Einblick in die Geschichte der eigenen Lebensregion

Eingebunden ins Bündel des Lebens: zwei Exkursionen zu ehemaligen jüdischem Leben in Marsberg

Geschichte jüdisches Leben Marsberg
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Norbert Becker informiert über die Geschichte der Padberger Synagoge.

Einblick in die Geschichte der eigenen Lebensregion bekommen, sich bewegen und dabei freundliche und interessante Menschen kennenlernen, das hat den Teilnehmenden der Exkursionen zu jüdischen Orten im Marsberger Raum gut gefallen. Pfarrer Dietmar Schorstein und Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer hatten dazu im Juli eingeladen.

Marsberg – Trotz Starkregens in Padberg hörte die Besuchergruppe gespannt dem Vortrag Norbert Beckers in der ehemaligen Synagoge zu.

Der Ortsheimatpfleger arbeitet seit Jahrzehnten die über 300-jährige lokale jüdische Geschichte auf.

Erhalt der ehemaligen Synagoge

Besonders viel Energie steckte er in den Erhalt der ehemaligen Synagoge. Sie ist ein schlichtes Fachwerkhaus, das bis 1931 der jüdischen Gemeinde gehörte. Damals haben die wenigen Juden, die noch in Padberg lebten, sie verkauft. Sie wurde zur Lagerscheune eines Dachdeckers. Deshalb wurde sie am 9. November 1938 in der Pogromnacht nicht zerstört. Heute ist die Dorfgemeinschaft stolz, die einzige Fachwerksynagoge in Westfalen präsentieren zu können.

Auf der E-Bike Exkursion standen die jüdischen Friedhöfe in Niedermarsberg, Madfeld, Beringhausen und Obermarsberg auf dem Besichtigungsprogramm. „Im östlichen Sauerland blicken wir zurück auf über 300 Jahre jüdischen Lebens. Leider nur auf Friedhöfen, da es aktuell keine erkennbare jüdische Bevölkerung hier gibt.“, eröffnete Pfarrer Dietmar Schorstein seinen Vortrag auf dem Niedermarsberger Friedhof. Am Zustand und an der Beschriftung der Grabsteine lässt sich ihr Alter und auch der gesellschaftliche Status der Beerdigten ablesen.

Wachsende Integration der Landjuden in Marsberg und Umgebung

Auf den ältesten, fast verwitterten, einfach behauenen Steinen stehen hebräische Buchstaben. Die Grabmale des 19. Jahrhunderts sind prächtiger gestaltet, die Inschrift auf der Vorderseite ist in der Regel deutsch, auf der Rückseite stehen hebräische Wörter. Dies belegt die wachsende Integration der Landjuden in Marsberg und Umgebung. Waren sie zunächst aus der Fremde kommende, eher geduldete Außenseiter, die beim Herzog einen Schutzbrief erstanden, waren sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts akzeptiert im Dorf.

Die Informationen über jüdisches Leben auf dem Land vom ehemaligen Ortsvorsteher Heinz Bickmann in Madfeld, Norbert Becker in Padberg und Beringhausen und von Pfarrer Dietmar Schorstein an allen Orten brachten Fragen und Erinnerungen hoch. „Wie hätten wir gehandelt, wenn wir in Nazi-Deutschland aufgewachsen wären?“, fragten sich manche Teilnehmer. Andere erinnerten sich an Geschichten ihrer Großeltern und Eltern. Dass wir Verantwortung tragen dafür, dass die Geschichte jüdischen Lebens hier nicht vergessen wird und jüdische Menschen im heutigen Deutschland leben können, das wurde allen Teilnehmenden deutlich. Nur so bleibt Vielfalt bestehen.

Wie leben jüdische Menschen heute in Deutschland?

Wie jüdische Menschen heute in Deutschland leben, können Interessierte am 26. November erfahren. Dietmar Schorstein und Kathrin Koppe-Bäumer laden ein zur Fahrt in die liberale jüdische Gemeinde „haKochaw“ in Unna-Massen. Die Rabbinerin wird über heutiges jüdisches Leben erzählen. Infos Anmeldung bei: Gemeindebüro der Evangelischen Auferstehungskirchengemeinde Olsberg-Bestwig, Tel. 02962/ 7114591, E-Mail: ev.kircheolsberg@gmail.com . Anmeldeschluss ist der 28. Oktober; Teilnahmegebühr: 40 bis 50 Euro, abhängig von der Zahl der Teilnehmenden.

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