Neue Impulse und Geschichten

Plattdeutsch-Arbeitskreise treffen sich zum Gedankenaustausch in Padberg

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Plattsprecher aus dem Waldecker Raum bereichern mittlerweile die Sauerländer Runde.

Padberg. „Die Plattdeutsche Familie wird immer größer“, freute sich Markus Hiegemann von der Hochsauerlandwelle. Zum Gedankenaustausch trafen sich länderübergreifend rund 20 Leiter von regionalen Plattdeutsch-Arbeitskreisen sowie weitere Plattdeutsch-Sprecher aus Eslohe, Olsberg, Brilon und Marsberg sowie aus dem Waldecker Raum (unter anderem Willingen, Rhoden, Diemelsee und Benkhausen) am Vortag des ersten Advent im Padberger Heimatstübchen von Ortsheimatpfleger Norbert Becker. Zugleich galt es, die Weihnachtssendung von „Do biste platt“ vorzubereiten.

In beengter, aber gemütlicher, vorweihnachtlicher Atmosphäre – Mitglieder vom „Team Heimat“ des Fördervereins Ring Padberg hatten Waffeln, Kuchen und belegte Brötchen aufgefahren – lernte man sich gegenseitig kennen und stellte schnell fest, dass man viele Erfahrungen teilt und häufig vor ähnlichen Herausforderungen steht: Ob die Erstellung von plattdeutschen Wörterbüchern, die schriftliche Dokumentation von grammatikalischen Formen, Tonaufnahmen von authentischen Sprechern oder die Weitervermittlung an die nächste Generation: die Freunde des Plattdeutschen sind vielseitig engagiert.

Gastgeber Becker wies darauf hin, dass die bekannte Sauerländer Mundart-Dichterin Christine Koch lange Jahre in Padberg Lehrerin gewesen sei; sein eigener Vater habe sie noch kennengelernt. Zudem berichtete er über die Arbeit vom Team Heimat, dem es gelungen sei, mittlerweile rund 30.000 Dokumente einzuscannen. Heimischer, als an diesem geschichtsträchtigen Ort und umgeben von musealen Gerätschaften und historischen Fotos, hätten sich die Mundartfreunde also kaum fühlen können.

Franz Schrewe, Brilons Ehrenbürgermeister und Leiter des plattdeutschen Arbeitskreises im Briloner Heimatbund „Semper Idem“, erinnerte an die ersten Treffen seines Arbeitskreises, der schon seit zirka 40 Jahren aktiv ist. Er wusste von Ecken im Altkreis, wo auch noch junge Leute Platt sprechen. Im Allgemeinen, so stellte er fest, werde es dennoch schwer sein, die Mundart an die nachfolgende Generation weiterzugeben. Sporadische Initiativen dazu gibt es, in Form von schulischen Arbeitsgemeinschaften, wie der Platt-AG an der Niedermarsberger Grundschule am Burghof – demnächst auch in Giershagen. Die Plattdeutsch-Sprecher wünschten sich, dass dieses Beispiel „Schule“ mache. So gebe es bereits Gespräche, an allen Naturparkschulen des Naturparks Diemelsee, Platt als Unterrichtsfach einzuführen.

Hoffnung machte auch Hiegemann: Seine Radiosendung „Do biste platt“ werde zum Beispiel auch von vielen Jüngeren gerne gehört.

Ein anderes Gesprächsthema waren die kleinen, aber dennoch deutlichen Unterschiede innerhalb des Sauerländer/Waldecker Platt. „Selbst von einem Ortsteil zum Nachbardorf hört man schon einen anderen Tonfall“, erklärte Schrewe. Die Anwesenden nickten zustimmend – und tauschten sogleich zahlreiche Lautvarianten ihrer jeweiligen Dialekte aus.

