3. Februar: Gründung eines „Groafskopsdörper-Stammdischkes“

Unbeschwert Platt schwatzen in den Grafschaftsdörfern rund um Medebach

„Platt macht Spaß“ – also gründeten Einheimische kurzerhand einen Stammtisch, der nun ausgeweitet werden soll.

Grafschaftsdörfer. An alle Platt-Lüede in däen Groafskopsdörpern un eren noawerdörpern: Wai Interesse häet in fiiner Runge moal rümme te nöelen, könnte amme dredden Febbruar in Timarkuesen föerbii kukken. Wii maaket uns en bietsken „Groafskops Spass up Platt“ – alles verstanden? Falls nicht: Kein Problem, beim plattdeutschen Stammtisch, der aus Düdinghausen aktuell auf alle acht Grafschaftsdörfer ausgeweitet werden soll, können Laien richtig was lernen. Und falls doch, umso besser: Dann können Interessierte vorbeischauen, um mit Gleichgesinnten mal wieder ordentlich Platt zu nölen.

Deftig geht’s zu, lustig und unbeschwert, sagt Horst Frese, der den Stammtisch regelmäßig besucht, stellvertretend für alle Mitglieder: „Niemand muss Angst vor dem Sprechen haben, man wird nicht mit hochgezogener Augenbraue wegen jedes kleinen Fehlers korrigiert. Im Vordergrund steht ganz eindeutig der Spaß.“ Wichtig für die Mitglieder, schließlich wollen sie nicht die Lust am Plattsprechen verlieren. In den acht Grafschaftsdörfern auf beiden Seiten der Landesgrenze werde im Sauerland-Vergleich recht häufig platt gesprochen – das gleiche Platt, wegen der gemeinsamen Herkunft der Dörfer um 700 bis 800 vom sächsischen Stamm der Engern. Eine gute Basis also, um den Stammtisch auf alle acht Grafschaftsdörfer auszuweiten. 

Um der traditionellen Sprache der Heimat wieder mehr Leben einzuhauchen, kamen jüngst wie berichtet Düdinghäuser, Titmaringhäuser und Epper um Berni Eickhoff – mit Unterstützung von Markus Hiegemann vom Sauerland-Radio – in der Dreggestobe zusammen. Sie beschlossen, einen plattdeutschen Stammtisch auf Grafschaftsdörferebene zu gründen. 

Themen aus dem täglichen Leben 

Dazu sind nun alle aus den Grafschaftsdörfern, die gern platt schwatzen, eingeladen. Auch diejenigen sind gern gesehen, die es bislang nur passiv beherrschen, es jetzt aber sprechen lernen wollen und dazu bereit sind, ‘einfach ins kalte Wasser zu springen’. Die Einladung gilt auch für die in etwa das gleiche Platt sprechenden Nachbardörfer der Grafschaft in Waldeck und Westfalen. Berni Eickhoff, ehemaliger Lehrer und Initiator der „Bewegung“, unterstützt die Interessierten beim Erlernen des Plattdeutschen. 

Der Gründungs-Stammtisch tagt am kommenden Sonntag, 3. Februar, um 18 Uhr im Gasthof zur Post in Titmaringhausen. Themen aus dem täglichen Leben werden hier behandelt. „Das ist uns wichtig, schließlich sind wir nicht nach hinten gerichtet und lesen nur alte Texte, die irgendwann mal irgendjemand auf platt geschrieben hat – wir sprechen über das Hier und Jetzt, Themen der Zukunft und beschwatzen alles, was anliegt“, erklärt Frese stellvertretend. „Es macht unheimlich viel Spaß, plattdeutsche Begriffe zum Beispiel für neue technische Ausdrücke zu finden. Daran knobeln wir oft sehr lange, bis jemand einen Geistesblitz hat.“ Im April wird zudem ein auf platt geführtes Interview in Buchform präsentiert. 

„Wenn wir diesem in unseren acht Grafschaftsdörfern noch gesprochenen 1200 Jahre alten Kulturgut eine Zukunft geben wollen, so müssen wir die Zahl derer, die es sprechen, vergrößern. Archivieren allein rettet die lebendige plattdeutsche Sprache nicht“, so die begeisterten Stammtischler, also: „Näemmet uch de Tiid föer düese fiine Saake un kukket moal bi uns rin.“

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