110 Jahre alte Patentschrift ist Fundstück des Monats März

„Überraschende Vorteile“

Die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit “ gelangten in den Besitz einer rund 110 Jahre alten Patentschrift aus Bredelar. Sie wurde nun zum Marsberger Fundstück des Monats März 2013 prämiert.

Zusammen mit dem SauerlandKurier wird dieses historische Original-Dokument, das als Unikat gilt, exklusiv vorgestellt.

Die Patentschrift wurde am 11. Februar 1904 vom Kaiserlichen Patentamt herausgegeben und in der Reichsdruckerei in Berlin gedruckt. Carl Reinke aus Bredelar ließ sich unter der Nummer 149135 in der Klasse 80 b sein „Verfahren zur Herstellung von Kunststeinen“ am 15. November 1902 im „Deutschen Reiche“ patentieren.

„Vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Kunststeinen und beruht darauf, Zechstein unter Zusatz von Zement und Magnesia unter Druck zu formen und dann an der Luft erhärten zu lassen. Die nach diesem Verfahren erhältlichen Produkte besitzen gegenüber den bekannten Kunststeinen, insbesondere gegenüber jenen aus Zement und Sand, wichtige und überraschende Vorteile…“, so steht es im Patent.

Die Steine waren, sobald sie aus der Form kamen, „gut hantierbar“ und erhärteten sehr schnell, sodass man sie auf einen „gepflasterten Boden fallen lassen“ konnte, ohne dass der Stein zersprang. Andere bekannte Steine dagegen benötigten fürs Erhärten mehrere Wochen und Monate. Außerdem brauchten die Steine von Carl Reinke verhältnismäßig geringe Mengen von Bindemittel. Zu vier Teilen des angewendeten Zechsteins konnte man nur ein Teil Zement dazusetzen. Eine andere Variante des Kunststeins benötigte laut Patent nur drei Teile Sand und ein Teil Zement. Auch war man zum Erhärten dieser Steine auf keinen hohen Dampfdruck angewiesen. Beigefügt wurden auch geringe Mengen Magnesia (unter zwei Prozent vom gesamten Anteil) und Wasser, sodass das Ganze formbar wurde. Die Masse würde sich auch besonders gut für „Dachziegeln, Dachpfannen, Flur-, Trottoir- und Bekleidungsplatten, Ornamenten sowie Kunststeinen jeder Art“ eignen. Besondere Auszeichnungsmerkmale waren die „ungemeine Festigkeit und glatte Oberfläche sowie Dichte des Gefüges“, sodass sie auch besonders wasserabweisend waren.

Erster Bürgermeister der Gemeinde

Die Zechstein- und Zechitwerke Bredelar GmbH mit ursprünglichem Sitz in Kassel wurden durch den Königlichen Notar und Justizrat Dr. Berthold Geiger (Frankfurt am Main) am 19.03.1904 in das Notariatsregister 191/1904 eingetragen. Gesellschafter waren Direktor Grube, „Ortsvorsteher“ (Bürgermeister) Carl Reinke, Kaufmann Carl Schoen (Frankfurt), Rentier und Konsul Fritz Christ (Frankfurt), Architekt Hans Fanghaenel (Kassel) sowie Architekt Paul Huber (Wiesbaden). Die neue Gesellschaft übernahm die Firma Carl Reinke Steinbrüche, führte sie fort und übernahm den Vertrieb. In einigen Urkunden wird Carl Reinke auch zusätzlich als Holzfabrikant ausgewiesen. Ferner war er nach der politischen Selbstständigkeit Bredelars am 1. April 1900 erster Bürgermeister der neuen Gemeinde, so steht es im Archiv des Vereins für Ortsgeschichte und Heimatpflege Bredelar geschrieben. Heribert Borghoff, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, weiß, dass die Steine des Bredelarer Zechitwerks im gesamten Deutschen Kaiserreich verlegt worden sind. Viele neugebaute Bahnhöfe wurden in der Zeit mit „Bredelarer Steinen“ versehen und können diese teils heute noch vorweisen. Berühmtestes Beispiel ist der Hauptbahnhof in Leipzig oder war der in Berlin, so Dirk Köhne vom Bredelarer Klostergut. Sogar im Hamburger Elbtunnel sind seinerzeit die Steine verlegt worden. Köhne weiter: „Gebaut wurden die Gebäude des Zechitwerks von meinem Urgroßvater Martin Köhne sen. in den Jahren 1902 bis 1903.“ 2008 hat Köhne den Komplex des ehemaligen Zechitwerks in Bredelar wieder erworben und ist somit derzeitiger Eigentümer der Liegenschaft.

Nähere Informationen zum Fundstück des Monats und Marsbergs virtuellen Museum findet man unter: www.Marsberger-Geschichten.de.

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