„Die unnötigste Gefahr“

Umwelttage: Grundschüler in Westheim für Thema "Plastikmüll" sensibilisiert

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Umweltfreundlichen Kleber stellten die Zweitklässler der EDS im Rahmen der Umwelttage her, unter Anleitung von Umweltingenieur Albrecht Trenz.

Westheim - Die Tür zum Pausenhof schwingt auf und die Schüler schwärmen aus – aber nicht, um zu spielen und zu toben, sondern um etwas zu suchen: „Ist das hier so etwas?“, fragt ein Junge und hält eine Schokoriegel-Verpackung hoch. Die Schüler der Klasse 2 sind dabei, Beispiele für Plastikmüll auf dem Schulhof zu finden. An zwei Vormittagen finden an der Egge-Diemel-Grundschule (EDS) für alle Schüler Umwelttage statt.

Ging es voriges Mal um Bienen, so steht diesmal das Thema Plastikmüll auf dem Programm. Umweltingenieur Albrecht Trenz ist gekommen, um die Kinder dafür zu sensibilisieren, dass jeder etwas für die Umwelt tun kann – und dass es gar nicht so schwierig ist: „80 Prozent von dem, was im Meer herumschwimmt, hatten wir mal in der Hand. Das Problem wäre einfach zu lösen, wenn jeder seinen Müll richtig entsorgen würde.“ Gefördert wird dieses umweltpädagogische Projekt vom Verband Deutscher Naturparke und dem Unternehmen Kaufland. 

Wieder zurück im Klassenraum lobt der Umweltpädagoge die Schüler: „Man merkt, dass ihr eine Naturparkschule seid. Euer Schulhof ist vergleichsweise sauber und vieles von dem, was ihr gefunden habt, stammt gar nicht von euch: Glassplitter oder Zigarettenkippen etwa. Aber dennoch, auch ihr könnt noch mehr darauf achten, Lollifolien und ähnliches nicht einfach fallen zu lassen. Und ihr könnt die Großen darauf aufmerksam machen.“ Dann erklärt er, dass eine einzige Zigarettenkippe 40 Liter Wasser verunreinigt. Und sie sind gefährlich für Tiere, so habe er Möwen schon Kippen an ihre Jungtiere verfüttern sehen. Auch Plastikschnipsel landen oft in den Mägen von Tieren. Kunststofffasern (von Seilen, wie sie Landwirte zum Beispiel verwenden), auch Netze für Meisenknödel, wickeln sich um Flügel und Gliedmaßen und schnüren diese ab. 

"Plastikmüll ist menschengemachtes Problem"

Eine Schulstunde lang hat Trenz erklärt, wo Plastik herkommt, welche verschiedenen Arten von Müll es gibt und welche Probleme sie verursachen. „Plastikmüll ist die unnötigste Gefahr, die es überhaupt gibt“, ist er überzeugt. Die Kinder damit zu beeindrucken, scheint relativ einfach; sie hängen an seinen Lippen. Aber was noch wertvoller ist: Sie erzählen ihren Eltern und Großeltern davon und so kann er, indirekt, die Erwachsenen mit aufklären. Völlig plastikfrei zu leben, wie es manche versuchen, sei in unserer globalisierten und digitalisierten Welt so gut wie unmöglich; der Umweltingenieur verweist auf Kunststoffe in Flugzeugen, Autos, Smartphones – aber auch auf Bereiche, wo der Einsatz von Plastik wichtig und sinnvoll sei, wie in der Medizintechnik zum Beispiel. 

Die Kinder waren bei der Herstellung alternativer Produkte voll bei der Sache.

Im Anschluss produziert Trenz gemeinsam mit den Kindern einen Bastelkleber, völlig frei von umweltschädlichen Bestandteilen. (Anleitung siehe unten.) Das coolste daran ist, dass er nach Belieben mit Lebensmittelfarben eingefärbt werden und sogar verschluckt werden kann. Zum Beweis lässt er die Kinder an dem Kleber schnuppern und ihn probieren. „Es ist ganz wichtig, dass jeder guckt, was er machen kann – und nicht nur mit den Fingern auf die anderen zeigt. Der Plastikmüll ist ein menschengemachtes Problem und das können Menschen auch wieder lösen“, fasst der Umweltpädagoge am Ende zusammen. 

Kann man sogar essen: Der selbst hergestellte Kleber besteht aus Lebensmitteln, riecht gut und kann sogar verschluckt werden.

Recyceln, Verpackungsalternativen entwickeln und nichts einfach in die Umwelt werfen, weisen in die richtige Richtung. Zum Abschluss schenkt Trenz jedem Schüler ein Einkaufsnetz für Obst und Gemüse und die Schule erhält eine Urkunde, die ihr bescheinigt, an den Umwelttagen teilgenommen zu haben und nun „zertifizierter Umweltspezialist“ zu sein.

Anleitung: 

200 ml Wasser nach Belieben mit einigen Tropfen Lebensmittelfarbe, 1 Esslöffel Mehl, 2 Esslöffeln Zucker, 1 Esslöffel Speisestärke gut mit dem Schneebesen verquirlen und einmal kurz aufkochen. Anschließend 1 Esslöffel Essigessenz (Vorsicht: ätzend) einrühren, damit der Kleber haltbar wird. Schließlich in leere Marmeladengläser füllen und abkühlen lassen. Die Konsistenz kann verändert werden, indem mehr Stärke zugefügt wird. Der Kleber hält zwar nicht tonnenschweren Belastungen stand, eignet sich aber bestens für alle normalen Bastelarbeiten. Ähnlich einfach lässt sich auch Knete oder „Slimy“ herstellen.

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