Eine Truppe für die Grafschaft

Löschzüge proben bei Herbstübung den Notfall

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Hand in Hand führten die Löschzüge die Übung durch.

Titmaringhausen/Medebach – Mittwoch, 19 Uhr. Der Löschzug Nord der freiwilligen Feuerwehr Medebach bekommt die Meldung, dass es in Titmaringhausen bei der Biogasanlage Frese eine Verpuffung bei Schweißarbeiten gegeben hat und es nun im Maschinenraum brennt.

Die Löschzüge Deifeld, Referinghausen, Düdinghausen, Oberschledorn und Küstelberg sowie die Medebacher Feuerwehr mit Drehleiter und Einsatzleitfahrzeug sind Minuten später vor Ort. Etliche aufgebaute Strahler und das Blaulicht von sieben Feuerwehrfahrzeugen lassen den Hofraum vor der Anlage taghell erscheinen. 39 Feuerwehrmänner und -frauen kümmern sich um die Bekämpfung des Brandes und die Bergung von vier vermissten Personen. Zum Glück handelt es sich bei dem Einsatz um die Herbstübung des Löschzuges Nord des Medebacher Stadtgebietes. 

Sie übten bereits zum sechsten Mal gemeinsam den Ernstfall, um sich selbst sowie die Stärken und Schwächen jeder Löschgruppe der verschiedenen Ortschaften besser kennenzulernen. Außerdem soll die Zusammenarbeit der einzelnen Einheiten routinierter werden, um im Ernstfall eine schlagkräftige Truppe für die Grafschaft aufstellen zu können. Nachdem bereits in Abständen von zwei bis drei Monaten in Deifeld, Oberschledorn, Küstelberg und zuletzt in Referinghausen im mittlerweile abgerissenen „Heruses-Haus“ eine gemeinsame Übung abgehalten wurde, kamen die verschiedenen Löschgruppen auf Einladung von Simon Frese nun nach Titmaringhausen in die Biogasanlage.

Jeder Trupp hat eigene Aufgabe

Im Vorfeld hatte er den Übungseinsatz tagelang mit Löschgruppenführer Uwe Hellwig und Philipp Gerbracht aus Referinghausen geplant. Jeder Trupp bekam beim Eintreffen von Einsatzleiter Mario Dessel aus Oberschledorn seine Aufgabe: Medebach fuhr die Drehleiter aus und rettete zunächst eine Person aus dem oberen Stockwerk eines angrenzenden Wohnhauses und bekämpfte dann die Flammen, die aus dem hohen Schornstein der Anlage schlugen. 

Küstelberg baute eine Patientenablage auf und unterstützte den Rettungsdienst, während Deifeld mit voller Atemschutzausrüstung den Innenangriff übernahm und in die verqualmten Maschinenräume vordrang, um zwei bewusstlose Personen zu retten, die dann von den Küstelbergern in Empfang genommen wurden. Oberschledorn rettete eine weitere verletzte Person aus einem angrenzenden Raum und Düdinghausen und Referinghausen stellten die Wasserversorgung aus einem Wassertank der Familie Frese und aus dem örtlichen Hydrantennetz sicher. Außerdem mimte Referinghausen die verletzten Personen. 

Danach ging ein weiterer Notruf ein: Verkehrsunfall in der nahegelegenen Sportstraße. Auch darum mussten sich die Einsatzkräfte nun kümmern. Im Einsatzleitfahrzeug von Medebach liefen alle diese Fäden zusammen. Damit auch der Nachwuchs, der aufgrund seines Alters noch nicht an solchen Übungen teilnehmen darf, etwas lernen kann, war er eingeladen, als Zuschauer an der Übung teilzunehmen. 

In der anschließenden Teambesprechung im Referinghäuser Feuerwehrhaus, an der auch Simon Frese als Betroffener teilnahm, wurde dann Klartext gesprochen. Was war gut und was ist vielleicht noch verbesserungswürdig? Allgemein kam die Sprache auch darauf, dass immer weniger Personen bereit sind, sich ehrenamtlich in der Feuerwehr zu engagieren. In manchen Orten gibt es jetzt schon keine Feuerwehr mehr, aber alle waren sich einig, dass es in anderen Orten in einigen Jahren nicht anders aussehen werde.

Jugendarbeit gegen Personal-Schwund

Derzeit besteht die Feuerwehr des gesamten Stadtgebiet Medebachs aus 254 aktiven freiwilligen Feuerwehrleuten, die unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Herbert Kordes aus Medebach stehen. Dazu kommen 68 Mitglieder der Jugendfeuerwehr im Alter von 10 bis 18 Jahren und 18 Feuerdrachen im Alter von 6 bis 10 Jahren. Das höre sich viel an, aber im Notfall zähle jede Hand. „Gerade tagsüber sind aber viele freiwillige Feuerwehrleute nicht vor Ort und stehen so nicht schnell genug oder gar nicht zur Verfügung“, hieß es. Um dieser Tatsache, aber auch dem allgemeinen Schwund entgegenzuwirken, will man in Zukunft noch mehr auf Jugendarbeit setzen, berichtet StBI Kordes. So soll verhindert werden, dass der Nachwuchs im „schwierigen“ Alter von 14 bis 18 die Feuerwehr verlässt, sei es aus Desinteresse oder aus schulischen oder beruflichen Gründen.

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