Hexenpfennige und Drachenköpfe auf dem Quast

Marsberger Wanderwoche bietet Gelegenheit zu abwechslungsreichen Entdeckungstouren

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Aussichten, Fernsichten und Einsichten bot die Wanderung mit Wanderführer Walter Bracht auf dem Quast bei Rhoden.

Marsberg/Rhoden - Bei schönstem Wanderwetter erlebten Outdoor-Freunde bei drei verschiedenen geführten Touren am Mittwoch den Auftakt der neunten Marsberger Wanderwoche. Veranstaltungen, die sich in den Vorjahren großer Beliebtheit erfreuten, stehen auf dem Programm, dazu wurden viele neue Exkursionen aufgenommen. Erfreulich ist besonders der „Blick über den Tellerrand“ - das heißt, dass etliche Wanderungen jenseits von Marsbergs Stadtgrenzen Interessantes in der unmittelbaren Nachbarschaft erkunden. Umgekehrt, haben immer mehr Menschen der Region die Marsberger Wanderwoche für sich entdeckt.

Auf ein breites Interesse stieß zum Beispiel die Tour auf Rhodens Hausberg, der Quastholle. Fast 30 Teilnehmer erfuhren bei dem circa sieben Kilometer langen Rundgang von Geoparkführer Walter Bracht nicht nur Spannendes über den Untergrund, auf dem sie wanderten, sondern wurden von ihm auch auf Besonderheiten in der Vegetation aufmerksam gemacht. Zudem wusste der Wanderführer anschaulich zur Historie der Lokalität zu berichten. 

Zu Beginn der Wanderung zeigte Bracht diverse Gesteinsproben und Bodenfunde, die in ihrer Vielfalt großes Staunen auslösten: Muschelkalk, Alabaster, Fossilien und versteinerte Pflanzenstengel (im Volksmund Hexenpfennig genannt), aber auch Fragmente von Werkzeugen aus der Bronzezeit und Keramiksplitter. 

Über den Magerrasen ging es zunächst, zwischen Wacholderbüschen und mit Blick auf die Wüstung Alt-Rhoden, am Waldrand entlang. Seltene Orchideen waren zwar zu dieser Jahreszeit nicht mehr zu entdecken, aber dafür Flecken mit Herbstzeitlosen, vertrocknete Silberdisteln und Brombeeren. Bodenmulden und Aufschüttungen verrieten Stellen, wo früher Kalk oder Gips abgebaut wurde. 

Durch unwegsames Gelände ging es teilweise, wie hier in der Burgwallanlage auf dem Gaulskopf.

Dann folgten die Wanderer dem fast ausgetrockneten Bachlauf des Quast hinauf auf den Berg, wo Bracht Spuren von Kalk- und Ziegelbrennereien zeigte. Einige alte Grenzsteine aus dem 18. Jahrhundert mit dem Kurkölnischen Kreuz und dem Waldecker Stern erinnerten an den Grenzverlauf. Schließlich gelangten die Wanderer auf den Gaulskopf, wo Aufschüttungen, Gräben und Fragmente des Doppeltors den Verlauf der früheren Wallburg verraten. Funde aus der Jungsteinzeit belegen eine frühe Besiedlung, Pfostenspuren lassen den Bau einer Kirche vermuten. 

Aber auch Spuren einer jüngeren Nutzung lassen sich auf dem Quast finden: So diente der Berg bis 2002 als militärischer Stützpunkt zur Flugabwehr; das am Fuße des Berges liegende, enge Diemeltal hätte Tieffliegern einen Anflug unter der Radargrenze erlaubt. Zu diesem Zweck wurde die Bergkuppe gerodet. 

Die Freifläche ist heute Schauplatz des Drachenfests, das alljährlich Tausende von Live-Rollenspielern aus ganz Europa anlockt. Im wörtlichen Sinn Höhepunkt der Wanderung war die Aussichtsplattform, die einen spektakulären Rundumblick ermöglicht, südlich ins Waldecker Land und bis zum „Monte Kali“, nordwestlich ins Paderborner Land bis zur Egge und im Norden und Osten über die Warburger Börde und zum Desenberg – bei klarem Wetter bis zum Harz, wie Bracht erklärte. Angefüllt mit reichhaltigen Eindrücken, kamen die Wanderer wieder am Ausgangspunkt an, viele mit dem Vorsatz, der Quastholle einen erneuten Besuch abzustatten. 

Wanderwoche geht noch bis Mittwoch

Noch bis einschließlich Mittwoch, 18. September werden täglich mehrere Wanderungen angeboten. Morgen Nachmittag, 13 Uhr, geht es mit dem Liege-Bike zum Twistesee und um 15 Uhr führt ein Friedhofsspaziergang zur Kluskapelle bei Giershagen. Am Sonntag startet um 10 Uhr eine Wanderung zu den Biberbauten an der Diemel und um 13.30 Uhr erfährt man über „Tod und Teufel“ in der Umgebung von Oesdorf. Am Montag um 11 Uhr führt eine Wanderung bei Udorf ins Rote Land. Die Wanderung um 14 Uhr „Vom Berg zum Tal“ mit Gerd Rosenkranz muss leider ausfallen. Dienstag um 10 Uhr gibt es eine „Fünf-Hütten-Wanderung in Meerhof sowie um 16 Uhr eine Erlebniswanderung mit Lamas am Diemelsee. Die Wanderwoche klingt am Mittwoch, 18. September aus, mit einer Streckenwanderung von Bredelar nach Marsberg (Start 10.15 Uhr) und einer Rundwanderung um 13.30 Uhr zwischen Essentho und Madfeld zu den Quellen des Aabachs.

Informationen

Das ausführliche Programm und alle weiteren Informationen gibt es unter: www.wanderwoche-marsberg.de, bei Stadtmarketing, Bäckerstraße 8 in Marsberg, Tel.: 0 29 92/33 88 bzw. 82 00, E-Mail: info@tourismus-marsberg.de oder bei Reisebüro Gerlach, Hauptstraße 7 in Marsberg.

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