„Ort der Versammlung“

Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit  besuchen die Synagoge in Padberg

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Eine Gruppe der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit aus Paderborn besuchte Padberg mit seiner einzigartigen Synagoge.

Padberg - „Wir wollen nach vorne gucken – und nicht nur zurück“, umschreibt Vorsitzende Monika Schrader-Bewermeier die Einstellung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) in Paderborn. Eines ihrer Ausflugsziele war vor kurzem der Ort Padberg, der mit seiner Synagoge – der einzigen erhaltenen Fachwerksynagoge Westfalens – und den beiden christlichen Kirchen, der alten St. Petrus aus dem 11. Jahrhundert und der St. Maria Magdalena, wie kaum ein anderer Ort das historische Miteinander von jüdischem und christlichem Leben verkörpert.

Die zwanzig Teilnehmer des Ausflugs – Christen, Juden sowie zwei junge muslimische Studentinnen – wurden von Ortsbürgermeister Horst Becker, dem stellvertretenden Bürgermeister Marsbergs Johannes Wüllner sowie Reinhard Becker, Ring Padberg, in Empfang genommen. 

Padbergs Ortsheimatpfleger Norbert Becker führte die Besucher zur Synagoge. Bereits auf dem Weg dorthin versorgte er die Gäste mit anschaulichen Details zur Historie des Dorfes; verwies auf die ehemalige Schule, den alten Marktplatz und den Brunnen. 

An der Synagoge angekommen, erklärte Becker, dass „über Jahrhunderte hinweg“ die jüdische Bevölkerung „wie selbstverständlich“ zu Padberg gehört habe und Teil der Dorfgemeinschaft gewesen sei. Dass Juden überhaupt nach Padberg kamen, verdanke sich größtenteils der Tatsache, dass der Ort Stammsitz der adligen Herren von Padberg war, welche, wie andere Herrscher auch, jüdische Berater sehr schätzten und von ihrem Handel profitierten. 

Im Innern des Fachwerkbaus – die 1751 erstmals urkundlich erwähnte Synagoge soll eine der ältesten in Westfalen sein – erklärte der Ortsheimatpfleger architektonische Besonderheiten, wie die frühere Gewölbedecke und dass der Bau in seiner Ausführung als Fachwerk sich den lokalen Baustil angeeignet hatte.

Prüde Pfarrer und findige Padberger 

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder in Padberg so weit abgenommen, dass das Gotteshaus nicht mehr als „Ort der Versammlung“ (das bedeutet das Wort Synagoge sinngemäß) dienen konnte. Der Synagogenbezirk wurde aufgelöst und das Gebäude an einen Handwerker verkauft. Diesem Umstand ist es vermutlich geschuldet, dass die Synagoge nicht den Progromen der NS-Zeit zum Opfer fiel. Heute dient das denkmalgeschützte Gebäude als Mahnmal. 

Anschließend führte Ulrike Gräfin Droste zu Vischering die Besucher zur Petrus-Kirche, die in ihrer Trutzigkeit und mit den deutlichen Spuren ihrer vier unterschiedlichen Bauphasen die Besucher ebenso beeindruckte, wie die stattliche Maria-Magdalena-Kirche, die gerne als Padberger Dom bezeichnet wird. 

Durch ihre Familie und aus Aufzeichnungen wusste die Gräfin zudem so manche unterhaltsame Anekdote zu erzählen, wie jene von dem besonders prüden Geistlichen, der die ihm zu unkeusch erscheinenden Engelsfiguren aus der Pape‘schen Werkstatt vergraben ließ. Sie haben nun einen würdigen Platz in der Alten Kirche gefunden, ebenso das Kruzifix vom Kreuzberg, welches von Spechten als Baustelle zweckentfremdet und anschließend mühevoll wieder restauriert, nun den Altar schmückt. 

Ein weiterer Glücksfall war, wie die Padberger ihre Kirchenglocken, die sie, wie alle Gemeinden in den Kriegsjahren, zum Einschmelzen abgeben mussten, bei Kriegsende durch einen Hinweis im Hafen von Münster wiederfanden und in einem aufwändigen Triumphzug zurückbrachten. Nach den vielen Eindrücken stärkten sich die Besucher in der Schützenhalle, bevor sie abschließend den Jüdischen Friedhof bei Beringhausen aufsuchten.

Hintergrund

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn hat zur Zeit circa 270 Mitglieder. 1987 gegründet, bewahrt sie mit Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen, Fortbildungen, Fahrten und Gesprächen die mahnende Erinnerung an die Verbrechen der NS-Diktatur, bemüht sich aber auch um ein erneuertes Verhältnis von Juden und Christen, um einen Dialog von Menschen unterschiedlichster Konfessionen.Seit 1997 organisiert die Paderborner Gesellschaft jährlich eine „Woche der Brüderlichkeit“. Sie ist Mitglied im Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, von denen es in ganz Deutschland über 80 gibt.

Die Mitglieder der GCJZ sahen sich interessiert im Inneren der Fachwerksynagoge um.

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