1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Medebach

„Für die gesamte Region besonderes Projekt“ - Baustart für Sommer geplant

Erstellt:

Von: Marco Twente

Kommentare

Freuen sich auf den Bau des Wohnprojektes Hengsbecke (v.l.): Bürgermeister Thomas Grosche, Sauerlandpraxis-Facharzt Tim-Henning Förster, Peter Wagner (Vorstand Wohnungsbaugenossenschaft), Architekt Klaus Ising, Stefan Kotthoff (Vorsitzender des Aufsichtsrates) und Heinz-Georg Eirund (Geschäftsführer Caritas).
Freuen sich auf den Bau des Wohnprojektes Hengsbecke (v.l.): Bürgermeister Thomas Grosche, Sauerlandpraxis-Facharzt Tim-Henning Förster, Peter Wagner (Vorstand Wohnungsbaugenossenschaft), Architekt Klaus Ising, Stefan Kotthoff (Vorsitzender des Aufsichtsrates) und Heinz-Georg Eirund (Geschäftsführer Caritas). © privat

Es ist fast eine kleine Siedlung, die rund 700 Meter entfernt vom Zentrum Medebachs geschaffen werden soll. Aus einer gemeinsamen Idee von Stadt, Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland und Caritasverband Brilon ist das „Wohnprojekt Hengsbecke“ entstanden. „Ein zukunftsweisendes und für Medebach einzigartiges Projekt“, wie die drei beteiligten Parteien betonen.

Medebach – „Seit rund einem Jahr wird schon geplant“, berichtet Peter Wagner, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland. Initiator des Projektes seien die Stadt Medebach und Bürgermeister Thomas Grosche gewesen. Bei dem Bauplatz handele es sich um ein städtisches Grundstück. „Die Stadt hat überlegt, dort eine herausragende Bebauung darzustellen“, so Wagner. So seien Wohnungsbaugenossenschaft und Caritas als gemeinnützige Organisationen angesprochen worden, um an dieser Stelle größtenteils öffentlich geförderte Wohnungen zu bauen. Nach Gesprächen mit dem Kreis, der in baurechtlicher Hinsicht zuständig sei, und den Nachbarn stehe dem Vorhaben nichts mehr im Wege.

Mit ihrem Konzept wollen die Projektpartner die Weichen für die Entwicklung des Wohnungsangebotes in Medebach neu stellen und ihren sozial ausgerichteten Auftrag zur Schaffung kostengünstiger Wohnungen verantwortlich wahrnehmen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Grundlage der Planungen seien umfangreiche Analysen zur Wohn- und Lebenssituation der Menschen aller Generationen in Medebach und Umgebung sowie Pflege- und Betreuungsbedarfsplanung der Senioren für die kommenden Jahre gewesen. Es sollen preiswerte und dabei zukunftsfähige Wohnungen in einem lebenswerten, kleinteiligen Umfeld entstehen. „Ein wichtiges Ziel ist die generationengerechte Nutzbarkeit des Wohnquartiers“, so die Projektpartner. Grundvoraussetzung sei daher die Barrierefreiheit der Wohnungen und Außenanlagen. Doch was ist konkret geplant?

Drei Mehrfamilienhäuser für alle Generationen

Das Konzept sieht drei Mehrfamilienhäuser vor, die einen Wohnhof als gemeinsame Mitte haben. Dieser soll verschiedene gemeinsame Nutzungen, soziales Leben und den Austausch innerhalb der Wohnanlage fördern. Als Quartiertreff für nachbarschaftliche Aktivitäten ist ein ungefähr 93 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum mit Küche geplant. „Die Besonderheit ist, dass das anonyme Wohnen und die Vereinsamung im Alter der Vergangenheit angehören sollen“, so Wagner. Durch die fußläufige Erschließung der Häuser, Plätze, einen Sinnesgarten und Grünflächen solle die Bekanntschaft und Kommunikation der Bewohner angetrieben werden. Ziel sei es, die Lebens- und Wohnqualität durch ein attraktives Wohnumfeld zu erhöhen, das zum Verweilen, Erholen und Begegnen einlädt.

