Einblicke in Grenzöffnung und DDR-Alltag

Museum der Stadt Marsberg öffnet endlich wieder und zeigt neue Ausstellung

Sogar ein Stück vom echten Grenzzaun ist in der DDR-Ausstellung zu sehen. Museumsleiter Heiner Duppelfeld freut sich, dass er die Ausstellung endlich für das Publikum öffnen kann.
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Sogar ein Stück vom echten Grenzzaun ist in der DDR-Ausstellung zu sehen. Museumsleiter Heiner Duppelfeld freut sich, dass er die Ausstellung endlich für das Publikum öffnen kann.

Obermarsberg – Wochenlang waren im Museum der Stadt Marsberg die Tore geschlossen – am Sonntag, 5. Juli, sollen sie sich wieder öffnen. Gleichzeitig hebt sich endlich auch der Schlagbaum zur Ausstellung „Damals in der DDR“, die unmittelbar vor ihrer Eröffnung Corona zum Opfer fiel und seitdem, fertig aufgebaut, im Museum ihren Dornröschenschlaf hält.

„Dass wir die Ausstellung bisher nicht zeigen konnten, ist vor allem schade, weil sich sehr viele Schulklassen angemeldet hatten“, bedauert Museumsleiter Heiner Duppelfeld. Eigentlich hätte sie am 6. Juni bereits wieder abgebaut werden müssen, aber dem Museumsteam ist es gelungen, eine Verlängerung für die Leihgaben zu erwirken. Nun kann sie bis zum 11. November in Marsberg bleiben. 

Vielleicht, so hofft der Museumsleiter, sind ja auch im Herbst wieder Besuche für Schulklassen möglich. Ein Hygiene- und Schutzkonzept, welches Besucher begegnungsfrei durch die Ausstellung leitet, ist bereits erstellt. Zudem werden die Besucher gebeten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Ausstellung besteht aus zwei Hauptelementen: Die Wanderausstellung „Es war einmal eine Grenze“ der Landeszentrale für Politische Bildung illustriert auf elf Roll- ups die Geschichte der Grenzsicherung von den Anfängen in den Vierzigern bis zur Grenzöffnung am Abschnitt vom Priwall bis zur Elbe. 

Alltagsleben in der DDR

Die Poster „Voll der Osten – Leben in der DDR“ mit Fotografien von Harald Hauswald fangen dagegen das Alltagsleben in der DDR ein, mit allem, was dazu gehört: Arbeit, Reisen, Freizeit und Schule. Für das Dokumentieren einer ungeschönten Realität bekam Hauswald zwar Ärger mit der Stasi, die Fotos seien aber dennoch weniger „subversiv“ als eine „Liebeserklärung an die Menschen der DDR“, befindet der Historiker Stefan Wolle, der die Ausstellung konzipiert hat und dessen Texte die Bildaussagen unterstreichen. Wolle war Mitherausgeber der ersten Stasi-Dokumentensammlung und leitet heute das DDR-Museum in Berlin. QR-Codes verlinken die Fotos mit erläuternden Videostatements des Fotografen. 

Dazu kommen zahlreiche Exponate, wie ein Stück vom Grenzzaun, die Flagge mit Hammer und Sichel, sowie Dokumente, Abzeichen und eine Uniform-Bluse der Jungen Pioniere. Viele dieser Objekte hat eine ehemalige DDR-Bürgerin als private Leihgabe zur Verfügung gestellt. Gleich am Eingang der Ausstellung sieht man sich zudem Auge in Auge mit einer lebensgroßen Büste von Lenin, welche das Museumsteam auf dem Dachboden des Museums gefunden hat. „Ich frage mich immer wieder: Warum tickt der Osten so anders? Ich sehe die Ausstellung daher als sehr, sehr wichtig an, damit endlich ein Zueinander stattfindet zwischen Ost und West“, so der Museumsleiter. 

Weitere Projekte verschieben sich

Die Verlängerung der Ausstellung führt dazu, dass alle weiteren in Planung befindlichen Projekte sich verschieben werden: So soll die „Ötzi“-Ausstellung nun erst im ersten Halbjahr 2021 in Obermarsberg Station machen. Daran anschließend ist eine Ausstellung zum Thema Kunst und Schizophrenie geplant, unter Beteiligung der LWL-Klinik Marsberg und des Kunstkreises Papengesellschaft. 

In einem der neuen Ausstellungsräume soll es um das Thema Schule gehen – eine alte Schulbank ist vorhanden.

Nicht nur die Sonderausstellungen, auch die Planungen im Dauerausstellungsbereich des Museums der Stadt Marsberg drohten, coronabedingt, in Gefahr zu geraten – „etwas, dass uns sehr unter den Nägeln brennt“, bekannte der Museumsleiter. Wie berichtet, sollen im Obergeschoss der Alten Schule weitere Ausstellungsräume geschaffen werden. Dazu hat die Stadt Marsberg bereits 30.000 Euro in den Haushalt eingestellt, die noch in diesem Jahr zu verwenden sind. Vertreter des Bauamts hatten bei einem Museumsbesuch vor einigen Wochen zugesichert, dass die Planungen (Bauzeichnungen und Kostenkalkulation) nun in Angriff genommen werden. „Das Museum ist ja städtisch und das ist etwas, das wir für die Stadt machen wollen“, betonte Duppelfeld. In der kommenden Woche soll nun eine Vorbesprechung mit einem beauftragten Architekten stattfinden. 

Mehr Technik für Raum zur Bergbaugeschichte

Auch in den Ausstellungsräumen im Untergeschoss soll ein moderneres Konzept greifen: So will man, mit Hilfe von Leader-Mitteln, im Raum zur Bergbaugeschichte mehr Technik einsetzen. Neben digitalen visuellen und akustischen Projektionen, sind die Anschaffung von Mikroskopen für Schulprojekte sowie die Beleuchtung des Bergbaumodells der Grube Mina geplant. 

Auch der Raum von Karl dem Großen soll digital „aufgepeppt“ werden: Geplant ist der Einsatz von Touchscreens, mit deren Hilfe man auf Karten Veränderungen über Zeitverläufe illustrieren könnte. Hier können Mittel des Heimatschecks zum Einsatz kommen. 

Aber der Museumsleiter kann noch mehr Positives berichten: Alle Tafeln für den von Gerhard Rosenkranz initiierten Geopfad sind fertig und die insgesamt dreizehn Schilder können, sobald der Bauhof die Stelen aufgestellt hat, montiert werden. „Ich finde, das ist wichtig. Viele Leute fahren in diesem Jahr nicht weg und genießen stattdessen unsere Umwelt. So ein Themenweg schafft einen enormen Mehrwert.“ Marsberg habe viel zu bieten – als Beispiel nennt Duppelfeld den jüdischen Friedhof in Obermarsberg. „Das ist ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann, das darf man nicht vernachlässigen.“

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