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Startschuss für Sprachforschungsprojekt im Altkreis Brilon

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Marsberger und Diemelstädter Plattdeutschsprecher gaben im Archiv der Oesdorfer Ortschronistin Magdalene Breidenbach (3.v.l.) den Startschuss für das Sprachforschungsprojekt im Altkreis Brilon und dem Waldecker Land.
Marsberger und Diemelstädter Plattdeutschsprecher gaben im Archiv der Oesdorfer Ortschronistin Magdalene Breidenbach (3.v.l.) den Startschuss für das Sprachforschungsprojekt im Altkreis Brilon und dem Waldecker Land.

Altkreis Brilon. Im Altkreis Brilon startet ein Forschungsfeld zur Sicherung eines wichtigen Kulturgutes unserer ländlichen Region: die plattdeutsche Sprache. Flächendeckend, also nach Möglichkeit in jeder Ortschaft, wollen die Sprachforscher den Altkreis und grenzübergreifend das Waldecker Land erfassen. Hierzu führen sie mit Gewährsleuten Interviews und vertonen Vokabellisten und Sätze. Geographisch gesehen findet dieser Schritt von Nord nach Süd im gemeinsamen Sprachraum über zwei Bundesländer statt. Die Koordination vor Ort hat der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten“ für beide Gebiete übernommen.

Die Forscher des Sauerlandes und aus Marburg ziehen jetzt „Hand in Hand“ durch das Land. Startschuss war jetzt in Oesdorf im Archiv der Ortschronistin Magdalene Breidenbach. Hier hatten sich Marsberger und Diemelstädter eingefunden, um von Sprachforscher Dr. Werner Beckmann über das Plattdeutsche befragt zu werden. Beckmann ist unter anderem in Bundesorganisationen, in der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung, als Mitglied der Fachstelle Niederdeutsch im Westfälischen Heimatbund und als Leiter des Sauerländer Mundartarchivs tätig.

Als Erstes führte Beckmann mit Barbara Meyer-Ramme aus Marsberg in ihrer Meerhofer Muttersprache das rund eine Stunde dauernde Interview zur eigenen Lebensgeschichte durch. Auf Platt versteht sich. Über die Kind- und Schulzeit, Bräuche, Traditionen, Feste, Kirchliches, Veranstaltungen, bis hin zur Berufs- und Arbeitswelt wird nicht nur das Plattdeutsche hierbei aufgezeichnet, sondern auch eine ganze Menge örtliche Volkskunde, Kultur und Geschichte dokumentiert.

Nach dem plattdeutschen Interview werden auf Hochdeutsch Begrifflichkeiten und Vokabeln vorgesprochen und die plattdeutsche Gewährsfrau musste diese in ihrem örtlichen Mundart-Dialekt wiedergeben. Das Gleiche folgte später mit Sätzen, den sogenannten „Wenker-Sätzen“, nach anerkanntem Sprachforschungsstandard.

Weitere Ortstermine stehen schon fest

Auf Barbara Meyer-Ramme folgten die Diemelstädter Sprecher Karl Heinemann und Karl-Heinz Vahle. Ortschronistin Magdalene Breidenbach und Josef Wiegers, beide aus Oesdorf, waren ebenfalls mit von der Partie.

Weitere Ortstermine im Marsberger, Briloner, Diemelstädter, Volkmarser und Arolser Raum sind terminiert. In der Zwischenzeit wertet Dr. Beckmann die Aufzeichnungen aus und verschriftlicht diese ins Plattdeutsche und in einem weiteren Schritt als Gegenüberstellung ins Hochdeutsche. Auch filtert er besondere, örtliche Begrifflichkeiten aus dem Interview für Wörterbücher heraus. In weiteren Forschungsetappen durchleuchtet er unter anderem die Varietäten im Gespräch, also in welcher Situation, falls dieses in einem Interview vorkommen sollte, ein Plattsprecher aus Versehen ins Hochdeutsche verfällt.

Info: Für weitere Interviewtermine sucht der Koordinator für den Altkreis Brilon und das Waldecker Land, Andreas Karl Böttcher, noch plattdeutsche Sprecher. Er ist unter Tel. 0151/15 81 53 61 oder unter info@Marsberger-Geschichten.de zu erreichen.

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