Wertgeschätzt und ernstgenommen

Sekundarschüler trainieren Bewerbung unter realen Bedingungen

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Lehrerin Andrea Bannenberg berät die Schüler Luca Gerke, Madeleine Berke und Niklas Behre (v.l.) beim Aussuchen ihres nächsten Interviewpartners.

Marsberg – Fröhliches Lachen und strahlende Gesichter: Im Bürgerzentrum tummeln sich an diesem Vormittag circa 110 Schüler – alle vier Klassen der Jahrgangsstufe 9 der Sekundarschule Marsberg. Sie kommen gerade von einem Bewerbungsgespräch oder warten auf das nächste Interview.

Von der sonst üblichen Nervosität, die eigentlich jeder vor einem solchen Gespräch hat, ist hier nichts zu spüren. Warum auch: Denn das ist „Ready, Steady, Go“ – das Bewerbungsspiel welches die Ortsgruppe der Gewerkschaft IGBCE jedes Jahr Schülern kurz vor ihrem Schulabgang anbietet. 

Die Bewerbungen dienen nur der Übung und dem Training. Das Besondere daran: Die Schüler sitzen „echten“ Unternehmensvertretern gegenüber. „Es läuft sehr gut. Es herrscht eine herzliche Stimmung und wir werden bestens versorgt“, lobt Lehrer Johannes Heller die Organisation. „Die Schüler fühlen sich sehr wertgeschätzt, es ist immer ein Ansprechpartner da und wir bekommen nur positive Rückmeldungen“, erklärt seine Kollegin Britta Brodrück. 

Um die 18 Marsberger Unternehmen und Einrichtungen – von der Versicherung, über die Industrie zum Handwerk und vom Kindergarten über die Stadtverwaltung bis zum Gesundheitssektor – beteiligen sich in diesem Jahr. Vertreten sind auch das Berufskolleg Olsberg, die Arbeitsagentur, die Gewerkschaften und die Handwerkskammer. Die Schüler können sich einen Adressaten aussuchen, stellen sich und ihre Bewerbungsmappe dort vor, führen ein Interview – und bekommen umgehend eine reelle und ehrliche Rückmeldung von den Arbeitgebern. 

Florian Judith hat schon genaue Vorstellungen von seinen Berufswünschen: Bauzeichner oder technischer Zeichner möchte er werden. Bei der Stadtverwaltung war er schon an diesem Morgen, nun möchte er noch mit dem Berufskolleg sprechen. Zuvor hat er schon ein freiwilliges Praktikum als Produktdesigner gemacht. Derlei Eigeninitiative kommt in der Regel gut an. Entsprechend selbstbewusst ging er auch in sein Bewerbungsgespräch. „Es ist gut gelaufen“, freut er sich. Die Möglichkeit, hier einmal eine Bewerbungssituation unter realen Bedingungen zu trainieren, findet er gut: „Da weiß man wenigstens mal wie das ist und hat es einfacher im echten Bewerbungsgespräch.“ 

Auch Madeleine Berke ist sich ziemlich sicher: Sie will in den Einzelhandel. „Ich weiß schon viel darüber, denn mein Bruder arbeitet dort“, erklärt sie. Auch ein Praktikum hat sie schon gemacht. Dass sie die Mitarbeiter schon kennt, erleichtert ihr das Bewerbungsgespräch. Die Motivation, noch woanders hinzugehen, ist daher bei ihr nicht so groß. Andere haben zu diesem Zeitpunkt schon bis zu vier Interviews geführt. „Wenn die Arbeitgeber etwas sagen, wird das von den Schülern viel ernster genommen, als wenn wir, oder die Eltern, etwas anmerken“, hat Schulleiterin Karin Stolp beobachtet. Sie schätzt die Möglichkeit dieses Rollenspiels unter authentischen Bedingungen daher sehr.

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