1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Marsberg

Seit 30 Jahren im „Rück-Zug“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Kirchturm von Beringhausen kündigt es an: Dem Eilzug von Aachen nach Braunschweig haben die letzten Stunden geschlagen. Am Samstag, 2. Juni 1984, erfolgte die letzte Fahrt. Damit hatte auch das zweite Streckengleis (rechts) ausgedient.  Foto: Rolf Hahmann, Bahn-Archiv.
Der Kirchturm von Beringhausen kündigt es an: Dem Eilzug von Aachen nach Braunschweig haben die letzten Stunden geschlagen. Am Samstag, 2. Juni 1984, erfolgte die letzte Fahrt. Damit hatte auch das zweite Streckengleis (rechts) ausgedient. Foto: Rolf Hahmann, Bahn-Archiv.

Vor fast auf den Tag genau vor 30 Jahren wurde auf der Oberen Ruhrtalbahn ein Fahrplan gültig, der den Eisenbahnverkehr im östlichen Sauerland stark ausbremste.

Der Bredelarer Benedikt Klaucke, unmittelbar an der Bahnstrecke wohnend und sehr interessiert an der Historie der Bahnstrecke, stieß bei seinen Recherchen zu diesem Ereignis auf überraschende Zusammenhänge.

„Mit dem Sommerfahrplan, der am 3. Juni 1984 in Kraft trat,“ erläuterte Klaucke, „wurden im Streckenabschnitt der Oberen Ruhrtalbahn zwischen Brilon-Wald und Warburg für drei einschneidende Veränderungen die Weichen gestellt.“

Die erste war der Rückbau der knapp 140 Kilometer langen Oberen Ruhrtalbahn von Schwerte nach Warburg, die ursprünglich als durchgängig zweigleisige Hauptbahn das Sauerland passierte. Nachdem ab 1968 zwischen den benachbarten Bahnhöfen Bredelar und Marsberg sowie Scherfede und Warburg auf 17 Kilometern der eingleisige Zugbetrieb erprobt worden war, erfolgte 1984 die Ausweitung der Eingleisigkeit auf den gesamten östlichen Streckenabschnitt zwischen Brilon Wald und Warburg. Dies hatte zur Folge, dass flexible Zugfahrten nicht mehr möglich waren und zusätzliche Züge sich nur noch bedingt in den Fahrplan aufnehmen ließen. Verspätet sich ein Zug, wirkt sich das unmittelbar auf den Gegenzug aus. In Marsberg, wo sich aufgrund der Ausweichmöglichkeit die Züge im Bahnhof planmäßig begegnen, kennt man diese Einschränkung. Wenn ein Zug auf den Gegenverkehr wartet, wird sowohl von den Fahrgästen als auch von den Autofahrern oftmals viel Geduld verlangt.

Die zweite Veränderung war der Rückzug der Bahn aus der Fläche. Denn an jenem 3. Juni wurde zudem der Personenverkehr auf der 49 Kilometer langen Strecke Scherfede – Holzminden eingestellt. Als überregionale Verbindungsbahn für Fernzüge bot diese Route zusammen mit der Oberen Ruhrtalbahn bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Richtung Osten eine attraktive – und auch die kürzeste –Verbindung zwischen dem Rheinland und Berlin. (Nach dem Krieg wurde diese Verbindung aufgrund der innerdeutschen Teilung gekappt und ab Goslar nach Braunschweig umgeleitet.) Die Hauptbahn wurde dadurch zur Nebenbahn degradiert.

Aus diesem Zusammenhang ergibt sich auch die letzte Konsequenz, dem Wegfall von Verbindungen: „Seit dem besagten 3. Juni ist die legendäre Fernverbindung zwischen Aachen und Braunschweig (vormals Berlin) über das Sauerland Geschichte“, so Klaucke.

Welche Auswirkungen der Wegfall dieser Fernverbindung noch heute hat, lesen Sie auf ffi Seite 2 (Von Kristin Sens, marsberg@sauerlandkurier.de)

Auch interessant

Kommentare