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Musikverein Beringhausen – 100 Jahre und (k)ein bisschen leiser

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Der Musikverein Beringhausen musste das geplante Fest zum Jubiläum aufgrund der aktuellen Corona-Situation absagen.
Der Musikverein Beringhausen musste das geplante Fest zum Jubiläum aufgrund der aktuellen Corona-Situation absagen. © Musikverein Beringhausen

Beringhausen - 50 aktive Musiker, 30 aktive Jungmusiker und 200 fördernde Mitglieder, das ist der Musikverein Beringhausen in reinen Zahlen. Zahlen, die ein lebendiges Vereinsleben bezeugen und zudem Indiz dafür sind, dass der Verein im 100. Jahr seines Bestehens lebendig und rundherum gesund ist. Zahlen aber auch, die davon zeugen, wie sich ein Verein innerhalb von 100 Jahren wandeln und entwickeln kann.

Als sich im Jahr 1920 rund 15 junge Männer zusammenfanden, um aus dem Katholischen Jünglingsverein loszulösen und eigenständig zu werden, ahnte wohl keiner der Beteiligten, was aus dem neuen Verein werden würde. Die Geschichte des Musikvereins Beringhausen unterscheidet sich kaum von der Geschichte anderer Musikvereine. Es gab Höhen und Tiefen, die mit den politischen Umständen, aber auch mit gesellschaftlichen Veränderungen zusammen hingen. 

Im Jahr 1920 fanden sich rund 15 junge Männer zusammen, um sich aus dem Katholischen Jünglingsverein loszulösen und eigenständig zu werden.
Im Jahr 1920 fanden sich rund 15 junge Männer zusammen, um sich aus dem Katholischen Jünglingsverein loszulösen und eigenständig zu werden. © Musikverein Beringhausen

Nach der Anfangsphase in den 20er Jahren, in denen der Verein erste musikalische Erfolge feiern konnte und sich als Festmusik bei verschiedensten Anlässen, hauptsächlich Schützenfesten in der Region einen guten Namen gemacht hatte, kam das Vereinsleben in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen. In den 50er Jahren hatte sich der Verein wieder gefangen, hatte aber zunehmend mit personellen Problemen zu kämpfen. In einer sich immer schneller ändernden Welt konnte der Spagat zwischen Alt und Jung kaum mehr bewältigt werden, so dass sich der Verein Mitte der 70er Jahre in einer existentiellen Krise befand. 

Dass diese überwunden werden konnte, hatte damals auch mit den freundschaftlichen internationalen Beziehungen zu tun, die der Musikverein Beringhausen mit der Trachtenmusikkapelle Goldegg aus Österreich sowie der Stadtmusik Eintracht Grenchen aus der Schweiz pflegte. Viele musikalische, aber auch organisatorische Ideen konnten übernommen werden und trugen dazu bei, dass es Ende der 70er Jahre wieder bergauf ging. 

Der bis dahin ausschließlich blasmusikalisch tätige Verein stellte sich ab den 80er Jahren deutlich vielfältiger auf, gründete eine vereinsinterne Tanzmusikabteilung und spielt seither am letzten Samstag vor Weihnachten sein konzertant geprägtes Jahreskonzert. 

Durch die Gründung des vereinseigenen Jugendorchesters im Jahr 1999, die schwerpunktmäßig betriebene Nachwuchsarbeit und die professionelle Ausbildung der Jungmusiker konnte in den letzten 20 Jahren zudem eine erfreuliche personelle und qualitative Entwicklung genommen werden. 

Längst ist der Musikverein Beringhausen nicht mehr nur eine ortsinterne Angelegenheit. Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche Musiker aus den umliegenden Ortschaften Bredelar und Padberg angeschlossen, und die Umrahmung von Veranstaltungen in diesen Orten ist zur Selbstverständlichkeit geworden. 

Stolz ist der Musikverein nach 100 Jahren darauf, dass das menschliche Miteinander zwischen Jung und Alt, zwischen aktiven und passiven Mitgliedern sowie das Verhältnis zu den örtlichen Vereinen eine so wichtige Rolle spielt. Dass die Balance zwischen Leistung und Anspruch auf der einen und dem Spaß an der Sache auf der anderen Seite so gut gelingt. Fest eingebettet in die Ortsgemeinschaft fühlt sich der Verein der Heimat auch nach 100 Jahren stark verbunden. 

Umso tragischer, dass das für den 18. und 19. September geplante Fest zum Jubiläum aufgrund der aktuellen Corona-Situation abgesagt werden muss. Die Überreichung der vom Bundespräsidenten verliehenen „Pro Musica“-Plakette und die Veröffentlichung der neuen Vereinschronik bleiben ebenso auf der Strecke. So ist der Musikverein im Jahr seines 100. Bestehens eigentlich kein, aber zwangsläufig doch ein bisschen leiser - um dann ab nächstem Jahr wieder voll durchzustarten und die nächsten 100 Jahre seiner Geschichte mit Schwung und Elan anzugehen.

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