Dokumentation zu Kloster Bredelar vorgestellt

Stoff für Klosterkrimi

Der Mediävist und Religionshistoriker Prof. Dr. Heinrich Rüthing (links) vertiefte sich bei der Buchvorstellung sofort interessiert in die Publikation des Archivars Helmut Müller zur Geschichte des Klosters Bredelar. Foto: Kristin Sens

„Mit diesem Buch ist die grundlegende Geschichte des Klosters geschrieben.“ Diese Äußerung Dr. Hermann-Josef Schmalors, dem Direktor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, zeigt, was da für eine Publikation entstanden ist – und welchen Stellenwert sie für die Forschungen zur Geschichte des ehemaligen Klosters Bredelar hat. Am Dienstag stellte der Verfasser Helmut Müller sein Werk „Die Zisterzienserabtei Bredelar“ im Kloster einem sehr interessierten Publikum vor.

Von Kristin Sens

Der Erste Vorsitzende des Fördervereins Dr. Franz-Josef Bohle nannte es eine glückliche Fügung, dass sie von dieser Publikation erfahren hätten. Durch Anregung von Bernd Follmann kam die Einladung zustande. Nach der ausführlichen Buchvorstellung durch den Verfasser ordnete Professor Dr. Heinrich Rüthing von der Universität Bielefeld die Geschichte des Klosters Bredelar in das Umfeld des mittelalterlichen Klosterlebens im Westfalen ein. Musikalisch versetzten die Sängerin Dr. Claudia Korsmeier und ein Gambenensemble aus Münster die Besucher in die Atmosphäre des Mittelalters.

Alkoholfreies Bier im Mittelalter

Auch wenn das Material zu dem Werk über die Geschichte des Klosters überwiegend aus mehr oder weniger verstaubten Archiven stammt, eine trockene Ansammlung von Fakten ist es dennoch nicht. Zwar wird in aller Ausführlichkeit dargelegt, welche Waren vom – und welche für das Kloster produziert wurden, aber dass es zum Beispiel schon im Mittelalter alkoholfreies Bier gab, das dürfte auch bei einer breiten Mehrheit auf Interesse stoßen. Während es heute allerdings eher zum „guten Ton“ gehört, galt es damals als ein Getränk, das den einfachen Leuten vorbehalten war. Adel und Klerus zogen das mit reinem Hopfen versehene „echte“ Bier vor.

Die Zisterzienserabtei Bredelar wurde 1196 von Mönchen des Klosters Hardehausen gegründet und existierte mit einer wechselvollen Geschichte über 600 Jahre, bevor es um 1804 aufgehoben wurde. Das Kloster war ein wirtschaftlich wie geistig eigenständige Einheit und, zumindest zeitweise, ein „florierender Großbetrieb“, wie der Verfasser erklärte. In seiner Hochzeit, im 13. und 14. Jahrhundert, gab es in Bredelar ein sogenanntes Skriptorium, in dem viele bedeutende Schriften entstanden, sowie eine umfangreiche Bibliothek. Die wirtschaftliche Autarkie – niemandem „auf der Tasche zu liegen“ und sich vom eigenen „Blut und Schweiß“ zu ernähren – war das Ideal, dem die Zisterzienser sich im Mittelalter verpflichtet fühlten. Bredelar habe sich davon aber zeitweilig sehr stark entfernt. Vor allem in den Frauenklöstern konnte der Anspruch nicht immer umgesetzt werden, erläuterte der Historiker Rüthing. Insgesamt, so zog Müller sein Resümee, „böte das Kloster genügend Material für einen Klosterkrimi wie Umberto Ecos ‘Der Name der Rose’“.

Die Publikation ist im Rahmen des Forschungsprojekts „Germania Sacra“ als erster Band zum Bistum Paderborn erschienen. Bearbeitet wurde das Material durch den Archivar des Nordrhein-Westfälischen Landesarchivs in Münster, Helmut Müller. Das rund 450 Seiten starke Werk ist für 149,95 Euro als Print oder als eBook erhältlich.

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