Bürgerhilfeverein bekommt tatkräftige Hilfe

Flüchtlinge engagieren sich für Bürger in Medebach

Heinrich Nolte und fünf der neuen Helfer mit dem bis dato unbekannten Werkzeug: der Schneeschaufel.

Medebach. Schon lange, bevor der erste Schnee rieselt, macht sich der Vorsitzende des Bürgerhilfevereins Medebach, Heinrich Nolte, Gedanken um eine der Hauptaufgaben der aktiven Mitglieder in den Wintermonaten: das Schneeräumen für Menschen, die dazu körperlich nicht mehr in der Lage sind. Tatkräftige Hilfe bekommt er in diesem Jahr von besonderer Seite: von sieben Flüchtlingen, die sich so bedanken möchten für die Gastfreundschaft, mit der sie in der Hansestadt aufgenommen worden sind.

Sie sind vor Terror und Krieg aus ihren Heimatländern geflohen, unter anderem aus Syrien und Eritrea, und haben in Medebach eine sichere Bleibe gefunden. „Das Prinzip ist ganz einfach: Wir helfen ihnen, sie helfen uns“, erklärt Heinrich Nolte. Für den Winterdienst waren ihm drei Helfer weggebrochen („darunter zwei Asylbewerber, die nun in Firmen beschäftigt sind“, so Nolte). Bei der Planung für den kommenden Winter kam ihm dann die Idee, Kontakt zu Flüchtlingen aufzunehmen, die regelmäßig einen Deutschkurs bei dem pensionierten Lehrer Ewald Nölke besuchen. Es erklärten sich sofort sieben Männer bereit, beim Winterdienst für Mitbürger zu helfen, die selbst nicht dazu in der Lage sind.

Gesellschaftliche Aufgaben

„Lustige Anekdote: Die meisten von ihnen haben bisher weder Schnee gesehen noch eine Schneeschaufel in den Händen gehalten“, sagt Heinrich Nolte lachend. „Es war ein spannender Aspekt, ihnen die Funktion zu erklären.“ Dann wird der Vorsitzende ernst: „Vor dem Hintergrund des Terrors in Frankreich waren die Flüchtlinge sehr angespannt und befürchteten Ressentiments. Sie waren sehr erleichtert und dankbar, dass sie dennoch willkommen sind und helfen können.“ Denn eines sei wichtig: Die Menschen mussten aufgrund dieser Terroristen aus ihrer Heimat fliehen. Sie sind selbst Opfer des IS und möchten nun in Frieden leben. „Die Flüchtlinge sind sehr froh, etwas zu tun zu haben. Momentan dürfen sie nicht arbeiten, daher können zum Beispiel Vereine ihnen anbieten, gesellschaftliche Aufgaben zu übernehmen“, fügt Nolte an. So ist Heinrich Nolte in diesen Tagen mit den neuen Helfern zu den Mitbürgern gefahren, um sie vorzustellen.

Für 20 bis 30 Haushalte jährlich hat der Verein den Räumdienst in den zurückliegenden Jahren mit freiwilligen Helfern organisiert. Die Helfer müssen in jedem Jahr neu gesucht werden, weil in der Regel nicht auf Personen zurückgegriffen werden kann, die in einem festen Arbeitsverhältnis stehen. Der 2009 gegründete Bürgerhilfeverein hat seit seinem Bestehen unzählige Hilfen bei Problemen geleistet, mit denen Betroffene allein nicht fertig wurden. Das Spektrum der Hilfeleistungen bezieht sich auf nahezu alle denkbaren Lebenssituationen. Ein besonderer Schwerpunkt besteht darin, älteren und behinderten Menschen zu helfen, die gern noch in ihren eigenen Wohnungen leben möchten, aber einzelne Tätigkeiten nicht mehr ausführen können. Jederzeit willkommen sind neue Mitglieder, die entweder aktiv helfen können, oder auch, falls jemand zeitlich oder körperlich nicht dazu in der Lage sein sollte, den Verein gern ideell fördern möchten. „Jeder kann Mitglied werden“, so Ansprechpartner Heinrich Nolte.

Patenschaft für Waisenkind

Kürzlich fand zudem das Mitgliedertreffen des Bürgerhilfevereins Medebach statt; eingefunden hatten sich rund 40 Teilnehmer im Evangelischen Gemeindezentrum. Heinrich Nolte berichtete ihnen über die Vereinsarbeit. Diese beinhaltet einfache Beratungen und Gespräche sowie aktive Einsätze – nicht nur das Schneeräumen, sondern zum Beispiel auch Arbeiten im Garten. Zunehmend werde auch Ausländern und Flüchtlingen Hilfe gewährt, unter anderem durch Fahrten zu Behörden. Bei allen Aufgaben stehe die Nachrangigkeit der Bürgerhilfe im Fokus. Dies bedeutet, nur wenn alle anderen Stellen und Organisationen nicht helfen oder die Arbeit nicht ausführen können, tritt die Bürgerhilfe in Aktion.

Als besondere Maßnahme stellte Manfred Sauer die Übernahme der Patenschaft für das elfjährige Waisen-Mädchen Isalamiya aus Nigeria vor: „Isalamiya wohnt mit ihrer Schwester in einer SOS-Kinderdorf-Familie, lernt sehr eifrig in der Schule und hilft im Haushalt gut mit. Sie treibt mit anderen Gleichaltrigen Sport und fühlt sich allgemein wohl.“ Der Bürgerhilfeverein zahlt für ihr Patenkind 35 Euro monatlich direkt an das SOS-Kinderdorf „OWU-IJEBU“ in Nigeria. Auf Manfred Sauers Vorschlag führte die Versammlung eine Körbchensammlung für ihr Patenkind aus – inzwischen sind 175 Euro an das SOS-Kinderdorf überwiesen worden.

Übrigens: Auf dem Medebacher Weihnachtsmarkt am 28. und 29. November stellt sich der Bürgerhilfeverein mit einem Stand vor. Es gibt Bratäpfel aus eigener Herstellung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare