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Zwölf magische Nächte

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Viele Mythen ranken sich um die bevorstehenden „Zwölf Heiligen Nächte: Die Rauhnächte – die letzten sechs Nächte des alten und die sechs ersten Nächte des neuen Jahres – galten als eine der geheimnisvollsten Tage des Jahres.

In diesen Tagen sollen besondere Dinge vor sich gehen – so der Volksglaube. Uraltes Brauchtum und Riten fußen zudem auf dem Glauben, dass den Zwölf Heiligen Nächten eine orakelhafte Bedeutung für die kommenden zwölf Monate zukommt. Vom Zauber der Rauhnächte hat sich auch Kirsten Wegener anstecken lassen. Die ehrenamtliche Trauerbegleiterin lädt Menschen, die Kraft tanken, Impulse sammeln und die Weichen für das neue Jahr stellen möchten, zu einem Ritual zur Weihe-Nacht ein.

j.sudhoff@sauerlandkurier.de

„Die Rauhnächte waren bei unseren Vorfahren Heilige Nächte. In ihnen wurde möglichst nicht gearbeitet, sondern nur gefeiert, wahrgenommen und in der Familie gelebt“, erklärt Kirsten Wegener, die auch eine der Initiatoren des Marsberger Bürgerstammtisches ist (SauerlandKurier berichtete). Ursprünglich begannen die Rauhnächte in der sogenannten Thomasnacht vom 21. auf den 22. Dezember und endeten am 6. Januar. Ausgenommen waren Sonn- und Festtage. Inzwischen konzentrieren sie sich auf den Zeitraum zwischen 25. Dezember und 6. Januar. Eine Theorie ist, dass die Rauhnächte ihren Ursprung im germanischen Mondkalender haben. Demnach hat das Jahr 354 Tage. Somit fehlen zu unserem heutigen Sonnenkalender elf Tage beziehungsweise zwölf Nächte – Tage „außerhalb der Zeit“. „Von solchen Tagen wird in Mythologien oft angenommen, dass die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt seien und daher die Grenzen zu anderen Welten fielen“, so kann man bei Wikipedia nachlesen.

Zukunft vorhersehen und deuten

Nach altem Volksglauben stand in diesen Nächten das Geisterreich offen: Die Seelen der Verstorbenen ziehen umher, Ahnen und Gottheiten kehren bei den Menschen ein, Geister zeigen sich, Dämonen veranstalten Umzüge oder die sogenannte Wilde Jagd zieht durch die Lande. „Wer zu dieser Zeit beispielsweise (weiße) Wäsche draußen aufhängt, läuft Gefahr, dass sich die Wilde Jagd darin verfängt. Oder dass ein Wäschestück mitgenommen und als zukünftiges Leichentuch für den Besitzer verwendet wird“, schreibt Stephan Gröschler in seinem Onlineartikel „Die Rauhnächte – Mythos und Brauch“. Noch heute gibt es den Brauch keine Wäsche über Silvester und Neujahr an der Leine hängen zu lassen. „Böse Geister setzen sich gerne in Unrat und Unordnung fest. Deswegen galt: „Aufräumen in Haus und Leben“, so Gröschler weiter.

In vielfältigen Ritualen versuchte man damals nicht nur das Böse zu bannen, sondern auch die Zukunft vorherzusehen und zu deuten. Zwölf Nächte, die nach altem Glauben jeweils für einen Monat des kommenden Jahres stehen. Somit steht die erste Rauhnacht für den Januar, die zweite für den Februar und so weiter. Einem der Bräuche begegnen wir heute noch an Silvester: dem Bleigießen –– wenngleich es vorwiegend als „Partyspaß“ praktiziert wird.

„Die Alten beobachteten alles“, erklärt Kirsten Wegener: „Wetter, wie das Essen geschmeckt hat, ob gestritten wurde, ob an diesem Tag alles glatt lief oder ob es Probleme gab. Alles, auch das noch so Unwichtige hatte und hat eine Bedeutung. Und wer es verstand, konnte den dazugehörigen Monat deuten.“

„Die eigene Schau auf das neue Jahr“

„Seit tausenden von Jahren nutzen Menschen die besondere Kraft und den Zauber der Rauhnächte. In diesen magischen Nächten können wir loslassen, danken, wiedergutmachen, wünschen und Kraft tanken“, sagt Kirsten Wegener, die wieder eine Reihe zu den Rauhnächten anbietet und erstmals auch für Interessierte öffnet. Bisher hatten an ihren Rauhnächte-Reihen nur die Trostsuchenden teilgenommen, die sie als Trauerbegleiterin unterstützt.

Das Grau vertreiben, Hoffnung schöpfen, sich befreien von dem, was unnötiges Kopfzerbrechen bereitet, seine Wünsche und Träume aussprechen, Negatives in etwas Positives umwandeln – „Diese Abende geben Kraft und nehmen die Dunkelheit und eröffnen den Menschen die eigene Schau auf das neue Jahr“, sagt Kirsten Wegener.

Zwölf Nächte lang werden dafür etwa Erlebtes, Intuiertes, Empfundenes, Wahrgenommenes oder Geahntes notiert. Die Rituale sollen helfen, sich mit Altem zu befassen, sich von Ballast zu befreien – also böse Geister und Dämonen vertreiben – und neue Impulse für das neue Jahr zu finden und zu formulieren. „Der Sinn dieser Rauhnächte ist eine innere Vorbereitung auf das, was das kommende Jahr bereithält. Es unterstützt die eigene Bereitschaft, die Zügel in der Hand zu halten und aufmerksam bei dem zu bleiben, was man vor hat und sich wünscht“, sagt Kirsten Wegener aus Westheim.

Heute startet sie mit den Teilnehmern um 17 Uhr in der Taberna Pinke Pank in Westheim mit der Vorbereitung auf die Rauhnächte und Erklärungen zur Geschichte und Tradition. Am Sonntag, 28. Dezember, um 17 Uhr geht es ins Freie – hier wohnen die Teilnehmer einem Feuer-Ritual „zur Wiedergutmachung“ bei. Auch eine Feuershow gibt es an dem Abend zu sehen. Am Dienstag, 6. Januar, um 17 Uhr werden bei dem Feuer-Ritual alles Alte und neue Wünsche dem Feuer übergeben.

Die drei Veranstaltungen bilden eine Einheit, die Teilnahme an einzelnen Terminen ist auch möglich. Anmeldung und Kartenvorverkauf bei Kirsten Wegener unter % 0 29 94/90 89 81. (Von Jana Sudhoff)

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