Das Ende ist erst der Anfang

Pastoraler Raum Marsberg nimmt nach dreijährigem Findungsprozess seine Arbeit auf

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Aus 17 wurde Eins: Mit dem Inkrafttreten der Pastoralvereinbarung bildet der Pastorale Raum Marsberg nun formal und inhaltlich eine Einheit.

Marsberg - „Im Namen des Erzbischofs möchte ich Ihnen heute die Pastoralvereinbarung übergeben, die sie geschrieben haben“, erklärte Domkapitular Monsignore Andreas Kurte bei der Eucharistiefeier zur Inkraftsetzung des Pastoralen Raumes Marsberg und hob das Schriftstück in die Höhe.

Die Vereinbarung solle aber nicht ins Regal gestellt werden, sondern nun gelte es, die darin formulierten Rahmenbedingungen mit Leben zu füllen.

Denn es ging nicht nur darum, die einzelnen Gemeinden zu einem Ganzen zu fügen, wie die symbolträchtigen Puzzleteile, welche das neue Kreuz des Pastoralen Raumes bilden, sondern sich als katholische Kirche auch für die Zukunft aufzustellen. „Werden unsere Kinder morgen noch glauben?“ Diese Frage habe nichts von ihrer Aktualität verloren, betonte der Domkapitular zu Beginn seiner Ansprache. Zumal das Bekanntwerden der vielen Missbrauchsfälle zahlreich Menschen ihr Vertrauen in die Kirche habe verlieren lassen. Leider fehle der Katholischen Kirche die Überzeugung, „dass wir neue Christen gewinnen können“, so Kurte. 

Nicht nur im fernen Afrika, sondern auch in Deutschland, ja, auch in Marsberg gelte es, die christlichen Lehren nach außen zu tragen. Das setzt voraus, dass man für sich selbst den Kern der Botschaft ergründet hat. „Christsein besteht darin, dass wir uns immer wieder in die Jüngerschulung begeben“, zeigte sich der Geistliche überzeugt. Wer aber „Jesus in der Mitte hat“, der habe auch die Verpflichtung hinauszugehen und Gott zu verkünden – und dieser Sendungsauftrag gelte nicht nur für Priester und Bischöfe, sondern für alle Christen. Folgerichtig übergab er das Dokument nicht dem Propst, sondern legte es symbolisch in die Hände der Gemeindemitglieder. Der Abschluss des Findungsprozesses ist gleichzeitig ein Beginn – genau so, wie Christkönig, dem an diesem Sonntag im Kirchenkalender die Messe gewidmet ist, als das Ende des Kirchenjahres auf das neue Jahr verweist. 

Vertreter aller 17 Gemeinden übergaben ihre Ortswappen und stellten in kurzen Statements die jeweiligen Besonderheiten ihrer dörflichen Gemeinden dar.

Im Anschluss übergaben Vertreter aller 17 Gemeinden ihre Ortswappen und stellten in kurzen Statements die jeweiligen Besonderheiten ihrer dörflichen Gemeinden dar – und eine jede von ihnen hatte eine besondere Stärke oder Eigenheit vorzuweisen. „Ein dreijähriger Prozess geht erst einmal zu Ende. Es war ein steiniger Weg, aber das gegenseitige Vertrauen ist gewachsen“, blickte Dechant Richard Steilmann zurück. Nun gelte es, dem Neuen eine Chance zu geben, sich zu entwickeln. 

Bürgermeister Klaus Hülsenbeck verglich den Prozess mit der Kommunalreform, welche auf politischer Ebene 1975 erfolgt ist. „Die Gemeinden haben sich besser kennen gelernt, kooperieren und sind auf dem Weg zusammengewachsen“, resümierte der Bürgermeister. Damit sei die Gemeinde bereit für „Kirche 4.0“. „Ohne größere Einheiten geht es nicht in unserer globalen Welt“, beschied Hülsenbeck. Auch Vertreter der evangelischen Kirche waren an dem Prozess beteiligt worden – und erinnerten an diesem Tag daran, wie wichtig die gelebte Ökumene für beide Kirchen ist. Als Anregung gaben sie ihren Glaubensbrüdern die Idee einer „Kinderkathedrale“ mit auf den Weg, eine Initiative, die in Finnland ihren Anfang genommen habe. 

Wie schön, so eine volle Kirche zu haben“ freute sich Propst Meinolf Kemper – und fügte hinzu: „Lasst uns das nächsten Sonntag wieder probieren.“ Dieser Wunsch wird sich vermutlich nicht erfüllen. Aber der Umstand, dass bei diesem Hochfest, mit dem der Pastorale Raum Marsberg nun in aller Form zum Leben erwacht ist, so viele Christen in die Propsteikirche gelockt wurden, zeigt, dass die meisten Gemeindemitglieder ihren Frieden mit dem Umstrukturierungsprozess gemacht haben. Die Arbeitsgruppen, die seit dem Start der Findungsphase im August 2016 die Inhalte der Pastoralvereinbarung herausarbeiteten, haben wesentlich dazu beigetragen. 

Nach dem feierlichen Auszug der Geistlichen, der Messdiener und der Gemeindevertreter, ging es in die Alte Propstei zu einem Imbiss. Domkapitular Andreas Kurte, der im Übrigen familiäre Wurzeln im Marsberger Raum hat, zeigte sich im Anschluss besonders bewegt darüber, dass ihm die Ehre zuteil geworden war, während der Feierlichkeit ein prachtvolles, historisches Gewand zu tragen, welches sonst in der „Schatzkammer“ des Museums der Stadt Marsberg verwahrt wird.

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