Die Wohnhäuser selbst werden zwei- oder dreigeschossig mit ausgebautem Dachgeschoss erstellt. Über die gemeinschaftlich genutzten Freiflächen hinaus werden jeder Wohnung in Form von Terrassen oder Balkonen private Freiräume geboten. „In den Wohnhäusern sind jeweils Wohnungen verschiedener Größen und Grundrisstypen angeordnet, so dass eine gemischte Bewohnerstruktur innerhalb der Nachbarschaft entsteht. Es werden Zwei-, Drei- und Vier-Zimmerwohnungen für Singles, Paare und Familien in allen Lebensphasen angeboten“, so die Projektpartner.

Die Wohnungsbaugenossenschaft biete bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze durch das Land geförderte Wohnungen an, deren Miete Peter Wagner – je nach Festsetzung durch das Land – auf etwa 6 Euro pro Quadratmeter schätzt. Die frei finanzierten Wohnungen dürften laut Wagner bei rund 7 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter liegen. „Die Ausstattung aller Wohnungen ist aber gleich“, betont der Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft.

Neben den drei Mehrfamilienhäusern soll in einem weiteren Gebäude die Sozialstation der Caritas, eine Senioren-WG und mit der Sauerlandpraxis von Dr. Förster eine hausärztliche Praxis untergebracht werden. „Der Caritasverband Brilon stabilisiert durch dieses Projekt in Medebach den etablierten Bereich der Sozialstation mit der ambulanten Pflege, der medizinischen Behandlungspflege und der Alltagsbegleitung sowie der Betreuungsgruppen. Darüber hinaus entwickeln wir ein neues Angebot für Senioren und Menschen mit Unterstützungsbedarf in Form einer Wohngemeinschaft. Die Wohngemeinschaft bietet hauswirtschaftliche Leistungen und eine verlässliche begleitete Tagesstruktur durch Präsenzkräfte“, so Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband Brilon.

Bei Pflegebedarf unterstütze die Senioren die Sozialstation. Die WG biete zehn Wohneinheiten und Gemeinschaftsräume auf 455 Quadratmetern.

„Durch die räumliche Integration des Wohnquartiers mit den Einrichtungen der Caritas und der hausärztlichen Praxis entsteht ein Mehrwert für alle Beteiligten und das gesamte Quartier. Diese Infrastruktur ermöglicht allen Bewohnern einen lebendigen, abwechslungsreichen und medizinisch versorgten Alltag“, sind sich die Projektpartner sicher.

Ich freue mich sehr, dass dieses für Medebach und aus meiner Sicht für die gesamte Region besondere Projekt nun so weit fortgeschritten ist, dass wir an die Umsetzung denken können.

Thomas Grosche, Bürgermeister der Stadt Medebach

Auch das Thema Umwelt und Energie spiele bei dem Bauvorhaben eine große Rolle. So sei vorgesehen, die Gebäude CO2-reduziert zu errichten. Fahrräder und E-Bikes werden in abschließbaren Abstellanlagen und speziellen Pavillons mit Ladestationen untergebracht. Regenerative Energien (Wärmepumpen und Solaranlagen) zur Bewirtschaftung der Wohnanlage in Verbindung mit Angeboten der E-Mobilität und ÖPNV-Tickets für die Mieter sollen das Konzept ökologisch abrunden. „Wir bauen ein Effizienzhaus Stufe 40. Dadurch sind die Nebenkosten extrem niedrig“, so Wagner. Durch eine Kooperation mit den Stadtwerken, die Solaranlagen anbringen werden, sei die Stromnutzung ausschließlich für alle Bewohner vergünstigt. Gleiches gelte für den Nahverkehr. „Die Mieter können sehr vergünstigt in die Nachbarorte fahren. Zugleich hoffen wir, dass dadurch der Autoverkehr reduziert wird“, so Wagner, der von einem Baubeginn noch in diesem Sommer ausgeht.

„Ich freue mich sehr, dass dieses für Medebach und aus meiner Sicht für die gesamte Region besondere Projekt nun so weit fortgeschritten ist, dass wir an die Umsetzung denken können. Uns als Stadt war es wichtig, dieses Grundstück als ‘Filetstück’ für die Schaffung von qualitativ hochwertigem und gleichzeitig bezahlbarem Wohnraum für unsere Bürgerinnen und Bürger nutzen zu können“, so Thomas Grosche, Bürgermeister der Hansestadt Medebach.

Und noch eines wünschen sich die drei Projektpartner im Hinblick auf ihr Vorhaben – „dass im Wohnquartier Hengsbecke eine richtige Gemeinschaft entsteht“.

Auch interessant

Kommentare