Analoge und digitale Brücken bauen

Deutsch-Französische Städtepartnerschaft funktioniert auch in Corona-Zeiten

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Auch dank der Spende aus der Partnerstadt Lillers für die Wiederaufforstungsmaßnahmen in Marsberg können bald insgesamt 1.500 Bäume im Marsberger Stadtgebiet gepflanzt werden.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Deutsch-Französischen Gesprächsrunde Marsberg (DFG) fallen die alljährlich stattfindenden persönlichen Begegnungen zwischen den Mitgliedern des deutschen und französischen Partnerschaftskomitees gänzlich aus – aber nicht die gemeinsamen Projekte!

Marsberg – Bereits im März 2020 haben die beiden Vorsitzenden der Städtepartnervereinigungen in Marsberg und in Lillers das geplante Treffen an Pfingsten 2020 absagen müssen, auch der Empfang der französischen Freunde im Oktober fiel aus.

Bis Herbst 2020 hatten alle Beteiligten insgeheim noch gehofft, dass das größer geplante Treffen nun am Pfingstwochenende 2021 nachgeholt werden könne. Doch aufgrund der noch immer ernsten Pandemie-Lage kann eine Reise ins Nachbarland auch sobald in 2021 nicht erfolgen.

Viele Online-Meetings in der vergangenen Zeit

Die Vorsitzende der DFG, Susanne Fobbe, lud im Juni 2020 zum ersten bilateralen „Apéro virtuell“ ein, danach folgten weitere Online-Meetings, unter anderem das offizielle Arbeitstreffen beider Komitees mit der neu gewählten Bürgermeisterin Carole Dubois und dem neu gewählten Bürgermeister Thomas Schröder am 7. Dezember 2020, ein weiteres Online-Meeting fand am 25. Januar statt, das letzte am 8. März.

„Wir haben mit den virtuellen Meetings – trotz Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen – die Möglichkeit, in den Dialog zu treten und die Arbeit in der Städtepartnerschaft fortzusetzen,“ betont Susanne Fobbe. „Das haben wir genutzt und es haben sich im letzten Jahr und in diesem Jahr zwei Projekte entwickelt, die wir in der Städtepartnerschaft umsetzen“.

Projekt Wiederaufforstung

Im Sommer 2020 wurde die Idee einer Wiederaufforstungsaktion an die DFG herangetragen. Anlass hierfür war in 2019 der Besuch einer Wandergruppe des Ortie-Vereins aus Burbure (Nachbargemeinde Lillers), die mit Marsberger Freunden unterwegs waren und bei den Wanderungen das Ausmaß des Waldsterbens in der Gegend sehen konnten.

Ihnen war nicht bewusst, dass im Stadtwald Marsberg mehrere hundert Hektar Wald durch den Sturm Friederike und die anschließende Borkenkäfermassenvermehrung durch die Trockenheit der letzten Jahre stark geschädigt und abgestorben sind.

„Un million d‘arbres en Hauts-de-France“

Diese Wanderer nahmen gemeinsam mit dem französischen Komitee Kontakt zu dortigen Behörden auf, unter anderem zum Regionalrat, um dem Marsberger Wald zu helfen. Vielleicht war es Zufall, dass dieser Rat gerade ein großangelegtes Projekt gestartet hatte, nämlich „Un million d‘arbres en Hauts-de-France“ - eine Millionen Bäume in der Region Hauts-de-France zu pflanzen.

Da zu dieser Region ebenfalls Marsbergs Partnerstadt Lillers gehört, werden seitens der Stadt gemeinsam mit dem „Comité d’échanges internationaux du Lillérois“ im Rahmen einer Förderungsmaßnahme nicht nur 100 Bäume im Stadtgebiet von Lillers gepflanzt, sondern darüberhinaus ein finanzieller Beitrag für Wiederaufforstungsmaßnahmen in Marsberg gespendet.

1.500 Bäume in Marsberg

Die DFG Marsberg beteiligt sich ebenfalls finanziell, sodass insgesamt 1.500 Bäume im Marsberger Stadtgebiet gepflanzt werden können. Auch ein ca. 350 Meter langer Holzzaun wird zum Schutz der Stecklinge gebaut.

