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Robert Fockens historischer Roman hat die Eresburg zum Schauplatz

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Von: Kristin Sens

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Mit einem Angriff auf Korbach beginnt – wie bei der hier gezeigten, 2013 nachgestellten Schlacht der Padberg-Korbacher Fehde von 1413 – nur nochmals grob 600 Jahre früher, nämlich zur Zeit Karl des Großen, die Romanhandlung von Robert Fockens zweitem Band der Arnulf-Saga. Archivfoto: Kristin Sens
Mit einem Angriff auf Korbach beginnt – wie bei der hier gezeigten, 2013 nachgestellten Schlacht der Padberg-Korbacher Fehde von 1413 – nur nochmals grob 600 Jahre früher, nämlich zur Zeit Karl des Großen, die Romanhandlung von Robert Fockens zweitem Band der Arnulf-Saga. © Archivfoto: Kristin Sens

Marsberg. „Diese Gegend hier ist brutal geschichtsträchtig. Gerade das Dreieck zwischen Externsteinen, Kassel und Obermarsberg ist Ende des achten Jahrhunderts ein fantastischer Schauplatz.“ Diese Einsicht hat Robert Focken bewogen, ein historisches Romanwerk zu verfassen, das die Zeit Karl des Großen thematisiert und primär in der Region von Ostwestfalen bis Nordhessen spielt. Die Eresburg – das heutige Obermarsberg – ist einer seiner Hauptschauplätze. Im Dezember ist der zweite Band erschienen: „Arnulf – das Schwert der Sachsen“.

„Als Jugendlicher war ich viel mit dem Fahrrad unterwegs, auch mal so zwei, drei Tage, mit Isomatte zum Schlafen, wie man das damals machte. Dabei lag Obermarsberg gerade so in meinem Radius“, erzählt Robert Focken. 1963 in Holzminden bei Höxter geboren, liebt er es, in seiner Heimat umher zu streifen. Gleichzeitig ist ihm das Interesse an spannenden Geschichten und Mythen durch seine Mutter mit in die Wiege gelegt worden. „Meine Mutter liebte die griechische Antike –die ,Ìlias und Odyssee’ von Walter Jens gehörte zu unseren meistgelesenen, meistgespielten Kinderbüchern“, schreibt er auf seiner Webseite.

„Wie Jungen so sind, habe ich mir an Orten wie den Externsteinen oder wenn ich an Burgen vorbeikam, herrliche Kämpfe ausgedacht“, erzählt Focken. Nach Schule, Engagement als Zeitsoldat, Geschichtsstudium und Volontariat bei einer Tageszeitung wurde ihm plötzlich klar, dass die ganzen bedeutenden historischen Ereignisse, über die er las – die Sachsenkriege, Kaiser Karl und Widukind – genau in seiner Heimat angesiedelt waren. „Es war faszinierend zu erfahren, dass dies die Gegend war, wo man selbst als Jugendlicher ,rumgestolpert’ ist“, erinnert sich Focken. Mit dem durch das Studium erworbenen intellektuellen Hintergrund bereiste er die Gegend erneut, nun gezielt.

Robert Focken ist fasziniert von der Geschichtsträchtigkeit seiner Heimat Westfalen.
Robert Focken ist fasziniert von der Geschichtsträchtigkeit seiner Heimat Westfalen.

Die Idee zu einem historischen Roman keimte, doch Gelegenheit zur Umsetzung hatte er erst viel später, denn inzwischen war er in der Finanzindustrie „gelandet“ und in die Nähe von Frankfurt gezogen.

2015 erschien der erste Teil unter dem Titel: „Arnulf. Die Axt der Hessen“, damals noch im kleineren Acabus Verlag. Die Handlung ist überwiegend in Nordhessen angesiedelt, auch Obermarsberg kommt darin schon als Schauplatz vor.

Der zweite Roman, der voriges Jahr im Dezember beim Heyne Verlag erschien, beginnt mit einem Überfall der Sachsen auf die Siedlung Korbach. Grob die Hälfte der Handlung spiele auf der Eresburg und im Umland, so Focken. Dazu habe er sich die hiesige Topographie nochmals genau angeschaut.

In seiner Romanreihe benutzt er die „echten“ historischen Akteure Karl den Großen und seinen Gegenspieler Widukind wie Figuren auf dem Schachbrett. „Das sind die Könige – die sind gesetzt“, erklärt er.

