Beschuldigte wehrt sich gegen Vorwürfe

Anklage gegen HSK-Sozialarbeiterin: „Mitschuld am Tod von Zweijährigem aus Winterberg“

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Auch der Prozess gegen die Mutter ist bald wieder Thema.

Medebach/Winterberg. Nur sechseinhalb Kilogramm war er leicht, als der kleine A. aus Winterberg im Februar 2014 von seiner Mutter in das Hüstener Karolinenhospital gebracht wurde. Nur einen Tag später verstarb der Zweijährige aufgrund extremer Unterernährung. Das Leben seiner damals neun Monate alten Schwester konnten die Ärzte noch retten. Die Mutter wurde angeklagt, demnächst wird der Fall am Landgericht behandelt (siehe Infokasten). In Kürze soll, geht es nach der Staatsanwaltschaft Arnsberg, noch eine weitere Person auf der Anklagebank sitzen: die damals zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes des HSK. Diese wehrt sich gegen die Vorwürfe der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung.

Die Mitarbeiterin soll es von Mitte Dezember 2013 bis zum 25. Februar 2014 fahrlässig unterlassen haben, sich in zeitlich engen Abständen davon zu überzeugen, dass das Wohl der Kinder nicht gefährdet war. Und das, „obwohl ihr die Kindeswohlgefährdung ausdrücklich von dem vorher zuständigen Jugendamt mitgeteilt worden war“, so die Staatsanwaltschaft. 

"Jugendamt muss genau hinschauen"

Schon beim Prozess gegen die Mutter vor knapp einem Jahr warf Richter Ralf Fischer der Sozialpädagogin, die sich vom Sozialdienst des Kreisjugendamtes um die Familie kümmerte, vor: „Bei einer alleinerziehenden Mutter mit neun Kindern, wo es Hinweise auf Untergewicht gab, da erwarte ich, dass das Jugendamt genau hinschaut.“ Und das, so Fischer, bei allen Kindern. „Das, was im Gericht an Fehlern der Betreuung durch das Kreisjugendamt offenbar wurde, ist ein massives Versagen von Behörden“, ergänzte der Richter. 

Die Anklage gegen die Mitarbeiterin ist zugestellt. Über die Zulassung und die Eröffnung des Hauptverfahrens wird noch entschieden. 

„Oft werde vorschnell geurteilt“ 

Die angeschuldigte Mitarbeiterin indes wehrt sich gegen die im Raum stehenden Vorwürfe der Mitschuld am Tod des kleinen A., erklärt Rechtsanwalt Thomas Mörsberger, diese stellten für sie eine starke persönliche Belastung dar. „Es werde oft von außen vorschnell geurteilt“, gibt Rechtsanwalt Mörsberger die Auffassung seiner Mandantin wieder, „sie habe feststellen müssen, dass in der Öffentlichkeit, aber auch in Teilen der Justiz nur sehr vage Vorstellungen darüber bestünden, was die Möglichkeiten und Grenzen einer Fachkraft des Jugendamts in der Arbeit mit Familien seien.“ 

Chance zur Rehabilitation

Die Angeschuldigte sieht die Verhandlung indes auch als Chance zur Rehabilitation: „Sie könne nämlich nun endlich klarstellen, dass die gegen sie als Zeugin im Prozess gegen die Mutter erhobenen pauschalen Vorwürfe jeder Grundlage entbehrten.“ 

Wichtige Sachverhaltskomplexe, insbesondere rechtliche Grundfragen des Rechts der Kinder- und Jugendhilfe, seien in der Öffentlichkeit nicht erörtert, geschweige denn geklärt worden. Die Mitarbeitern erwarte, dass „nun endlich in differenzierender und fairer Weise“ mit dem Geschehen umgegangen werde.

Der Prozess gegen die Mutter

- Richter Ralf Fischer hatte das Verfahren im Februar vom Amtsgericht Medebach an eine Schwurgerichtskammer des Landgerichtes übergeben. 

- In der Beweisaufnahme habe sich ein hinreichender Tatverdacht ergeben, dass die Mutter den Tod ihres Sohnes nicht nur fahrlässig, sondern zumindest „bedingt vorsätzlich“ verschuldet haben könnte. 

- Deshalb wird sie bei der Neuauflage des Prozesses mit einer Anklage wegen „vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge“ konfrontiert. Gleiches gilt für die überlebende Tochter: Auch dieser Fall wird nicht mehr als fahrlässige, sondern als vorsätzliche Körperverletzung gewertet. 

- Noch ist offen, wann mit dem neuen Prozess zu rechnen ist.

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