„Toll, wie unkompliziert manchmal etwas sehr Sinnvolles entstehen kann, herzlichen Dank!“, freut sich Susanne Fobbe, die bis dato eine Förderung durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds als eine Möglichkeit verfolgt hatte. Auch Bürgermeister Schröder bedankte sich im Rahmen der ersten offiziellen virtuellen Begegnung am 7. Dezember 2020 für diese Gemeinschaftsaktion bei den „Lillerois“.

Am 27. Februar wurden dann die ersten Bäume im Stadtgebiet von Lillers gepflanzt. In der „Rue de Niedermarsberg“ fand die Aktion im Beisein der Bürgermeisterin, Vertreter der Stadt und des Partnerschaftskomitees statt. Weitere Pflanzungen wurden durch die Jugendfeuerwehr vorgenommen.

Sekundarschule und das Carolus-Magnus-Gymnasium beteiligen sich

Begleitend dazu initiierte die DFG, dass die Sekundarschule und das Carolus-Magnus-Gymnasium (CMG) sich beteiligen. Der stellvertretende Direktor des CMG Ralf Trachternach – auch Mitglied der DFG - koordiniert die Beteiligung beider Schulen.

Nach aktuellem Stand wird der 7. Jahrgang der Sekundarschule das Ökosystem des Waldes gemeinsam mit einem Ökologiekurs der Klasse 8 des Gymnasiums im regulären Unterricht bearbeiten – und das in Zeiten von Corona digital. Bleibt zu wünschen, das auch eine Beteiligung der beiden französischen Schulen in Lillers – dem „Lycée Anatole France“ und dem „Collège Léo Lagrange“ noch möglich ist.

Mittlerweile sind auch alle Details mit dem Revierförster Lars Grothe besprochen.

„Ein kleiner Beitrag“

„Ich freue mich sehr, dass neben der normalen Aufforstung durch die Stadt Marsberg, auch durch solche Pflanzaktionen ein kleiner Beitrag geleistet wird, um den Wald von morgen artenreich, und klimastabil wieder aufzuforsten“, so Grothe. Er hat für die zu bepflanzende Fläche einen knappen Hektar hinter dem St. Marienhospital Marsberg im Kretholz ausgesucht.

Gepflanzt wird ein Mischwald aus 1.500 Pflanzen mit verschiedenen Laub- und Nadelhölzern: Eichen, Buchen, Linden, Elsbeeren, Lärchen, Kiefern, aber auch Besonderheiten wie Schwarznuss und Mammutbaum.

Startschuss fällt am 20. April

Den Bau des Schutzzaunes übernimmt die Firma Röleke, die Bäume werden von den städtischen Forstwirten gepflanzt, die ebenfalls den Aufbau des Zaunes übernehmen. Der Startschuss fällt am 20. April – weitere Informationen folgen.

„Aber das ist noch nicht alles,“ freut sich die DFG, an die im Januar über den Vorsitzenden des französischen Partnerschaftskomitees eine Idee des Musikvereins aus Lillers - der „Harmonie Fanien“ – herangetragen wurde. Die „Harmonie Fanien“ hat in 2017 und 2018 anlässlich der jeweiligen Festakte zum 50-Jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft gemeinsam mit dem Schulorchester des CMG unter Leitung von Ildiko Keikutt in Marsberg und in Lillers musiziert.

Das hat bleibende Eindrücke hinterlassen und den Wunsch hervorgerufen, doch gerade dann gemeinsam zu musizieren, wenn man sich persönlich nicht treffen kann. Wie ist das möglich?

Eine Städtepartnerschaft in Corona-Zeiten am Leben zu erhalten ist schon eine kleine Herausforderung.

Susanne Fobbe

Die Musiker des Schulorchesters vom CMG und die Musiker der „Harmonie Fanien“ proben einzeln ein Musikstück zu Hause ein, nehmen Ton und Bild per Video auf und diese Videosequenzen werden zu einer gemeinsamen Aufführung zusammengeschnitten.

„Eine Städtepartnerschaft in Corona-Zeiten am Leben zu erhalten ist schon eine kleine Herausforderung“, so Susanne Fobbe, „aber die digitalen Formen des Zusammentreffens und der digitalen Zusammenarbeit schaffen Möglichkeiten, dass der Austausch nicht zum Erliegen kommt.“

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