„In der Schlacht hat man brutale Angst“

„Die Läufer und Springer bringe ich da rein. Das sind erfundene Figuren, fiktional ausgeschmückt, die teilweise aber auch historische Vorbilder haben.“ Wichtig ist es ihm, keine Klischees zu bedienen, sondern echte, komplexe und wandelbare Charaktere zu entwickeln, die nicht einfach in „Gut“ und „Böse“ einzuteilen seien.

Dass es in dem Roman auch durchaus sehr blutig zugeht, ist wohl der Zeit geschuldet. Schlachten werden ungeschönt in ihrer ganzen Brutalität dargestellt. Dabei geht es ihm weniger um Kriegstaktiken als um das Gefühlsleben. der Kämpfenden. Die Authentizität verdankt sich dabei zum guten Teil auch Fockens eigener Erfahrung als Soldat: „Krieg ist ein Ausnahmezustand. Bei Todesgefahr ist kaum rationales Denken mehr möglich. Man hat brutale Angst.“ Diese münde in einer „Kampfseele“, die „normale“ Menschen quasi zu Berserkern macht.

Spannung ist für ihn wichtig: „Ich will, dass die Leser mitfiebern.“ Die Dramatik der Romanhandlung ergibt sich hauptsächlich aus der Konstellation, dass der Titelheld Arnulf ausgerechnet die Schwester seines großen Feindes liebt: Erika.

Literarische Vorbilder waren ihm Autoren wie Bernard Cornwell, auf den er durch einen Freund stieß. Im deutschsprachigen Raum habe er wenig Reizvolles gefunden, dort seien die Protagonisten oft Magierinnen oder Hexen gewesen. Er wollte aber mit maskulinen Geschichtsfiguren spielen.

Ironischerweise hat einer seiner wichtigsten Figuren –nach der historischen Figur von Kaiser Karls Chronisten Einhard modelliert – wenig von einem „Haudegen“. Focken selbst beschreibt ihn so: „Einhard ist eigentlich ein Pazifist, ein intellektueller Typ. Als Kommandant auf der Eresburg eingesetzt, findet er sich jedoch ,am Rande der Zivilisation’, Barbaren gegenüberstehend, wieder. Er wird letztendlich gezwungen, ein Schwert in die Hand zu nehmen. Es ist eine Geschichte der kompletten Selbstüberwindung.“ Durch den Charakter Einhard gelinge dem heutigen, im Grunde friedfertigen Leser, ein Blick wie durch ein Schlüsselloch in die damalige, sehr viel härtere Zeit, erläutert Focken.

Seine weiblichen Protagonisten sind oft bewundernswerte, energische Frauen, wie Erika oder Bertrada zum Beispiel, die Mutter Karl des Großen. „Ich bin ein Fan von starken Frauen. Sie sind viel interessanter“, sagt Focken verschmitzt. „Was ich bei vielen historischen Romanen vermisse, ist die politische Dimension“, erklärt er weiter. So hat bei Focken das Aufeinandertreffen verschiedener Temperamente stets politische Auswirkungen.

Auch die preisgekrönte US-Serie „Game of Thrones“ (dt. Spiel der Throne), die auf der Romanreihe „A Song of Ice and Fire“ (dt. Das Lied von Eis und Feuer) von George R. R. Martin basiert, hat ihn inspiriert. Aber bei der fünften, sechsten Staffel sei er ausgestiegen: „Da wurde es mir zu fantastisch“, gesteht er. Seine Romane sind fiktiv, aber der historischen Realität verpflichtet. Gut zu recherchieren, hat er als Historiker gelernt. Sehr genau studiert hat er die Reihe „Frühe Burgen in Westfalen“. Vor allem das Kartenwerk sei für ihn sehr nützlich gewesen.

Obermarsberg als Zentrum der Welt

„Obermarsberger, ihr seid wichtig – das ist, kurz gesagt, die Botschaft meines Buches. Obermarsberg war schon Zentrum der Welt, als es noch kein Berlin, kein Hamburg gab“, betont Focken. Das Historische Museum der Stadt Marsberg in Obermarsberg hat er noch nicht besucht. „Aber das werde ich bestimmt noch machen“, verspricht er. Auch zu einer Lesung würde er gerne einmal nach Marsberg kommen. Derweil geht die Geschichte um Arnulf weiter: Geplant sind noch mehrere Bände. „Ich habe mich doch gerade erst warm geschrieben“, verrät Focken.

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