Der „Meister“ und die „Schüler“

Skulptur Bredelar verfolgt in der dritten Ausstellung einen neuen Ansatz

Mit einer Performance wird die Skulpturenausstellung in Bredelar eröffnet. Bereits bei den Vorbereitungen hatten offensichtlich alle viel Spaß (v.li.): Marita Veith (BeKuZ Kloster Bredelar), Künstler Arian de Vette, Kurator Jeroen Damen, Performer Jan Mors, die Künstler Tim Breukers und Sjoerd Buisman sowie Performer Hans Belleman. Foto: Kristin Sens
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Mit einer Performance wird die Skulpturenausstellung in Bredelar eröffnet. Bereits bei den Vorbereitungen hatten offensichtlich alle viel Spaß (v.li.): Marita Veith (BeKuZ Kloster Bredelar), Künstler Arian de Vette, Kurator Jeroen Damen, Performer Jan Mors, die Künstler Tim Breukers und Sjoerd Buisman sowie Performer Hans Belleman.

Bredelar. Ein unförmiger, hölzerner Wagen wird über den Hof gerollt, Rufe schallen, Lachen, Hämmern: Eine knappe Woche lang wurde die deutsch-niederländische Skulpturenausstellung „Natura“ in den Räumen und im Innenhof des Klosters Bredelar aufgebaut – am heutigen Samstag ist die Eröffnung.

Anders als bei den Ausstellungen der Vorjahre werden in diesem Jahr nur die Arbeiten von drei niederländischen Künstlern präsentiert: der renommierte Künstler Sjoerd Buisman stellt einen Querschnitt durch sein gesamtes Schaffen aus, die beiden jungen Künstler Tim Breukers und Arian de Vette werden dessen künstlerischen Aussagen in ihren eigenen Arbeiten kommentieren und reflektieren. So hat eine Installation den Arbeitstitel: „Skulpturen von Sjoerd Buisman im Leben Tim Breukers“. Beide, Breukers und de Vette, würden noch nach ihrem eigenen Stil suchen, erklärte Jeroen Damen, Kurator der Ausstellung.

Dass sie aber auf dem richtigen Weg sind, beweise die Tatsache, dass beide für das begehrte zweijährige Aufbaustudium der Rijksakademie van beeldende kunsten (deutsch: Reichsakademie der Bildenden Künste) in Amsterdam ausgewählt wurden. Breukers hatte zudem bereits eine Künstlerresidenz in Seoul inne.

„Die Idee hinter dem deutsch-niederländischen Skulpturenprojekt ist, ein Podium für junge Leute zu schaffen. Gleichzeitig wollen wir die Menschen der Region für moderne Skulptur erwärmen. Die Auswahl eines berühmten Künstlers soll als Publikumsmagnet dienen“, erläuterte Damen. Während der „Meister“ unter anderem Arbeiten ausstellt, die 30 Jahre alt sind, entstehen die Kunstwerke der beiden „Nachwuchskünstler“ weitgehend als „work-in-progress“ im Kloster selbst und treten somit in einen direkten Dialog mit ihrer Umgebung.

Anders als die Ausstellungsobjekte im vorigen Jahr, sind die Werke diesmal auch weitgehend wieder Skulpturen im klassischen Sinne. Buisman, der Ende der 60er-Jahre anfing auszustellen, bevorzugt natürliche Materialien wie Holz oder daraus gewonnene Stoffe (Papier, Pappmaché) sowie verarbeitete Metalle wie Bronze.

Eine zentrale Idee verfolgte ihn dabei durch alle Schaffensperioden: „Wie reagiert die Natur auf (menschliche) Manipulationen?“ Die von der Natur vorgegebenen Formen und Bewegungen stellt er plastisch dar, spielt mit ihnen und entwickelt sie fort. Ein immer wiederkehrender formaler Kern ist dabei die Spirale. „Der Zuschauer erkennt eine gewisse Harmonie im Kunstwerk, weil wir von diesen Formen in der Natur umgeben sind“, erklärte Damen die ästhetische Wirkung.

Pezzibälle und merkwürdige Figuren

Im Mittelpunkt von Breukers Installation steht eine Styropor-Skulptur – darum herum liegen Pezzibälle, merkwürdige Figuren, die Crashtest-Dummies oder aufblasbaren Werbesäulen ähneln, sowie bedruckte Folien. Persönliche Reminiszenzen und Artefakte treffen dabei auf Inspirationen, die er nach eigenem Bekunden aus seiner Umwelt erhält: „Leichtes und Schwieriges soll sich im skulpturellen Dialog treffen.“ Aufhänger für die im Kloster entstehende Installation ist ein Tischspiel namens „Die Rache des Tutanchamun“ – man darf gespannt sein, was er aus all diesen Utensilien macht.

De Vette hat sich für seine Installation einen Kellerraum mit altem Kreuzgewölbe ausgesucht. Ein Stahlgerüst spielt auf die industrielle Geschichte des Klosters an – dazwischen Keramikskulpturen, die mit der Buchstabenwelt spielen. Ergänzt wird das Ganze eventuell durch Videokunst. Dass es in diesem Jahr nur niederländische Künstler gibt, ist gewollt. „Im nächsten Jahr werden es nur deutsche Künstler sein“, so der Kurator. Rund zwei Wochen nach Beginn der Ausstellung wird eine einzelne deutsche Arbeit ausgestellt werden, um den Bogen zu spannen und sozusagen Appetit zu machen auf die Ausstellung im nächsten Jahr.

Vernissage am heutigen Samstag

Die Vernissage der Ausstellung ist am heutigen Samstag ab 14 Uhr. Nach einigen Grußworten – unter anderem durch Dirk Van den Broek, mit seiner Stiftung Initiator des deutsch-niederländischen Skulpturenprojekts, die Vorsitzende des Fördervereins Kloster Bredelar Anne Degenhardt, Heiner Duppelfeld als Präsident des Rotary Club Marsberg-Brilon sowie Vertreter der Stadt Marsberg – werden die Performance-Künstler Jan Mors und Hans Belleman mit „Transformagiecar“ die Gäste unterhaltsam und spielerisch mit den Kernaussagen der Ausstellung vertraut machen.

Dabei wird sich der eingangs erwähnte hölzerne Wagen auf wundersame Weise in Bücher verwandeln. Welche Assoziationen sich zu den Kunstwerken und zu dem Ausstellungsort ergeben, darüber kann sich der Besucher seine eigenen Gedanken machen.

Die Ausstellungsräume sind Donnerstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Für die Besucher wird ein Audioguide in drei Sprachen zur Verfügung stehen. Angedacht sind auch Veranstaltungen, bei denen Schüler mit den Künstlern ins Gespräch kommen können. Die Ausstellung endet am 8. Oktober.

Weitere Informationen über die Ausstellung gibt es unter www.sculptuur-bredelar.nl sowie www.kloster-bredelar.de.

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