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"Team Heimat" löst Rätsel um jüdische Schule in Padberg

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Die jüdische Schule in Padberg wurde dort ausfindig gemacht, wo heute noch die Synagoge steht.
Die jüdische Schule in Padberg wurde dort ausfindig gemacht, wo heute noch die Synagoge steht. © Claudia Linnenbrink

Padberg - In den letzten Wochen machte das „Team Heimat“ seinem Namen alle Ehre und löste ein lange bestehendes Rätsel: „Wo war die jüdische Schule in Padberg?“. In wahrer Teamarbeit förderten Mitglieder etwas Erstaunliches zu Tage. Über E-Mail und WhatsApp sowie per Telefon schloss man sich zusammen und fand die Antwort auf die Standort-Frage.

Doch zurück zum Anfang. Im Zuge der Forschungen für das Projekt „Streitkulturen: Herren, Hexen und Halunken“ wurde im Archiv der Gräfin Droste zu Vischering in Padberg nach Unterlagen zum Thema „Juden“ geforscht. Dies ist neben „Fehden“ einer der beiden Schwerpunkte, die für Padberg in der bald erscheinenden Broschüre der Arbeitsgemeinschaft behandelt wird. 

Unter dem schlichten Eintrag „Judensachen – Schulbau“ fand sich ein dreiseitiges Dokument, was uns neugierig machte. Mit Feuereifer machte sich ein Teil des Teams an die Transkription des alten Dokuments. Und richtig - Die Judenschaft bittet die Herrschaft um die Erlaubnis zum Bau einer Schule, da die bisher genutzte Schulstube bei einem Brand zerstört wurde. Wörtlich heißt es in der Akte: „Da die hiesige Judenschaft unterthanigst angezeigt wie daß Sie wegen der im vorigen Jahr durch den alhier gewesenen brand verlorenen Schulstube in des wegeners behausung gezwungen wären eine andere neuzuschaffen,…". 

Das klang für das Team vielversprechend. Die Erlaubnis wurde erteilt und so erwarb die jüdische Gemeinde „einen kleinen Platz an des Joseph Heinemans behausung von des Ricus Maeß, und Erben Köhlers Garten und Mistenstätte mit bewilligung und Consens der Gutshrn(Gutsherren)“. Auch die Größe der geplanten Schule wird genau angegeben, sie sollte „ungefehr etlichen 20 Fuß (ein Fuß 313,85 mm in Preußen ca. 6,30 m) lang und auch soviel breit“ sein.

Bei so vielen exakten Angaben sollte es doch eigentlich nicht schwer sein, den Ort zu ermitteln. Gesagt getan. Anhand alter Karten und Katastereinträgen fand ein anderes geschichtsinteressiertes Mitglied die Schule direkt an dem Ort, wo heute noch die Synagoge in Padberg steht.

Konnte das denn stimmen? Der Text selber verrät, dass es sich bei der Synagoge tatsächlich auch um die alte jüdische Schule in Padberg handelt, denn die Juden erhalten die Erlaubnis „in derselben Schule aber sich ordentlich betragen und Ihren Gottesdienst soviel möglich in aller Stille ohne Tumult verrichten sollen und wollen“. Diese Vorgabe stimmt auch mit der Definition einer Synagoge überein „...Synagogen dienen nicht nur dem jüdischen Gottesdienst, sondern auch Gemeindeveranstaltungen, der Erwachsenenbildung und der Bereitstellung von Hebräischschulen für schulpflichtige Kinder..." (Quelle: Wikipedia). 

Die Nutzung des Gebäudes erfolgt „künftig hin ohne die mindeste Abgabe“. Dafür darf jedoch „zu diese Schule nicht das mindeste aus den Padbergischen Geholz so wenig es sey Bau und Zäun und Stiser Holz so wenig anjetz, als in der Zukunft“ erhalten oder gefordert werden, „den dazu nöthigen Plaz sowohl als auch den bau selbst“ muss die Gemeinschaft „aus Ihren eigenen Mitteln und erhaltenen auswartigen beytrag bezahlen“.

Neben dem Alter der Synagoge, das Schriftstück stammt aus dem Jahre 1799, ist in der Bestimmung zum „Bauholz“ auch die Erklärung dafür zu finden, warum das dendrochronologische Gutachten das verbaute Holz auf einen Zeitraum zwischen 1770 und 1790 datiert. Es durfte kein neues Holz geschlagen werden, man griff auf alte Balken und alte Bestände aus abgerissenen oder abgebrannten Häusern oder Restbeständen zurück. Was im Übrigen für die damalige Zeit nicht unüblich war. 

Die Veröffentlichung dieser interessanten Forschungsarbeit erfolgt mit Erlaubnis der Gräfin Ulrike Droste zu Vischering, die das „Team Heimat“ und den Förderverein Ring Padberg durch ihre wohlwollende Kooperation und mit ihrem Archiv unterstützt.

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