Haben Kloster eine Zukunft?

Ökumenischer Neujahrsempfang stellt Ordensgemeinschaften in den Mittelpunkt

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Nach einem stimulierenden Gottesdienst und einer stärkenden Suppe standen Fragen an die eingeladenen Ordensschwestern und Brüder im Fokus des ökumenischen Neujahrsempfangs.

Marsberg. Ein nicht ganz alltägliches Thema, aber eines, zu dem sich für Christen immer wieder Berührungspunkte ergeben, hatten die Organisatoren zum Schwerpunkt des ökumenischen Neujahrsempfanges der evangelischen und katholischen Kirche in Marsberg gemacht, in dem sie nach der Zukunft klösterlicher Gemeinschaften fragten.

Eingestimmt wurden die Gemeindemitglieder durch einen ökumenischen Gottesdienst, geleitet von Propst Meinolf Kemper und Pfarrer Markus Pape. Ein Projektchor aus Sängern des Evangelischen Kirchenchors und des Marsberger Kammerchors sorgte unter der Leitung von Thorsten Seidemann gemeinsam mit Organist Michael Gumenjuk für die musikalische Begleitung.

In der Lesung wurde das Thema Ehestand angesprochen, mit seinen Anforderungen und Herausforderungen – Fragen, mit denen sich auch Brüder und Schwestern vor ihrem Eintritt in ein Kloster auseinander setzen müssen: Wollen sie eine Familie gründen – oder sich ganz der religiösen Berufung widmen? Welche Verpflichtungen gehen sie damit ein? Leben sie noch in einer Zeit, in welche eine derartige Verbindlichkeit passt?

Warum zieht man das Klosterleben vor?

Der Benediktinermönch Vincent aus der Abtei Königsmünster in Meschede und Schwester Marika von der Diakonissen-Kommunität Zionsberg in Scherfede berichteten, wie sie diese Frage jeweils ganz persönlich für sich beantwortet haben. Als beim anschließenden Empfang in der Alten Propstei zum gemeinsamen Gespräch aufgerufen wurde, lautete eine der ersten Fragen an die Ordensleute, warum man das Klosterleben dem Gemeindeleben vorziehe. Bruder Vincent erklärte, dass man in einer Klostergemeinschaft immer jemanden habe, mit dem man sich über religiöse und theologische Fragen austauschen könne. Zudem gehe es darum, welche Prioritäten jeder Einzelne für sich setzen möchte. „In der Bilanz muss ein Plus stehen“, so Bruder Benjamin, ebenfalls von der Abtei Königsmünster.

Jemand anderes fragte, ob die Entscheidung nicht eine sehr schwierige sei und wie man mit seinen Zweifeln zurecht komme. Darauf entgegnete Schwester Marika, dass auch die Entscheidung für eine Ehe eine gleichermaßen verantwortungsvolle und verbindliche sei. Zudem habe man bei den Diakonissen zunächst eine einjährige Probezeit, das sogenannte Postulat und anschließend bis zur endgültigen Prüfung sieben Jahre Zeit. „Dann sollte man es aber wissen, weil dann der Lack ab ist“, so die Diakonissin. Eine Antwort, die große Heiterkeit hervorrief und deutlich werden ließ, dass auch eine Ordensgemeinschaft keine heile oder perfekte Welt ist. „In erster Linie ist man ein Mensch, mit allen menschlichen Unzulänglichkeiten und Schwächen“, erläuterte Bruder Benjamin.

Ob die Ordensleute in ihrer Abgeschiedenheit nicht zu wenig vom (weltlichen) Leben mitbekommen, wurde ebenfalls gefragt. Die Diakonisse Margot erwiderte daraufhin: „Dieses kommt, mit all seinen Problemen, zu uns ins Haus: Überforderte Mütter, die sich bei uns eine Auszeit nehmen, Jugendliche, die ihren Weg suchen. Unser Haus ist ein Ort der Stille, der Seelsorge und der Gespräche.“ Bruder Benjamin verwies auf das Gymnasium der Benediktiner in Meschede. Es sei aber auch wichtig, als Gemeinschaft zusammenzubleiben und sich nicht durch gesellschaftliche „Fliehkräfte“, wie er es nannte, auseinanderreißen zu lassen. Pfarrer Markus Pape äußerte die Überzeugung, dass Kloster und Gemeinde nicht in Konkurrenz zueinander stünden, sondern einander gegenseitig bedürften.

Etwas, dass viele vorher nicht gewusst haben dürften, war die Tatsache, dass es auch bei den Protestanten Ordensgemeinschaften für Männer – also evangelische Mönche – gibt. Angesprochen wurde zudem die Frage des Nachwuchses. Auf dem Zionsberg leben zurzeit sechs Schwestern. In Königsmünster sind es aktuell 49 Mönche. In beiden Einrichtungen sind Gäste willkommen, kann man „Kommunität auf Zeit“ erleben.

Anstelle des Fragezeichens ein Ausrufezeichen setzen

Auch an die aus Kerala (Indien) stammenden Franziskanerinnen, welche mit ihrer Oberin, Schwester Joji Mary Nedumparampil, seit rund einem Jahr Dienst am Marienhospital tun, hatten die Gemeindemitglieder Fragen. Von ihnen wollte man vor allem wissen, wie sie mit den kulturellen Unterschieden zurecht kommen.

Der thematische Schwerpunkt des Empfangs war in der Einladung in die Worte: „Kloster – Welche Zukunft?!“ gefasst worden. Abschließend sagten Bruder Vincent und Schwester Marika: „Wir beide stehen heute hier dafür, dass man anstelle des Fragezeichens ein Ausrufezeichen setzen kann.“

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