So viel wie möglich sprechen

Aber auch in der Grammatik gebe es unterschiedliche Strukturen, bei der Beugung von Verben, zum Beispiel, wusste Dr. Werner Beckmann. Der Cobbenroder, der das Sauerländer Mundartarchiv leitet, gilt in Fachkreisen als „Papst“ des Plattdeutschen. Er ist überzeugt, dass grammatikalisch Niederdeutsch sehr viel komplexer ist als Hochdeutsch. Bei der Neuentwicklung, beziehungsweise Überarbeitung, von Wörterbüchern sollen zukünftig solche Varianten, aber auch unterschiedliche grammatikalische Formen, aufgeführt werden.

„Tonaufnahmen sind das Allerwichtigste“, steuerte Beckmann weiterhin bei – und so viel wie möglich Dialekt zu sprechen, denn „Sprache kommt vom Sprechen.“ Den Älteren empfahl er, mit den Kindern und Enkelkindern Platt zu sprechen, auch wenn diese das nicht verstünden. Etwas bleibe immer hängen und allmählich gewöhnten sie sich an den Tonfall. Karl-Heinz Behle, Leiter des Diemelseer Arbeitskreises Plattdeutsch im Waldecker Geschichtsverein, berichtete, dass sie sogar schon mundartliche Gottesdienste veranstaltet hätten. „Plattdeutsch ist keine Witzchen-Sprache – man kann mehr machen, als nur Dönekes erzählen“, griff Hiegemann die Anregung auf. Gleichzeitig bedauerte er, dass es noch zu wenige Liedermacher gebe, welche auf platt texten und singen.

Tonaufnahmen von Geschichten und Texten

Der zweite Teil des Nachmittags war Tonaufnahmen von Geschichten und Texten für den weihnachtlichen Radiobeitrag gewidmet. Den Anfang machte Schrewe mit einem Bericht des 1885 in Scharfenberg geborenen Franz Rinsche, wie dieser seinerzeit die Weihnachtszeit erlebte. Ausgestrahlt wird die von Markus Hiegemann moderierte Sondersendung „Dai Plattduitske Kristdaag 2017 im Suerland – 15 Jahre plattdeutsche Weihnacht im Sauerland“ am 25. Dezember von 19 bis 21 Uhr von der Hochsauerlandwelle über Radio Sauerland.

Am 6. Mai 2002 ging man erstmals auf Sendung - dabei waren die mittlerweile verstorbene Johanna Balkenhol, Karl-Heinz Schreckenberg und Eckhard Stoll.

Im Stübchen des Heimatpflegers Norbert Becker (hi. 2.v.re.) trafen sich die Freunde des Plattdeutschen. 

Dass den Mundartfreunden auch nach 15 Jahren noch nicht das Sendematerial ausgeht, liege vor allem daran, so Hiegemann, dass immer wieder neue Sprecher, neue Orte, beziehungsweise ganze neue Regionen dazu kommen, wie zuletzt die Sprecher aus dem Waldeckischen Raum. So werde von Cobbenrode über Körbecke bis Korbach mittlerweile regelmäßig am Montag das Radio eingeschaltet, für die seiner Meinung nach einzige Plattdeutsche Radiosendung in ganz Nordrhein-Westfalen.

Für die diesjährige Sondersendung werden neben den am Samstag in Padberg aufgenommenen Beiträgen aus Brilon, Marsberg, Olsberg und dem Waldeck auch Stimmen zu hören sein, die Hiegemann in Körbecke und Eslohe aufzeichnet.

Info: Weitere Informationen und Sendepläne sind im Internet unter: www.facebook.com/Hochsauerlandwelle und auf www.sauerland.gmxhome.de zu finden. Kooperationspartner der Sendung sind der Arbeitskreis Mundartpflege Briloner Heimatbund „Semper idem“, der Plattdeutsche Arbeitskreis der Kolpingsfamilie Eslohe, Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit sowie der Arbeitskreis Plattdeutsch des Heimatbunds Olsberg.

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