Abriss der Kleinbahn jährt sich heute zum sechzigsten Mal

Historischer Einschnitt

Die Kleinbahn Steinhelle-Medebach verkehrte von Steinhelle bis Niedersfeld auf der Landstraße.

Ein historisches Datum jährt sich heute zum sechzigsten Mal: Es begannen die Abrissarbeiten an der Kleinbahn Steinhelle-Medebach. Grund genug für einen Rückblick.

Seit 1870 hatten sich die politischen Vertreter bemüht, den wirtschaftlich schwachen Südkreis mit einer Eisenbahn zu erschließen. Ursprünglich sollte nach mehreren Vorschlägen die Route der ehemaligen „Heidenstrasse“ verfolgt werden. Aber landschaftliche Schwierigkeiten ließen den Bau einer Normalspur nicht zu. Die Kosten für eine Nomalspur betrugen 100.000 Mark, während eine Schmalspurbahn 40 Mark je Kilometer kosteten. Mit einem Stammkapital von 1,2 Millionen Mark, zu je einem Drittel vom damaligen Staat Preußen, Provinzialverband Westfalen und dem Kreis Brilon, wurde der Bau der Bahn umgesetzt.

Die Streckeneröffnung fand am 1. Mai 1902 von Steinhelle nach Niedersfeld, am 15. Juni 1902 von Niedersfeld nach Küstelberg, am 24. November 1903 von Küstelberg nach Oberschledorn und am 1. Mai 1903 von Oberschledorn nach Medebach statt.

Der Übergang zur Reichsbahn war in Steinhelle, die eine Spurbreite von 1435 Millimeter hatte, während die Kleinbahn nur eine Spurweite von 75 Zentimeter hatte. Das bedeutete, dass alle Güter – etwa Grubenholz, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kohlen und vieles weitere – in Steinhelle umgeladen werden musste. Die vermutlichen Umladekosten wurden mit 2 Mark pro Doppellader angegeben. Diese Annahme entpuppte sich jedoch als großer Irrtum. Die Schienen der Kleinbahn wurden von Steinhelle bis Niedersfeld auf der Landstraße verlegt, während von Niedersfeld bis Medebach die notwendigen Grundstücke von den anliegenden Dörfern kostenlos zur Verfügung gestellt werden mussten, das heißt das Land musste von den Eigentümern erworben werden. Die Gesamtstrecke betrug 36,5 Kilometer.

Doppelte Spitzkehre europaweit einmalig

Zunächst war vorgesehen, die Bahn direkt von Steinhelle über Küstelberg nach Medebach zu bauen. Dagegen wehrten sich aber die Dörfer der Grafschaft, die ebenfalls einen Bahnanschluss haben wollten. Ein weiterer Wunsch war, die Bahn von Oberschledorn nach Medebach und nach Korbach zu führen. Diese Idee zerschlug sich allerdings.

Eine Besonderheit war die Bahnstrecke zwischen Küstelberg und Deifeld. Hier mussten auf eine Länge von 4,5 Kilometern 140 Höhenmmeter überwunden werden. Dieses wurde mit einer doppelten Spitzkkehre geregelt, die einmalig in Europa war. Beim Abriss standen zum Verkauf an: drei Heißdampflokomotiven je 40 Tonnen, ein Dieseltriebwagen, 20 offene Güterwagern, zwölf Rungenwagen, 15 gedeckte Güterwagen und vier Personenwagen. Die Loks kamen zur Verschrottung nach Salzgitter, der Triebwagen fuhr noch einige Jahre auf der Garthetalbahn bei Hannover. Einige Güterwagen beziehungsweise Teile davon fahren noch heute bei der Steiermärkischen Landesbahn in Graz.

Der gesamte Abriss kostete 475.000 DM. Der Kreistag in Brilon stimmte dem Abriss am 5. Mai 1953 unter der Voraussetzung zu, dass gleichzeitig die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden müssen, um den Verkehr für Medebach, die Grafschaft und die anderen betroffenen Gemeinden sicherzustellen. Oberkreisdirektor Steinecke erinnerte besonders an die Straßen nach Medelon und Münden.

Erstaunlich ist, dass die nicht mehr vorhandene Bahn heute noch einen guten Ruf hat. Inzwischen wurden vier Bücher/Broschüren gedruckt. Eine Gruppe des Heimat- und Geschichtsvereins hat die Bahn als Modell zwischen Medebach und Grönebach ausgebaut, ein Wanderweg auf der gesamten Strecke wird zurzeit erarbeitet.

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