Doppeljahrgang verlangt Gymnasium organisatorisch einiges ab

Es wird eng in der Aula

Die schriftlichen Abiturprüfungen sind diese Woche in den Gymnasien gestartet. Foto: S. Hofschlaeger/Pixelio

Die Gymnasien in NRW stehen derzeit vor einer besonderen Herausforderung. Der Doppeljahrgang befindet sich auf der Zielgeraden.

Ein letztes Mal legen die Schüler ihr Abitur ab, die sich 13 Jahre (G9) lang auf die Reifeprüfung vorbereitet haben. Gleichzeitig haben erstmals auch die Gymnasiasten über ihren schriftlichen Prüfungen gebrütet, die nach nur zwölf Jahren ihr Abitur (G8) absolvieren. Es gilt also für die doppelte Zahl an Schülern das Abitur abzuwickeln. Der SauerlandKurier hörte nach, wie diese einmalige Herausforderung am Marsberger Carolus-Magnus-Gymnasium gestemmt wird.

Von Jana Sudhoff

„Es ist schon mehr Arbeit“, sagt Schulleiter Winfried Papenheim. Knapp 150 Abiturienten – in den vorigen Jahren waren es im Schnitt 75 – legen ihre Reifeprüfung ab. Zum einen sind mehr Kollegen im Abitur involviert als sonst. Viele Lehrer sind beispielsweise in den oft gewählten Leistungskursen in den Fächern Biologie und Englisch gefordert. Aber darauf sei man eingestellt. „Wir haben den Doppeljahrgang ja bereits die vergangenen zwei Jahre“, relativiert der Direktor. Jedoch schlägt der Doppeljahrgang im Abitur besonders organisatorisch und logistisch zu Buche – bei der Raumbelegung und insbesondere bei den mündlichen Prüfungen. Mindestens zwei Tage und zwei Nachmittage werde es in Anspruch nehmen, die rund 150 Schüler in ihrem vierten Fach zu prüfen, so kalkuliert der Schulleiter. „Wenn es nicht klappt, dann müssen wir eine Woche später noch einmal nachmittags Prüfungen ansetzen.“

Drei Lehrer stellen jeweils eine Prüfungskommission. Während es an anderen Schulen zuweilen zu Engpässen kommt, sodass für manche Kommissionen Lehrer von anderen Gymnasien „ausgeliehen“ werden müssen – in den Fächern, in denen man wenige Pädagogen hat – ist das am Carolus-Magnus-Gymnasium in diesem Jahr nicht der Fall. Wenn nicht noch Kollegen krank werden. Dann könnte es schon eher eng werden. Eng wird es auch bei der Entlassfeier der Abiturienten, beide Jahrgänge planen einen gemeinsamen Abschluss. Und da in der Aula nur Platz für rund 500 Personen ist, müssen sich die Schüler einschränken. Üblich sei es in Marsberg sonst, dass nicht nur die Eltern ihre Kinder zur offiziellen Zeugnisübergabe begleiten, sondern auch etwa die Großeltern, berichtet Papenheim. Das wird diesmal nicht gehen. Es hätte Ausweichmöglichkeiten gegeben – etwa in Adorf oder Scherferde, wohin man einen Bustransfer hätte organisieren können. „Aber das war den Schülern nicht recht“, berichtet Papenheim, der sich bei seiner Rede kurz halten will. Denn wenn statt 75 diesmal 150 Schüler zur Zeugnisvergabe einzeln auf die Bühne gerufen werden, dauert auch diese Zeremonie länger als sonst.

Ob längere Wartezeiten auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz auf sie zu kommen, das sind die Themen, die die Schüler mehr tangieren als die derzeitigen logistischen Herausforderungen ihrer Lehrer. „Ich gehe davon aus, dass sämtliche Unis ihre NCs hochziehen werden“, vermutet der Marsberger Schulleiter, der es für fragwürdig hält, dass die Hochschulen wesentlich mehr Studienplätze zur Verfügung stellen. Denn die Doppelbelastung der zwei Jahrgänge ist nur ein Intermezzo. Und wie Papenheim aus Hessen gehört hat, wo im vergangenen Jahr der Doppeljahrgang die Schule verließ, ist die Wohnungsnot immens.

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