„Fast aussichtslose Lage“

Roman „Der Schwedenstein“ führt in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Marsberg Rudolf Gödde Schwedenstein Roman Obermarsberg
+
Der Marsberger Rudolf Gödde ließ 1936 in seinem historischen Roman „Der Schwedenstein“ die Geschehnisse im Dreißigjährigen Krieg lebendig werden. Nun ist das Buch neu aufgelegt worden.

Die Stadt Obermarsberg war während des Dreißigjährigen Krieges eine bedeutende Festung. Der Marsberger Rudolf Gödde ließ 1936 in seinem historischen Roman „Der Schwedenstein“ die Geschehnisse zwischen Paderborn und Kassel, Brilon und Arnsberg wieder lebendig werden. Nun ist das Buch neu aufgelegt worden.

Obermarsberg – Im Mittelpunkt der Geschichte steht die alte und von den „Kaiserlichen“ damals zur Festung ausgebaute Stadt Obermarsberg. Die nachweisbaren historischen Fakten hat Rudolf Gödde mit in seine Erzählung eingebaut. Der Marsberger Reinhard Kloke ist - neben anderen fiktiven und historischen Personen - in dem Roman eine der tragenden Gestalten. Zum Gedenken an ihn ist seit alters her in Obermarsberg der sogenannte Schwedenstein gesetzt, der auch dem Buch den Titel gab. Auf ihm ist als Inschrift zu lesen: „Anno 1645 den 26. Juni ist der ehrbare Reinhard Kloke, allhier ein ehrbarer Mitbürger, an diesem Orte von den Schweden erschossen worden. Gott sei seiner Seele gnädig.! Renovata1867.“ Spürbar ist in diesem Buch die bedrohliche, fast aussichtslose Lage der Stadt und die dennoch auf Verteidigung eingestellte Stimmung der Bevölkerung. Die benachbarte Stadt Warburg ist schon lange gestürmt und besetzt. Paderborn hat der schwedische Feldmarschall Karl Gustav Wrangel sturmreif gemacht und zieht nun mit seinen Schweden gegen Obermarsberg. Die Städte sind der modernen Waffentechnik mit Pulver und Kanonen nicht gewachsen.

Andreas Kloke, ein Nachfahre des besagten Reinhard Kloke, hat das Buch überarbeitet, mit Bildern versehen und einige Bemerkungen zur Neu-Ausgabe 2020 angefügt. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass das Buch nun zum zweiten Mal veröffentlicht wird. „Wenn man älter wird, dann wird die eigene Familiengeschichte interessant“, erklärt der 66-Jährige, der heute in Berlin lebt. In Bad Lippspringe geboren, ging Kloke in Paderborn zur Schule. Sein Urgroßvater war 1871 von Marsberg nach Paderborn gezogen, erzählt er. Er selbst war nie in Marsberg; im Zuge seiner Familienforschung besuchte er vor rund sieben Jahren erstmals die Stadt an der Diemel: „In Marsberg gibt es viele historisch interessierte Menschen, daher findet man hier auch viel Material.“ Dabei stieß er auch auf den Roman von Rudolf Gödde. Dass es da einen Vorfahren von ihm gibt, der in einem historischen Roman auftaucht, weckte seine Neugierde. Das Buch war aber nicht mehr erhältlich. Lediglich im Archiv war noch eine Kopie vorhanden. Jahre später nahm er einen neuen Anlauf und kam mit Obermarsbergs Ortsheimatpfleger Hermann Runte in Kontakt. In ihren Gesprächen entwickelte sich die Idee, das Buch nochmal aufzulegen.

Es ist ein anerkennenswertes Amateurwerk.

Andreas Kloke

„Es ist ein anerkennenswertes Amateurwerk“, charakterisiert Kloke das Buch. Wie bei historischen Romanen üblich, mischen sich historisch belegbare Fakten und Figuren mit dem Stoff von Legenden und der Phantasie des Autors. Rudolf Gödde war kein Historiker, sondern ein Berufsschullehrer, der Steuerrecht unterrichtete, hat Kloke herausgefunden. Was diesen in den 30er Jahren zu dem Buch motivierte, darüber kann auch er nur spekulieren: „Ich denke, dass Gödde noch nicht so klar war, was kommt, sondern dass er eher Bezug auf den Ersten Weltkrieg genommen hat. Für Marsberg ist die Zeit des 30-jährigen Krieges ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte und vermutlich ging es Gödde darum, diese interessante Zeit wieder zugänglich zu machen.“ Sein eigener Antrieb war viel persönlicher, erklärt Kloke: Er wollte etwas über seine Familiengeschichte erfahren. Inzwischen sei der Roman aber sogar schon in den USA und England verkauft worden, freut er sich.

„Der Schwedenstein“

Herausgeber des Buches ist der Förderverein Historisches Obermarsberg. Das Buch ist für 12 Euro in den Buchhandlungen als „Book on Demand“ erhältlich. Der Erlös kommt im vollen Umfang dem Verein Historisches Obermarsberg zugute, für diesen sind keinerlei Kosten entstanden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare