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Überfüllte Schulbusse: Eltern wollen sich damit nicht mehr abfinden

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Von: Kristin Sens

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Schulbus überfüllt Meerhof
Ein alltägliches Problem: Der Schulbus kommt bereits voll in Meerhof an. © Privat

„Da sagen wir den Kindern, wie wichtig es gerade ist, Abstand zu halten und dann müssen sie sich in übervolle Schulbusse quetschen. Das ist ihnen doch nicht zu vermitteln“, erklärt Britta Beckmann. Seit Beginn des Schuljahres, so berichtet sie, müssen sich die Kinder aus Meerhof morgens in zu volle Schulbusse drängen.

Meerhof/Marsberg – Der Bus, den die Grundschüler nehmen sollen, komme dabei bereits voll in Meerhof an. Das sei eine unhaltbare Situation, besonders für die gerade „frisch“ eingeschulten Erstklässler. Diese hätten inzwischen regelrecht Angst, Bus zu fahren.

Das sagt das Schulamt

Deshalb hatte sie sich, gemeinsam mit anderen Meerhofer Eltern, an das Schulamt in Marsberg gewandt. Dort habe man ihnen erklärt, dass rein rechnerisch die Schülerzahl zu den eingesetzten Bussen passe. Dass Kinder in Bussen auch stehen müssen und nicht alle einen Sitzplatz finden, sei laut Verordnung zulässig. Das findet Beckmann bedenklich, vor allem wenn man berücksichtige, wie kurvenreich und steil die Straße von Meerhof nach Westheim ist. Bei der Busgesellschaft zusätzliche Busse zu beantragen, sei schwierig, habe man den Eltern beschieden, oft fehle es an genügend Fahrern.

Nico Henneken, bei der Schulverwaltung zuständig für die Busplanung, bestätigte, dass die Eltern sich an ihn gewandt hätten. Wie er erläuterte, gebe es morgens zwei Busse, die Meerhof bedienen. Um 7.23 Uhr, bzw. um 7.26 Uhr fahren zwei Busse ab Meerhof, im Abstand weniger Minuten, über Oesdorf die Grundschule in Westheim an. Der erste Bus kommt aus Essentho und fährt weiter zum Bahnhof Marsberg, der zweite Bus wird in Meerhof eingesetzt und fährt zum Gymnasium. Die Grundschüler wurden angewiesen den ersten Bus zu nehmen, die Gymnasiasten und Sekundarschüler sollen den zweiten Bus nehmen, weil dieser direkt das Gymnasium anfährt. Offensichtlich steigen aber einige bereits in den ersten Bus ein. Dazu gebe es einen späteren Bus, der, um 7.42 Uhr in Essentho eingesetzt, vom Grundschüler über die Sekundarschüler bis zu den Gymnasiasten alle Essenthoer Schüler mitnehmen soll. Für die Grundschüler kommt dieser Bus allerdings zu spät in Westheim an, denn der Unterricht beginnt dort bereits um 7.50 Uhr.

„Eine gute Lösung wäre für mich, dass die drei Busse so eingesetzt werden, dass alle Kinder einen Sitzplatz finden“, sagt Beckmann. Zwar seien in diesem Schuljahr besonders viele Kinder aus Meerhof eingeschult worden, aber die Zahlen müssten dem Schulamt doch eigentlich vorgelegen haben, meint sie. Henneken erklärte, dass die Bedarfe vorab entsprechend der Schulmeldungen an die Busgesellschaft weitergegeben würden.

Das sagt DB Regio Bus NRW

Dr. Sigrun Richter vom Fahrgastmarketing der DB Regio Bus NRW, zu der die in Marsberg zum Einsatz kommende WestfalenBus gehört, erklärte auf Anfrage: „In der Regel wird der Bedarf nach den Meldungen der Fahrschüler durch die Schulämter berechnet. Es kommt natürlich vor, dass nicht alle Schüler mit dem Bus fahren oder auch andersrum, dass diese sich auf andere Schulen verteilen und vielleicht daher eine andere Linie als berechnet nutzen. Meistens reguliert sich das nach Beginn eines Schuljahres, so dass wir gerade in den ersten Wochen immer mal wieder uns Linien angucken, wo viele Fahrschüler theoretisch mit fahren. Wir sind aber auch auf Hinweise von unseren Busfahrern oder auch von Schülern und Eltern angewiesen, wenn die Kapazität nicht ausreicht.“

In einem Solobus gebe es durchschnittlich 45 Sitz- und ebenso viele Stehplätze. „Durch Corona haben wir zahlreiche Zusatzbusse im Einsatz, damit diese Grundauslastung nicht zum Tragen kommt“, erklärte Richter weiter. Das Land NRW habe zur Verbesserung des Infektionsschutzes in der Schülerbeförderung zusätzliche Mittel bereitgestellt, damit im Bedarfsfall Verstärkerbusse eingesetzt werden können. Darauf macht die Gesellschaft auch auf ihrer Internetseite aufmerksam. Marsberg habe so zum Beispiel auf der Linie R91 morgens einen zusätzlichen Bus ab Beringhausen zur Grundschule Marsberg bestellt. „Ein Personalproblem gibt es zurzeit nicht“, beschied sie. Die Pressesprecherin sieht die Stadt Marsberg in der Verantwortung: „Bitte erkundigen Sie sich bei der Stadt Marsberg, warum hier nicht weiter nachgesteuert wird.“

