Bestände haben dramatisch abgenommen

Chance für Rebhühner: So sollen die Tiere in die Medebacher Bucht zurückkehren

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„Die Bestände des Rebhuhns haben dramatisch abgenommen“, erklären die Hegeringe

Hallenberg/Medebach/Winterberg. „Vor 40 Jahren waren die Rebhühner überall zahlreich vertreten, heute muss man schon sehr großes Glück haben, wenn man ein Rebhuhn noch mal hört oder sieht. 94 Prozent der europäischen Rebhuhnbestände sind bereits verschwunden. Das Rebhuhn steht damit als trauriger Rekordhalter stellvertretend für viele andere typische Feldvögel, denen ebenfalls der Lebensraum fehlt“, erklären die Hegeringe Medebach und Winterberg-Hallenberg. „Auch im europäischen Vogelschutzgebiet der Medebacher Bucht haben die Bestände des Rebhuhns dramatisch abgenommen, sodass es bereits in vielen Revieren ausgestorben bzw. stark gefährdet ist. Aber es ist Hoffnung in Sicht.“

Es sei möglich, den Bestand dieser ehemals häufigen Vögel wieder anzuheben. Das zeigen laut der Hegeringe verschiedene Projekte. 

In Mittelhessen haben sich dazu über 100 Reviere zusammengeschlossen und unter der Federführung von Forstmeister a.D. Andreas Mohr den Rebhuhnhegering Wetterau gegründet. Schon nach relativ kurzer Zeit berichtete Hannah Reutter im Jahr 2018 vom „gigantischen Erfolg“ beim Rebhuhnhegering der Wetterau. 

In Niedersachsen wurde im Jahr 2004 das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen initiiert. Im Rahmen des EU-Interreg-Projektes „Partridge“ wurden in fünf Regionen Westeuropas zehn Demo-Gebiete zum Rebhuhnschutz eingerichtet und entsprechend aufgewertet. Seit 2004 bemühen sich, unter der Federführung von Eckhard Gottschalk und Werner Beeke, die vielen freiwilligen Helfer das Rebhuhn im Landkreis Göttingen zu retten. Dafür gab es am 24. Januar 2018 eine Anerkennung. Das Rebhuhnschutzprojekt wurde von der UN-Dekade für biologische Vielfalt ausgezeichnet. 

Landwirte, Jäger und Naturschützer sind gefragt 

„Um auch dem Rebhuhn in der Medebacher Bucht wieder eine Chance zu geben, wollen wir uns diese beiden Projekten einmal ansehen und anschließend die dort gemachten Erkenntnisse auch in der Medebacher Bucht entsprechend umsetzen“, so Sprecher der Hegeringe Medebach und Winterberg-Hallenberg. 

- Am Mittwoch, 10. April, fahren Mitglieder der Hegeringe in die Wetterau nach Heuchelheim. Dort treffen sie sich um 15 Uhr mit Andreas Mohr. „Er wird uns bei einem etwa 2,5-stündigen Reviergang über alles, was mit dem Rebhuhn zu tun hat, informieren und keine Frage unbeantwortet lassen“, so Alfons Brocke. Anmeldungen sind möglich bis zum 3. April an Alfons Brocke, Tel. 01 52/02 87 31 22. 

- Am Donnerstag, 11. April, findet ein Niederwildsymposium in Mainz statt. Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz und der Deutsche Jagdverband laden gemeinsam zum Niederwildsymposium in das Kurfürstliche Schloss zu Mainz ein. Das Symposium ist Teil des Wildschutzprogramms Feld & Wiese des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz. Ziel der eintägigen Fachtagung ist es, die Gründe für den anhaltenden Rückgang von Insekten, Niederwild und heimischen Bodenbrütern zu analysieren. Landwirte, Jäger, Naturschützer und Wissenschaftler wollen gemeinsam potentielle Lösungsansätze und Maßnahmen definieren, um den Lebensraum Offenland zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. 

Kritisch hinterfragt werden soll, ob die bundesweiten Projekte, Maßnahmen und politischen Steuerungsinstrumente ausreichen, die „dringend notwendige Trendwende“ hinsichtlich der Entwicklungen in der Agrarlandschaft einzuleiten. Die Teilnehmer haben bei der abschließenden Podiumsdiskussion Gelegenheit, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Information und Anmeldung unter: www.ljv-rlp.de/termin. 

"Gesamtgesellschaftliche Aufgabe"

- Am Dienstag, 21. Mai, fahren die heimischen Hegeringe nach Göttingen. Dort werden die Teilnehmer ab 11 Uhr von den Biologen Dr. Eckhard Gottschalk und Werner Beeke empfangen, die das seit 2004 laufende Rebhuhnprojekt vorstellen. Angedacht ist bisher ein 45-minütiger Vortrag, eine Gesprächsrunde und das Aufsuchen von Projekt-Hotspots in der Feldflur. Ziel sei – neben dem fachlich-gedanklichen Austausch – das Sammeln relevanter Informationen, die einem vielleicht künftigen Projekt in der Medebacher Bucht dienlich sind. Ein wichtiges Credo des Göttinger Projektes lautet: „Der Landwirt ist der wichtigste Akteur. Ohne sein Engagement konnte dieses Projekt nicht durchgeführt werden.“ Anmeldungen bis 5. Mai an Robert Trappmann, Tel. 0 29 61/98 91 3-05 oder Tel. 01 71/31 60 51 3. 

„Mit dieser Mitteilung richten wir uns nicht nur an einzelne Akteure wie Landwirte oder Jäger, sondern an alle, denn der Rückgang an Arten und der Schutz der biologischen Vielfalt für zukünftige Generationen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so die Sprecher der Hegeringe.

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