Gerichte als soziale Schnittstellen

Netzwerk Streitkulturen veröffentlicht Broschüre zu Stätten der Rechtsgeschichte

Spannende Lektüre: Das Netzwerk Streitkulturen stellte in Wewelsburg seine Broschüre zu historischen Stätten der Rechtsgeschichte vor.
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Spannende Lektüre: Das Netzwerk Streitkulturen stellte in Wewelsburg seine Broschüre zu historischen Stätten der Rechtsgeschichte vor.

Wewelsburg/Marsberg – Seit einigen Jahren tauschen sich Historiker und geschichtlich interessierte Laien über das frühere Gerichtswesen in der Region aus, mit dem Ziel, Zeugnisse und Besonderheiten früherer Rechtskultur einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Sie gründeten das Netzwerk „Streitkulturen“, dessen Mitglieder aus dem gesamten Hochstift Paderborn sowie angrenzenden Kommunen wie Marsberg kommen. Neben der Organisation von Veranstaltungen und Exkursionen verfassten sie auch eine Broschüre, die jetzt in Wewelsburg vorgestellt wurde. 

„Das Tolle an der Broschüre ist, dass es um Rechtsgeschichte im weitesten Sinne geht“, erläuterte Frank Huismann, einer der beiden Autoren der Broschüre. Deshalb habe man auch nicht den „trocken“ wirkenden Begriff „Rechtsgeschichte“ als Arbeitstitel gewählt, sondern den Begriff „Streitkultur“. „Gerichte sind soziale Schnittstellen zwischen den oberen Schichten und dem ‚gemeinen Volk‘, das macht sie so interessant“, erklärte die Historikerin Sarah Masiak, die mit Huismann die Texte geschrieben hat. Spannend ist die Lektüre auch, weil viele der behandelten Aspekte, wie Beleidigung oder Verleumdung oder Kompetenzstreitigkeiten der Gerichte, zu Vergleichen mit der Gegenwart einladen. Mit der Broschüre ist ein vielfältiges Produkt entstanden, in das die Institutionen und Vereine der Region ihr Wissen und Potential eingebracht haben. 

In der rund 80 Seiten umfassenden Broschüre werden 13 rechtsgeschichtliche Sehenswürdigkeiten im südlichen Kreis Paderborn und im nördlichen Hochsauerland beschrieben, darunter auch Obermarsberg mit Pranger, Rolandsfigur und Stiftskirche sowie Padberg mit der Synagoge, seinen Burgen und Kirchen. Sie werden jeweils einem von drei thematischen Schwerpunkten zugeordnet: „Herren“, „Hexen“ und „Halunken“.

 Nach einer Einführung in das jeweilige Thema werden die Orte einzeln vorgestellt und besondere Aspekte anhand von biographischen Daten oder Quellen vertieft. Der Schandpfahl in Obermarsberg, dem Kapitel „Halunken“ zugeordnet, behandelt so zum Beispiel das Thema Ehrenstrafen. Anhand der Padberger Burgen wird das Thema Fehden erklärt und mit dem Bengeler Bund vertieft. 

Abschließend werden in der Broschüre drei Tourenvorschläge beschrieben. „Die Lektüre soll Lust machen, da hin zu fahren und sich die Orte anzugucken“, so Huismann. Die Publikation ist in einer Auflage von 5000 Stück erschienen und wird an öffentlichen Orten der Region (Rathäuser, Touristikinformationen, Museen) sowie in den beteiligten Einrichtungen selbst ausliegen. „Die Broschüre ist ein Meilenstein – aber es wird weitergehen“, betonte Kirsten John-Stucke, Leiterin des Museums Wewelsburg. Veranstaltungen seien zwar zurzeit schwierig – so mussten zwei der drei geplanten Exkursionen ausfallen – aber man plane weiter.

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