Antwort des Schulamts

Das Schulamt in Marsberg verwahrt sich allerdings gegen diesen Eindruck: In einem Brief an die Deutsche Bahn schreibt Nico Henneken am 13. Oktober: „Hier halten seit Schuljahresbeginn dauerhaft die Beschwerden an, die aber immer stets an ihre Kolleginnen und Kollegen weitergeben wurden mit der Bitte um Schaffung einer Lösung.“ Er verweist außerdem darauf, dass bereits im Vorjahr – und verstärkt seit Einrichtung der Baustelle zwischen Essentho und Marsberg im Frühjahr – „massive Beschwerden“ seitens der Eltern eingegangen seien. „Die Stadt Marsberg hat sehr wohl seit der gesamten Zeit versucht in diesen Bereichen nachzusteuern, um den Kindern einen sicheren Schulweg auch im Hinblick auf die Ansteckungsgefahr hinsichtlich der Corona-Pandemie zu ermöglichen.“

Die Busgesellschaft habe, so Henneken, damit argumentiert, dass die Strecke von insgesamt drei Bussen bedient werde, die aber von den Schülern nicht wie vorgesehen benutzt würden. An die Eltern und Schüler sei daher, über die Schulen, appelliert worden, die vorgesehenen Busse zu benutzen. Das bestätigte auch Beckmann. Gelöst hat dies das Problem nicht.

Thema Zusatzbusse

Zur Thematik Zusatzbusse schreibt Henneken folgendes: „Zu Beginn der damaligen Förderung im November 2020 war uns der Einsatz von mehreren Zusatzbussen aufgrund fehlender Kapazitäten nicht möglich, da ihr Unternehmen im Raum Marsberg auf keine weiteren Kapazitäten mehr zurückgreifen konnte (Aussagen Hr. Becker / Hr. Schreckenberg in der E-Mail vom 4. September 2020). Unsererseits war der erhöhte Einsatz von Bussen zum Schutze der Kinder jederzeit gewollt, konnte aber aufgrund ihrer Aussagen und der fehlenden Kapazitäten nicht umgesetzt werden. Sollte sich die Situation bezüglich der freigewordenen Kapazitäten geändert haben, sind wir weiterhin daran interessiert diese auch zu nutzen.“ Diesen Wunsch bekräftigte Henneken abschließend in seinem Schreiben, explizit für die Buslinien von Essentho und Meerhof nach Westheim, verbunden mit dem Angebot sich die Situation vor Ort gemeinsam anzuschauen. In Meerhof habe sich, so Beckmann, ihres Wissens bisher niemand blicken lassen, weder von der Stadt noch vom Busbetrieb. „Uns würde schon helfen, wenn die vorhandenen Busse anders eingesetzt würden“, sagt die Mutter.

Lösung nach Ferien?

Nach weiteren Telefonaten mit dem Busbetreiber teilte Henneken mit: „Der Verkehrsbetrieb prüft derzeit den Einsatz weiterer Zusatzbusse nach den Herbstferien in dem Bereich Meerhof, Essentho, Oesdorf und Westheim.“ Wenige Tage vor Ende der Herbstferien kam nun die ernüchternde Antwort von der Westfalen Bus Gesellschaft, dass weder sie, noch einer der anderen angeschlossenen Busunternehmen in der gesamten Region Kapazitäten für Zusatzbusse hätten. „Ursache ist die aktuell überall vorherrschende Personalsituation, wodurch kein Fahrpersonal zur Verfügung steht. Alle Kapazitäten sind bereits gebunden. Selbst überregionale Anfragen sind bis heute gescheitert“, so Rainer Osterheld vom Betriebsmanagement Westfalen.

Problem nicht nur in Marsberg

Offensichtlich ist dies nicht nur in Marsberg ein Problem Den SauerlandKurier erreichten auch Anfragen besorgter Eltern aus anderen Ecken des Verbreitungsgebiets. So schreibt Nicole Stolz aus Calle: „Meine Tochter besucht seit Mitte August die Realschule in Eslohe. Die Kinder, die der Realschule sowie zwei weiterer Schulen dort, werden zu Massen in zwei Busse gepfercht! Es gibt immer wieder Kinder, die nicht mehr reinpassen oder weinen, weil sie mit der Situation nicht zurecht kommen.“

Auch hier – wie in Marsberg – liefen die Bemühungen der Eltern ins Leere, für die Kinder angemessene Beförderungsmöglichkeiten zu schaffen.

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