Weltwärts in die „DomRep“

Sauerländer absolviert ein Jahr lang Freiwilligendienst in der "DomRep"

Eine Aufgabe von David Reinecke wird es sein, sich mit den Menschen vor Ort auszutauschen.

Glindfeld/Jarabacoa – Die Dominikanische Republik. Sehnsuchtsziel für Sonnenhungrige, Backpacker, All-Inclusive-Urlauber. David Reinecke aus Glindfeld hat zwar das gleiche Reiseziel wie ein Tourist, doch Erholung steht bei ihm nicht im Fokus.

Der 22-Jährige möchte ein Jahr lang mithilfe des Lern- und Freiwilligenprogramms „weltwärts“ vor Ort etwas bewegen, etwas Nachhaltiges, die Menschen unterstützen im Bereich „Watermanagement“. Dazu arbeitet er mit der Nichtregierungsorganisation (NGO) Plan Yaque zusammen, die sich für den Schutz der Wasserqualität des größten Flusses des Landes, des Río Yaque del Norte, einsetzt. Insbesondere in Jarabacoa arbeitet die NGO an diesem Vorhaben und möchte mit Partnern an passenden Stellen Kläranlagen installieren. 

„Teile der Stadt sind nicht an eine Kläranlage angeschlossen. In ärmeren Teilen wird das Abwasser direkt in den Fluss geleitet. Das bedeutet Seuchengefahr“, erklärt Reinecke. „Meine Aufgabe wird es unter anderem sein, Grunddaten zu sammeln, also die Wasserqualität in verschiedenen Bereichen des Flusses zu analysieren und eine bedarfsgerechte Planung der Kläranlage zu ermöglichen.“

David Reinecke absolviert ein Jahr lang Freiwilligendienst in der Dominikanischen Republik.

Bauen werde er die Anlage nicht, dafür habe er kein ausreichendes Know-how, ebenso wenig wie die Bevölkerung vor Ort. Vielmehr gehe es in diesem ökologischen Freiwilligendienst um die Akzeptanz für das Programm, um gemeinsames Ausprobieren, um Austausch mit den Menschen und ihnen – schon den Kindern mit kleinen Experimenten – zu zeigen, wie zum Beispiel ein Filter funktioniert. „Denn was bringt es, wenn Kläranlagen gebaut werden, aber dann nicht betrieben werden können? Wir spielen nicht den Moralapostel, sondern möchten erfahren, womit die Menschen im Alltag Probleme haben, welche Erfahrungen sie mit Abwasser und Müll gemacht haben.“

Für die Umsetzung selbst hat die NGO Partner an der Hand, wie ein Aachener Ingenieurbüro, bei dem David Reinecke zur Vorbereitung auf seine Arbeit in der Dominikanischen Republik zurzeit ein Praktikum absolviert. Gut vorbereitet sein, diszipliniert arbeiten – das hat der junge Glindfelder bei seinem Bachelor-Studium der Umweltingenieurwissenschaften (ein Themenschwerpunkt ist „Wasser“, auch wissenschaftliche Arbeiten zu den Themen „Sanitärversorgung in Entwicklungsländern“ und die „Interaktion zwischen Menschen und Hochwasser“ hat er verfasst) an der RWTH Aachen gelernt. Dass das Arbeiten in der Dominikanischen Republik daher gewisse Hürden mit sich bringt, ist ihm bewusst: „Ich darf nicht alles auf einmal wollen und nicht enttäuscht sein, wenn etwas nicht sofort funktioniert. Da muss ich gelassener werden“, sagt Reinecke mit einem Lachen. 

Mit dem Virus zu kämpfen

Mit dem Reisen indes hat er kein Problem – das war schon immer das Steckenpferd der gesamten Familie. David Reinecke hat nach dem Abi beim Work & Travel in Aus-tralien viel auf Bauernhöfen ausgeholfen. Im Land, so Reinecke, gab es „ein relativ großes Umweltproblem“ – es liege sehr viel Müll in der Landschaft, den niemand kümmere. Ähnliches ist ihm bei einem vorherigen Schüleraustausch in Rumänien aufgefallen. „Also kam mir der Gedanke: ‘Vielleicht kann ich etwas studieren, womit ich auf Reisen den Menschen bei Problemen, die die Umwelt und das tägliche Leben betreffen, helfen kann: Umweltingenieurwissenschaften.“ 

Nach Australien war zudem klar: Reinecke will etwas Neues sehen, andere Kulturen kennenlernen, am liebsten Südamerika. Im Studium hat er daher Spanischkurse belegt, war zum Erasmus-Auslandssemester in Spanien, lernte dort Leute aus Südamerika kennen. Dann ist er auf das Freiwilligenprogramm „weltwärts“ gestoßen. Ein Jahr lang wird David Reinecke entweder in einer Gastfamilie oder in einer WG mit anderen Freiwilligen leben, wird bei seiner Aufgabe 40 Stunden pro Woche voll eingespannt.

Das Vorbereitungsseminar in Thüringen beginnt Ende August, dort lernen sich die Freiwilligen kennen; die Ausreise folgt Mitte Oktober. Diese war einige Wochen in der Schwebe. Das Coronavirus macht auch den Menschen in der Dominikanischen Republik zu schaffen, das ohnehin marode Gesundheitssystem hat mit dem Virus sehr zu kämpfen. Umso mehr freut sich David Reinecke, die Menschen bald zu unterstützen – und anschließend, wie es „weltwärts“ vorsieht, „Botschafter für diejenigen in der globalen Welt zu werden, die die Nachteile der Globalisierung erleiden“.

Nun gilt es für David Reinecke, Spenden für seinen Aufenthalt zu sammeln. 75 Prozent der insgesamt 10.600 Euro werden vom Bundesminsterium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert, rund 2600 Euro muss er selbst aufbringen. Reinecke freut sich über jeden, der sich bei ihm meldet, auch Firmen: Tel. 0152/53843061. Infos: www.weltwaerts.de und www.ecoselva-verein.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare