das Team im Stadtarchiv hat sich auf die Suche nach weiteren alten Bräuchen gemacht, die uns teilweise bis heute begleiten, und ist fündig geworden. So ist zu lesen, dass die kleineren Kinder Weihnachten dem Eselchen Heu unter den Tisch oder auf die Deele legten. Die älteren Mädchen versuchten hingegen in der Neujahrsnacht – in Marsberg teilweise auch in der St. Mathiasnacht (24. Februar) – durch Schauen in ein Waschbecken oder durch „Bleigießen“ ihren künftigen Bräutigam kennen zu lernen. Das „Bleigießen“ ist auch heute noch bekannt, jedoch interessiert man sich nicht für einen passenden Partner, sondern versucht eher herauszufinden, was das nächste Jahr an Glück und Geld bringt. 

Nachtwächter ging von Haus zu Haus

Eine andere Sitte war die des „Neujahransagens“ von Haus zu Haus, mit einem alten Reim und einer eigenartigen Melodie. Für den Neujahrstag backte man sogenannte „Neujährchen“ und „Kränze“, gewundene Stuten, mit denen man sich gegenseitig beschenkte. Wer dem anderen das „Neujahr abgewann“ hatte Anspruch auf ein solches Geschenk. In Erlinghausen wird der „Niegejohr-Krengel“, ein Kranz mit einer Figur in der Mitte, von den Paten an die Patenkinder verschenkt. Dieser uralte, früher weit verbreitete Brauch, hat sich bis heute erhalten.

In noch früherer Zeit blies und sang der Nachtwächter jedem Haus das Neujahr nebst den entsprechenden Wünschen an. War die Nacht recht frostig und eisig kalt, so fielen Lied und Wünsche etwas kürzer aus oder wurden presto und allegro vorgetragen. Immer jedoch holte er sich am nächsten Tag sein Trinkgeld und bekam zusätzlich Waffeln und Plattenkuchen, sodass sein Mantel und alle Taschen ordentlich mit Kuchen gepolstert waren. 

Die Briloner waren etwas bescheidener und gaben in alten Zeiten als Neujahrsgeschenk einen Apfel mit einem Buchsbaumzweig und vergoldeten Nüssen. In Giershagen gehörte der letzte Tag des Jahres dem Bergmann. Der 1873 gegründete Knappenverein zog mit seiner historischen Fahne zum feierlichen Gottesdienst. Heutige Arbeitnehmer dürften den Bergleuten ihren freien Tag an Silvester verdanken, denn da St. Silvester als Patron der Bergleute gilt, hatten Ramsbecker Bergleute seinen Todestag, den 31. Dezember, als freien Tag erstritten, damit man wenigstens das Ende des Jahres im Licht des hellen Tages feierlich begehen konnte. 

Bauernregeln an Silvester

Die Bauern beobachten an Silvester kritisch das Wetter, denn: Wind in der Silvesternacht hat nie Wein und Korn gebracht. Hier noch ein ebenfalls bis heute in Teilen erhaltener Brauch: Der Besuch der „Heiligen Drei Könige“ am 6. Januar. In Obermarsberg und Padberg waren „Drei-Königs-Zettel“ im Gebrauch, deren Besitz vor Ungemach bewahren sollte. Manche Glocke trug zur Abwehr von Unwetter die als Initialen der Könige gedeuteten Buchstaben. Bis ins 18. Jahrhundert waren in Hausinschriften Drei-Königs-Bannsprüche gegen Feuer, Seuchen und Unfälle verbreitet. Solche gibt es in Niedermarsberg, Giershagen, Madfeld und Messinghausen. In den Marsberger Ortschaften Canstein und Udorf hatten die Drei-Königs-Sänger einen Besen, mit dem Unglück und Not aus dem Hause gekehrt werden sollte. 

Wer Aufzeichnungen und Bilder zu alten Traditionen hat oder diese mündlich weitergeben kann, ist im Stadtarchiv Marsberg willkommen, um diese dort weiterzugeben. Natürlich sind Forscher und Interessierte in allen Bereichen ebenso zu einem Besuch eingeladen. Das Stadtarchiv Marsberg (Bahnhofstraße 11, rechts neben dem Eingang der Bibliothek) ist freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Unter ☎ 0 29 92/97 91 65 können für montags bis donnerstags Benutzungstermine vereinbart werden.

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