Älteste Kulturtechnik der Menschheit

Meilerwoche in Giershagen macht Tradition wieder lebendig

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Die frisch gekührte Köhlerliesel Denise Nolte, Weihbischof Manfred Grothe und die Europaparlamentarierin Birgit Sippel hatten die ehrenvolle Aufgabe den Meiler mit heißer Kohle zu entzünden, assistiert von den drei Giershagener Köhlern Willi Raffenberg, Johannes Götte und Reinhard Nolte.

Giershagen – In prominenter Gesellschaft und im Beisein von rund 400 Köhlern aus ganz Europa wurde Freitag an der Freizeitanlage Grube Reinhard bei Giershagen der Kohlenmeiler entzündet. Seitdem ziehen die Rauchschwaden über den Meilerplatz und weiter entlang des Diemeltals, während die Menschen sich (noch bis Sonntag) am kurzweiligen und abwechslungsreichen Programm erfreuen können.

„Es war im Diemeltal, im schönen Diemeltal...“ Mit dem Giershagener Meilerlied hatte der Gesangverein auf die Eröffnungsfeier der Meilerwoche eingestimmt. Nicht ohne Stolz verwies der Vorsitzende des Fördervereins „Unser Giershagen“ bei der Begrüßung auf das, was die Giershagener Dorfgemeinschaft in rund anderthalbjähriger Vorbereitungszeit auf die Beine gestellt hat; unter anderem auch die Fertigstellung des neuen Pavillons in „rekordverdächtiger Zeit“, so Henke. Auch wenn der Pavillon als Informationszentrum und außerschulischer Lernort nicht nur für die Köhlerei, sondern auch für den Bergbau, Geologie und Naturkunde dienen soll, so erinnert er doch in seiner Form sehr an eine Köhlerhütte. „Der Zusammenhalt der Giershagener, das Engagement unseres Dorfes ist beispielgebend“, betonte Henke. Genau dies sei aber in Gefahr: „Unser geliebtes Ehrenamt droht an der Flut der Auflagen zu ersticken“, wandte er sich an die anwesenden politischen Entscheidungsträger, mit dem Appell, Bürokratie hier abzubauen. 

Im Anschluss ergriff der Vorsitzende des Europäischen Köhlerverbands Karl Josef Tielke, der die Giershagener bei ihren früheren Meilern bereits unterstützt und die drei Giershagener Köhler Johannes Götte, Willi Raffenberg und Reinhard Nolte ausgebildet hatte, das Wort: „Nach Giershagen zurück zu kommen, ist was Schönes, voller traumhafter Erinnerungen.“ Er erinnerte an die Gründung des Europäischen Köhlerverbands 1997 durch „18 Enthusiasten“, wie er es nannte. Heute hat der Verband rund 3000 Mitglieder. „Von Anfang an gab es ein klares Bekenntnis zu Europa“, betonte er. Im Kleinen pflege man die europäische Gemeinschaft. „Diese Verbundenheit ist etwas Einmaliges: Wir sind eine große Familie.“ Als Gastgeschenk brachte er eine Tafel mit, welche die Anerkennung des Köhlerhandwerks als immaterielles Kulturerbe bestätigt. Sie wird im neuen Pavillon ihren Platz finden. 

Zur neuen Köhlerliesel kürte Karl Josef Tielke als Vorsitzender des Köhlerverbands Denise Nolte aus Giershagen (li.). Die Schärpe legte ihr Amtsvorgängerin Amélie Leflaec (re.) um.

Die Europaabgeordnete Birgit Sippel, Schirmherrin der Meilerwoche, bekräftigte die Bedeutung des Köhlerei als eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit. „Holzkohle ist ein sehr wertvolles Produkt, viel gehaltvoller als jede Grillkohle von der Tankstelle“, so Sippel. Als Anerkennung für ihr Engagement, lud sie die Giershagener Aktiven und auch Tielke zu einem Besuch in Brüssel ein. Enthusiastisch äußerte sich auch der stellvertretende Landrat Dr. Michael Schult über die Leistung der Giershagener: „Ich bin das erste Mal hier und schon begeistert.“ Er lobte besonders den Pavillon und bescheinigte ihm „Strahlkraft“. Bürgermeister Klaus Hülsenbeck freute sich, dass Giershagen – und damit ganz Marsberg durch das Europäische Köhlertreffen und das Meilerfest in den Fokus von Europa gerückt sei. „Es ist eine ganz hervorragende Veranstaltung, die das Köhlerhandwerk weiterleben lässt; ich freue mich, dabei zu sein und wünsche den Köhlern eine gute Zukunft“, so der Bürgermeister. 

Neue Köhlerliesel gekürt

Anschließend stellte Tielke die neue Köhlerliesel vor. „Ich habe immer gute Laune, jedes mal wenn ich an ihrer Seite bin“, wandte sich die scheidende Amtsinhaberin Amélie Leflaec in Französisch, Deutsch und Englisch an die versammelten Köhler, bevor sie ihrer Nachfolgerin Denise Nolte die Schärpe umlegte. Die Giershagenerin, Tochter des Diemeltal-Köhlers Reinhard Nolte, wird das Amt nun zwei Jahre lang inne haben. „Ich freue mich auf zwei schöne Jahre – heute kann ich mich nur auf Deutsch an Sie wenden, aber bei der nächsten Veranstaltung werde ich besser vorbereitet sein“, versprach sie. 

Zum Abschluss des Festaktes wurde ein Kreis von acht Linden gepflanzt. Jeder Baum steht für eines der Länder, die in im Rahmen des Europäischen Köhlertreffens in Giershagen zu Gast waren und wurde von einem Vertreter aus diesem Land gepflanzt: England, Frankreich, Belgien, Polen, Slovenien, Österreich, Schweiz und Italien. „Die Kronen der Linden sollen zusammenwachsen, so wie Europa auch“, hatte Henke zuvor erklärt. Als belaubtes Dach werden sie einen zweiten, natürlichen Pavillon bilden, am entgegengesetzten Ende der Freizeitanlage gelegen, quasi als Kontrapunkt zum hölzernen Pavillon. Schließlich schritten die Köhler zur Tat und gemeinsam mit Köhlerliesel Denise Nolte, Weihbischof Manfred Grothe und der Europaparlamentarierin Birgit Sippel füllten sie den Schacht des Meilers mit glühender Kohle bis er anfing zu qualmen. 

Weiteres Programm

Weiter geht es am Freitag mit der After-Work-Party mit irischer Folksmusik von drei Lifebands: Morning Dew, Begbies Pint und In Search Of a Rose. Das Programm am Samstag beginnt am Meilerplatz mit dem MeilerRun (Start um 10 bzw. 10.30 Uhr). Nachmittags geben die Musikvereine der Region ein Konzert, der Abend gehört musikalisch dem „Alpen-Rock“. Der Meiler wird geöffnet und erste Kohle wird verkauft. Der Sonntag beginnt um 11 Uhr mit einem Dankgottesdienst, nachmittags präsentiert sich die heimische Landwirtschaft mit traditionellen Gerätschaften, Frühkartoffeln werden verkauft, traditionelles Handwerk wird demonstriert und am Rennofen wird Erz geschmolzen. Zum Ausklang der Meilerwoche wird der neue Meilerkönig gekürt. Ausführliches Programm: www.bergbauspuren.de.

Eröffnung der Meilerwoche in Giershagen

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