„Eyn gout Gericht Wildpret“

Museum der Stadt Marsberg richtet "Mahl der Zünfte" aus

+
Zünftig mittelalterlich gewandet hatten sich manche Gäste für das Gelage im Museum der Stadt Marsberg.

Obermarsberg - Ein zünftiges mittelalterliches Mahl genossen an die 100 Gäste im Museum der Stadt Marsberg. Traditionell lädt der Förderverein Historisches Obermarsberg einmal im Jahr zum Schlemmen wie in alten Zeiten ein, jedes mal mit einem anderen Themenschwerpunkt. In diesem Jahr galt das Augenmerk den Innungen des Handwerks, den Zünften.

Was die Zünfte mit dem Adjektiv zünftig zu tun haben, erläuterte Museumsleiter und Historiker Heiner Duppelfeld in aufschlussreichen Erklärungen, die er, anschaulich unterlegt mit an die Wand geworfenen Bildern, als „appetitliche Häppchen“ in die opulente Menüfolge des Abends einstreute. 

„Zünftig feiern – den Begriff kennen wir auch heute, wobei zünftig so viel wie derb, handfest, kräftig, rustikal oder bodenständig bedeutet“, erklärte der Museumsleiter. Zünftig, wie es im Sinne des Zunftwesens zu verstehen ist, bedeute aber auch einer eigenen Ordnung entstammend, etwas dass sich einfügt, erfuhren die Gäste von Duppelfeld. 

Die Handwerker schlossen sich in den an Bedeutung zunehmenden Städten des Mittelalters als Schwurgemeinschaften zusammen, um sich einerseits nach außen hin abzugrenzen, im Inneren aber ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu bewirken, denn „in Gemeinschaft ist man stärker“, so der Historiker. Gemeinsam ausgehandelte Handelsverträge ermöglichten bessere Konditionen, das gegenseitige füreinander Einstehen bedeutete wirtschaftliche und soziale Absicherung. Die Zunftmeister wurden frei gewählt, entschieden wurde nach dem Mehrheitsprinzip. „Es ging also bereits recht demokratisch zu“, beobachtete Duppelfeld. 

Ein zünftiges mittelalterliches Mahl genossen die Gäste beim „Mahl der Zünfte“ in Obermarsberg, gut unterhalten durch die Padberger Spielleute.

Einige dem Zunftwesen entstammende Begrifflichkeiten, wie „jemandem das Handwerk legen“ sind heute noch gebräuchlich. Der Ausschluss eines Mitglieds, welches sich eines Vergehens schuldig gemacht hatte, war in der Regel gleichbedeutend mit dessen wirtschaftlichen Vernichtung. 

Die Regularien der Zünfte waren streng und schlossen auch moralische Vorstellungen ein. „Wer unehelich geboren war, hatte keine Chance, in die Zünfte aufgenommen zu werden“, nannte der Historiker ein Beispiel. Das mag damit zusammenhängen, dass die Zünfte meist zugleich religiöse Gemeinschaften mit eigenen Schutzpatronen waren. In Obermarsberg war das bei den Schmieden die Heilige Katharina. 

Innerhalb des städtischen Gefüges übernahmen die Zünfte auch gesellschaftliche Aufgaben, bei Gottesdiensten zum Beispiel, beim Brandschutz oder bei der Bewachung bestimmter Abschnitte der Stadtmauer. Straßennamen, wie Gerber- oder Seilergasse, bezeugen heute noch, dass die Zunftmitglieder in naher Nachbarschaft zueinander wohnten. Politische Mitbestimmung musste erst hart erkämpft werden, so mancher Zunftaufstand, auch in Marsberg, wurde blutig niedergeschlagen. 

Zusammenkünfte der Zünfte wurden häufig von opulenten Essen begleitet - „man kann eher von Gelagen reden“, erläuterte der Museumsleiter und las zur Illustration überlieferte Auszüge aus Speisefolgen solcher Mahlzeiten vor. So bekamen manche, ihrem Status entsprechend, ganze Enten oder Fische vorgesetzt. 

Im Vergleich dazu, nahm sich die Menüfolge in Obermarsberg, wiederum entworfen von Detlev Steinhoff und durch die Metzgerei Bickmann kulinarisch umgesetzt, fast bescheiden aus. Dennoch, auch sie war so einfalls- wie abwechslungsreich: Begrüßt wurden die Gäste mit einem „Trung Drachenglut“, als Appetitmacher stand eine Auswahl an Gourmet-Brotsorten (der Willinger Bäckerei von der Heide) mit einem raffinierten Frischkäse-Chili-Aufstrich auf den Tischen. Diese waren mit allerlei historischen Utensilien originell dekoriert. Los ging es mit drei verschiedenen Vorspeisen, einer Wild-Pastete, einer Möhren-Kräuter-Suppe und einem bunten Salat. 

Lieder animieren zum Mitsingen

So mancher hätte hier schon, sich genießerisch die Lippen leckend, zufrieden Messer und Gabel beiseite legen mögen, doch jetzt folgten erst die Hauptgerichte: Seehecht in Brotteig gebacken mit einer raffinierten Sauce und kleinen Erdäpfeln und danach ein rustikaler Schweinebraten mit Semmelknödel und einem mit Brombeeren veredelten Blaukraut. Wer danach noch Platz für den Nachtisch, bestehend aus Bratäpfeln, schaffen wollte, griff gerne zu einem „Wanstschließer-Trank“. 

Die ohnehin fantastische Stimmung wurde durch die musikalischen Beiträge der Padberger Spielleute launig angeregt, welche bewirkten, dass es – besonders in Kreisen gewisser „Rittersleut“ - hoch her ging. Begeistert wurden viele der bis heute tradierten Lieder der „Fahrenden“ mitgesungen. Wahrhaftig, ein zünftiges Mahl.

Mahl der Zünfte in Obermarsberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare