150 Kinder beteiligen sich an erster Kids Climate Conference in Medebach

Botschafter für bessere Welt

Norbert Schmidt brachte den Kindern die Bienen näher. Foto: Jörg Leske

Zu Deutschlands erster Kids Climate Conference wurden nach einem Bewerbungsverfahren, das in der ganzen Bundesrepublik ausgeschrieben war, 150 Kinder zwischen 8 und 14 Jahren nach Medebach eingeladen. Nachdem seit 2012 drei dieser Veranstaltungen in den Niederlanden stattfanden, richtete der Standort in Medebach die erste Klimakonferenz in Deutschland aus.

Center Parcs-Direktor Boris Ege hob als Vorteil die zentrale Lage hervor und erklärte: „60 Prozent unserer Gäste kommen aus Deutschland.“ Bürgermeister Thomas Grosche war direkt von der Idee begeistert: „Das passt zu uns, die Natur ist unser Potenzial“. Gundi Heyer war indes im Sauerland maßgeblich an der Organisation und Umsetzung des Events mit dem Thema „Genug ist das richtige Maß“ beteiligt. Als geistiger Vater und Ideengeber steht der Biologe Jean Henkens mit Leib und Seele hinter der in den Niederlanden inzwischen etablierten „Kids Climate Conference“. Der Belgier ist bereits seit 35 Jahren im Unternehmen und hat sich mit seinen kreativen Ideen einen Namen gemacht. „Als passionierter Biologe, der sich zum Beispiel fragt, ‚Gibt es Liebe in der Natur‘ und ‚Wie schlafen Fische‘, halte ich 40 bis 50 Workshops im Jahr und kann damit sechs Millionen Besucher in unseren Parcs erreichen“, erklärt Henkens und fragt: „Wo bekomme ich als Biologe sonst so ein Forum?“ Jean Henkens sieht den Reichtum der Zukunft nicht in dem, was die Menschen an Besitztum haben. Daher möchte er den Kindern mit besonderen Erlebnissen viel über Natur und deren Schutz mitgeben.

Sieben Stationen

An sieben Stationen im Freigelände waren bei der Klimakonferenz Workshops für die jungen Forscher aufgebaut. Der Malteser Hilfsdienst führte mit einer Hundestaffel aus Braunschweig eine Suchaktion vor. Die Kinder durften sich verstecken und erfuhren auf unterhaltsame Weise durch den Staffelleiter Karl Kunlehn, wie eine Rettungsaktion abläuft und wie schnell der Hund die Fährte aufnimmt. Bei der Umweltstiftung WWF Young Panda wurden Tierspuren erforscht, erklärt, wie Wildtiere gezählt und erfasst werden und wie jeder aktiv beim Artenschutz mitmachen kann. Mit der Landwirtschaftskammer NRW ging es auf Tierabenteuer: Kaltblüter-Pferde aus heimischer Zucht, Kühe, Ziegen, Schafe gab es zum Anfassen. An der geduldigen „Übungskuh“ probierten die Kindern das Melken aus. Wer noch nie ein Blick in einen Bienenstock geworfen hat, hatte bei Imker Norbert Schmidt die Möglichkeit dazu und lernte auch, wie der Honig aus den Bienenwaben in das Glas gelangt. 

Kristin Sauer und ihre Kollegen von den „Wertstoff Profis“ Remondis baute mit den aus je 20 Kindern bestehenden Gruppen mit dem Werkstoff „Wertstoff“ eine Skulptur. Hier, wie bei vielen anderen Aktionen und auf der „Brücke in eine bessere Welt“ von Oevermann, durften die Kinder ihre Wünsche, Ideen und Erkenntnisse verewigen. „Das der Regenwald nischt apgeholzt wirt“ und „Tötet nicht sofiele Tire“ sind nur zwei herzige von 400 tollen Aussagen, die zusammengetragen wurden. Alles zum Thema Holz wurde beim Workshop vom Hochsauerlandkreis veranschaulicht. Andreas Vogt vom „Landesbetrieb Wald und Holz“ erklärte unterschiedliche Holzarten und wie Bäume aus dem Wald verarbeitet und genutzt werden. Nebenan gab „Partner Haus“ die Möglichkeit, selbst Hand an den Hobel zu legen. Diplom-Ingenieurin Anna Kaufhold schwärmte für den Beruf des Zimmermann und baute mit den Jüngsten Vogelnistkästen, die jetzt im Gelände des Center Parcs und an der neuen Kletteranlage am Bromberg aufgehängt werden sollen. Leckeres aus übrig gebliebenen Lebensmitteln wurde im Unicef-Zelt gekocht. Die Kinder wurden zum Thema „Übermäßiger Konsum“ sensibilisiert und gefragt: „Wie viele Lebensmittel sind nötig, worauf könnte man verzichten?“ Das Thema „Energieressourcen“ brachte das zdi Netzwerk der Bildungsregion Hochsauerlandkreis kindgerecht am Beispiel des Lebenszyklus eines Handys auf den Punkt. „Wir erklären, wo überall CO2 durch ein Handy entsteht“, erklärt Dr. Wolfgang Wiest von der FH Meschede. Ein Highlight, im wahrsten Sinne des Wortes, war die Fahrt am Seil in einem echten Heißluftballon.

"Kinder nehmen Aufgabe sehr ernst"

„Durch solche Erlebnisse werden die Kinder dieses Wochenende nicht vergessen“, sagte Jean Henkens stolz. Die besten zwölf Leitsätze der „Kids Climate Conference“ werden von einer Jury ausgewählt und allen Teilnehmern präsentiert. Die Organisatoren unterstützen die Kinder und Jugendlichen dabei, mit der jeweiligen lokalen Politik und den Bürgermeistern in Kontakt zu treten und ihre Ideen und Fragen vorzutragen, damit werden sie Botschafter für eine bessere Welt. Das gedruckte Buch mit der Zusammenfassung des Wochenendes geht auch an Bundeskanzlerin Angelika Merkel in Berlin und das EU Parlament in Straßburg. Jean Henkens freut sich über das große Interesse und die gute Disziplin bei den Workshops: „Die Kinder nehmen ihre Aufgabe sehr ernst.“

Impressionen: sauerlandkurier.de, Galerien Medebach

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