Kirchenmusiker nehmen Konzert in der Propsteikirche auf

Sakristei als Tonstudio

Jana Telgenbüscher, Sebastian Freitag, Matthias Kieslich und Sebastian Palzhoff versichern: Trotz konzentrierter Arbeit kommt der Spaß nicht zu kurz. Foto: Kristin Sens

Sebastian Freitag ist in Marsberg kein Unbekannter: Schon des Öfteren hat der Paderborner Dekanatskirchenmusiker in der Propsteikirche die Orgel zum Klingen gebracht.

Dabei wurde auch Kantor Ulrich Eilebrecht bewusst, welch ein einmaliger, musikalischer Genuss dies war. Aber eben nur einmalig: Nun hat sich der Kantor mit drei Studenten beziehungsweise Absolventen der Hochschule für Musik in Detmold zusammengesetzt – neben dem Organisten Freitag sind die Cellistin Jana Telgenbüscher sowie die beiden Tonmeister Matthias Kieslich und Sebastian Palzhoff dabei – um diesem flüchtigen Klangerlebnis mehr Nachhaltigkeit zu verleihen.

Drei Tage lang waren sie in der Propsteikirche damit beschäftigt, Kirchenmusik von Karl Höller bis Max Bruch aufzunehmen, um sie als CD herauszubringen.

„Alle, die hier konzertieren, loben die Räumlichkeit“, erklärte Eilebrecht. „Das wollen wir einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und somit den musikalischen Standortfaktor in Marsberg voranbringen.“ Der Erlös der CD soll, nach Abzug der von der Sparkassenstiftung vorfinanzierten Produktionskosten von 5.000 Euro, ebenfalls der Stadt zugutekommen. Angedacht ist der Aufbau einer Kindersingschule und einer Jungorganisten-Ausbildung.

Damit diese Rechnung aufgeht, soll die Aufnahme, von einem kleinen Booklet begleitet, unter einem professionellen Label erscheinen und durch Präsentationskonzerte, Internet und Fachzeitschriften entsprechend überregional vermarktet werden.

Orgel ist facettenreich und universal

Freitag schwärmte von dem Instrument, dass er in Marsberg zur Verfügung hat: „Im Verhältnis zu ihrer Größe ist diese Orgel sehr facettenreich und universal. Vom Barock bis zur Gegenwart kann man alles auf ihr spielen.“ Sie verfügt über modernste Technik und ist reich an Klangfarben. Damit diese richtig zur Geltung kommen, ist das Zusammenspiel mit der Räumlichkeit wichtig, erklärte Kieslich. Und dies sei in der Marsberger Kirche optimal gelöst: „Die Orgel steht günstig, um ihre Klangentwicklung zu entfalten.“ Das Kirchengewölbe und die Säulen sorgen zudem für einen ebenmäßigen, langen Nachhall. „Auch das Cello kommt gut zur Geltung“, lobte der Tonmeister. Keines der beiden Instrumente soll nur eine begleitende Rolle spielen. „Beide sind gleichwertig“, betonte Freitag.

Das machte die Auswahl der Stücke nicht ganz einfach. Herzstück der Aufnahme werden die rund zwanzigminütigen Improvisationen zu Karl Höllers (1907-1987) „Schönster Herr Jesu“ sein. Cello und Orgel sind nicht oft zusammen zu hören, so der 28-Jährige. Die Cantabile von César Franck (1822-1890), die sie im Repertoire haben, sei zum Beispiel ein echtes Novum, möglicherweise sogar eine Ersteinspielung.

Telgenbüscher – die ebenfalls aus Paderborn stammt – und Freitag proben schon seit mehreren Monaten zusammen. „Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung, ich habe noch nie mit einer Orgel zusammengespielt“, erklärte die 22-jährige Cellistin, die für die Aufnahme zusammen mit dem Organisten auf der Empore sitzt. Um sie herum ist eine ganze Batterie von Mikrofonen platziert, neun weitere sind im Kirchenschiff verteilt. Das Hauptsystem wird von einem fast zehn Meter hohen Stativ getragen und befindet sich somit in Höhe der Orgel. Die beiden Tonmeister haben sich in der Sakristei mit ihrer ganzen Technik eingerichtet. „Es ist ein großes Privileg, dass wir den Raum nutzen dürfen“, sind sich die Musiker bewusst. Von dort aus können sie über eine Videokamera die beiden Ausführenden auf der Empore sehen.

Aufnahmen bis tief in die Nacht

„Das ist sehr hilfreich, weil wir so zum Teil die Ursachen störender Nebengeräusche, wie sie zum Beispiel beim Umblättern einer Seite entstehen, gleich erkennen können“, erklärte Kieslich. Insgesamt, so haben die Musiker festgestellt, gibt es wenig akustische Störungen. „Die Kirche ist wahrlich ein Ort der Stille“, freute sich auch der Kantor.

Jeden Tag dauern die Aufnahmen vom späten Nachmittag bis tief in die Nacht hinein. „Für ein 20-minütiges Stück rechnen wir so mit drei bis vier Stunden Aufnahmezeit“, erklärte Kieslich. Als Energiereserve liegt eine Tafel Schokolade bereit. „Trotz aller Konzentration geht es aber bei uns eigentlich ganz locker zu“, versicherte Telgenbüscher.

„Es macht total Spaß.“ Die anderen nicken zustimmend. An einem Nachmittag waren sie zum Fotoshooting unterwegs – auf dem Bilstein und vom Dach des Krankenhauses aus haben sie sich für die CD und das Booklet in Szene gesetzt. Schließlich wird die CD auch zur Förderung ihrer jungen Musiker-Karrieren hilfreich sein.

Am 24. Oktober haben die Marsberger das Privileg, bei einem Präsentationskonzert zu den ersten zu gehören, welche die CD der jungen Kirchenmusiker erwerben und sie zudem live erleben können. (Weitere Aufführungsorte sind in Planung.)

Die Orgel

Die Orgel in der St.-Magnuskirche verfügt über 32 Register und damit 2061 Pfeifen. Sie wurde von den Orgelbauern Fischer und Krämer gefertigt und 2009 eingeweiht. Möglich wurde ihre Anschaffung durch die Initiative eines eigens gegründeten Orgelbauvereins, dem heutigen Förderverein Fischer + Krämer – Orgel in St. Magnus. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Pflege, Wartung und Unterhaltung der Orgel ideell und finanziell zu unterstützen. Zu diesem Zweck und um möglichst vielen Menschen das Klangerlebnis der Orgel zugänglich zu machen, veranstaltet der Förderverein regelmäßig Konzerte. (Von Kristin Sens, marsberg@sauerlandkurier.de)

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